Wo Licht ist und Bewegung: Der Burbacher Bahnhof ist nun fast komplett vermietet

Wo Licht ist und Bewegung: Der Burbacher Bahnhof ist nun fast komplett vermietet

Vor zwölf Jahren hat die städtische Entwicklungsgesellschaft GIU den Bahnhof Burbach gekauft. Er verkam zu einer Art öffentlicher Toilette. Die schlechten Zeiten scheinen nun vorbei.

Gerhard Seifried und Barbara Bell-Follmann fühlen sich wohl im Bahnhof. Foto: Becker&Bredel. Foto: Becker&Bredel

Es mag merkwürdig klingen, aber seit das Burbacher Bahnhofsgebäude nichts mehr mit der Bahn zu tun hat, geht es dort wieder zu wie auf dem Bahnhof - sprich: Es ist was los. Das Gebäude ging zwar schon 2003 in den Besitz der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) über. Aber die Entwicklungsgesellschaft, die in Burbach unter anderem die Saarterrassen und das ehemalige Bahnausbesserungswerk neu vermarktet hat, schien sich am Bahnhof die Zähne auszubeißen. Das Interesse, sich dort einzumieten, hielt sich in Grenzen. Ein Suppenrestaurant, das dort sein Glück versuchte, war schnell wieder weg.

Dass inzwischen sechs Mieter in das von 1957 bis 1959 errichtete, 32 Meter lange und siebeneinhalb Meter tiefe, denkmalgeschützte Gebäude eingezogen sind, liegt daran, dass der Bahnhof kein echter Bahnhof mehr ist. Wer zu den Gleisen will, muss und darf nicht mehr durchs Gebäude . Seit Sommer 2012 führt nämlich eine 120 Meter lange Fußgängerbrücke zum Zughaltepunkt.

Die Brücke brachte die Wende, sagt GIU-Geschäftsführer Jürgen Schäfer. Das "große Problem" sei nämlich gewesen, dass der offene Bahnhof von Obdachlosen als Schlafstelle benutzt worden sei - und als Toilette. Auch Menschen, die zum Zug sind, haben im unbeaufsichtigten Bahnhof "ihre Notdurft verrichtet", sagt Schäfer. Der Bahnhof als Ganzes sei "eine öffentliche Toilette" gewesen.

Dass dort niemand eins der neu hergerichteten 22 bis 53 Quadratmeter großen Büros mieten wollte, sei unter diesen Umständen nicht verwunderlich gewesen. Mit der Brücke kamen die Mieter . Sechs Büros sind belegt, in die zwei noch leerstehenden geht wohl bald eine städtische Tochterfirma, die Seminarräume braucht, sagt Schäfer.

Im April wird dann der Platz vor dem Bahnhof nach dem unter anderem für die Zeitschrift "Tintenfisch" zeichnenden Karikaturisten Bob Strauch benannt, kündigt Schäfer an. Aus diesem Anlass soll es im Bahnhof auch eine Ausstellung mit Werken des Saarbrücker Zeichners geben.

Eine Ausstellung, über die sich Barbara Bell-Follmann und Gerhard Seifried besonders freuen dürften. Grafiken gehören zum Geschäft der beiden. Sie sind mit ihrer Marketingagentur "Pro" zum Jahreswechsel von Alt-Saarbrücken nach Burbach umgezogen. Seit rund 30 Jahren macht die Agentur Werbung. Einer der großen Erfolge: 1988 entwickelte sie in Saarbrücken das offizielle Plakat zum Münchner Oktoberfest.

Der Burbacher Bahnhof, sagt Barbara Bell-Follmann, sei ein guter Ort für Menschen, die kreativ arbeiten. Die Räume seien nicht nur "lichtdurchflutet", durch die Züge sei der Bahnhof ein Ort der Bewegung. "Die aus- und einfahrenden Züge, das hat einfach Charme", findet sie. Er sei eine Weile skeptisch gewesen, habe sich die Entscheidung, das neue Quartier zu beziehen, nicht einfach gemacht, sagt Gerhard Seifried. Aber sie sei richtig gewesen, denn: "Ich komme morgens richtig gerne hierher", schwärmt er - eben auch, weil es hier zugeht wie auf einem Bahnhof.