Leben in Burbach : Wie man in Burbach heimisch werden kann

Der Kulturverein Burbach und die Landeshauptstadt haben in einem Projekt die Geschichte der Einwanderer erkundet.

Als sich Macrina und Domenico Calippo Mitte der 60er Jahre nach einer Wohnung in Burbach erkundigten, sagte der Vermieter: „Wir wollen keine Italiener. Die kriegen immer so viele Kinder.“ Die Calippos gehörten zu den ersten Einwanderern in dem Saarbrücker Stadtteil. Heute können die beiden über die Ablehnung von damals lachen. Sie sind in Burbach heimisch geworden.

Und Zuwanderer sind hier längst nichts Außergewöhnliches mehr. Jeder Vierte in dem Stadtteil hat einen ausländischen Pass. Menschen aus über 100 Ländern leben in Burbach. Läden mit bulgarischen, afghanischen oder türkischen Spezialitäten prägen das Bild. Die Spuren der Migration sind allgegenwärtig.

Um diese Spuren und die Geschichte der Migration zu erkunden, haben der Kulturverein Burbach und das Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) der Landeshauptstadt Saarbrücken das Projekt „Spurensuche“ ins Leben gerufen. Dazu haben sie nun auch eine 86-seitige Broschüre mit dem Titel „Spuren der Einwanderung“ veröffentlicht. Darin geht es neben der allgemeinen Geschichte der Italiener, Türken und Aussiedler in Burbach auch um spannende einzelne Biographien. Etwa die von Macrina Calippo.

Sie ist als junge Frau aus einem kleinen Ort in Kalabrien nach Burbach gezogen. Mittlerweile lebt die 80-Jährige bereits seit über 50 Jahren in Saarbrücken. Ihr Ehemann Domenico kam schon einige Jahre zuvor nach Burbach. Er habe ihr in zwei Jahren 160 Liebesbriefe nach Kalabrien geschickt, sagt Macrina Calippo. Sie habe sie allesamt aufbewahrt.

Das Ehepaar Calippo fühlt sich wohl in Burbach. Mit Vermietern müssen sie sich nicht mehr herumschlagen. Im Jahr 1977 kauften sie sich ein Haus ganz in der Nähe des ehemaligen Firmengeländes der Drahtseil-Fabrik Heckel, wo Domenico Calippo arbeitete. „Es war allerdings auch nicht immer alles leicht“, sagt Macrina Calippo. Sie konnte bei ihrer Ankunft kein Wort Deutsch, kannte niemanden und litt unter dem Wetter. Außerdem machte ihr der viele Rauch der riesigen Industrieanlagen zu schaffen. „Heute ist es nicht mehr so, aber als ich nach Saarbrücken gekommen bin, war alles fürchterlich grau“, sagt die 80-Jährige.

Das Projekt „Spurensuche“ begann im Sommer 2016. Neben der Broschüre gab es auch mehrere Veranstaltungen. Nun sei das Projekt vorerst abgeschlossen, teilt der gemeinnützige Kulturverein mit. Das Ziel sei gewesen, dass die Bewohner ein Interesse an der Einwanderungsgeschichte entwickeln und selbst am Projekt mitarbeiten. „Über die Migration in Saarbrücken ist schon einiges geschrieben worden“, sagt Dagmar Trenz. „Aber bisher gab es noch keine Arbeit, die ganz gezielt ein einzelnes Stadtviertel betrachtet.“ Trenz hat für die Broschüre des Kulturvereins ein Jahr lang in Archiven gewühlt, alte Dokumente erforscht und mit Einwanderern gesprochen.

Dabei stieß sie auch auf die Geschichte von Jim Baggiocy, der ihr vom Zuwanderungs- und Integrationsbüro empfohlen wurde. Er verließ vor genau 20 Jahren seine Heimat in Ghana und flog nach Deutschland. Der damals 18-Jährige hatte als Fußballer einen Vertrag beim FC Homburg unterschrieben. Der Verein spielte zu dieser Zeit in der dritten Liga.

Nach der Fußball-Karriere blieb Baggiocy im Saarland. Heute ist er als Unternehmer in Burbach tätig. Und der Standort ist für sein Unternehmen gerade deshalb so geeignet, weil hier so viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben. Der 38-Jährige vermittelt Flug- und Busreisen, hauptsächlich für Einwanderer, die in ihre Heimat reisen. Außerdem hilft Baggiocy bei Übersetzungen von Behörden-Papieren.

 Vom Fußball-Profi zum Unternehmer: Jim  Baggiocy aus Ghana ist in Burbach heimisch geworden.
Vom Fußball-Profi zum Unternehmer: Jim  Baggiocy aus Ghana ist in Burbach heimisch geworden. Foto: Rich Serra

„Burbach ist besser als sein Ruf“, sagt Baggiocy. In den vergangenen zehn Jahren habe sich viel verändert, meint der gebürtige Ghanaer. Früher habe er sich manchmal nicht sicher gefühlt, sagt Baggiocy. Diese Zeiten seien nun aber vorbei. Die Menschen aus den vielen verschiedenen Nationalitäten lebten hier gut zusammen.