| 00:00 Uhr

Vorwärts in die Vergangenheit

Als die Burbacher Hütte noch Gegenwart war: Januar 1978. Foto: Hartung
Als die Burbacher Hütte noch Gegenwart war: Januar 1978. Foto: Hartung FOTO: Hartung
Burbach. Hier wurde leidenschaftlich geküsst – auf Fotos von Rachel Mrosek. Hier gab es eine Freakshow – mit Bildern von Michael Kunz. Hier kämpfte der Künstler O. W. Himmel gegen Massenkunst aus dem Baumarkt. Nun soll das Café des Kulturvereins Burbach zu einem Ort werden, von dem aus das Saarland, Luxemburg und Lothringen näher zusammengebracht werden. Martin Rolshausen

"Das alte und das neue Burbach zusammenbringen, das ist unser Plan", sagt Rudolf Kraus . Kraus war mal Vorsitzender der CDU Burbach und saß im Stadtrat. Jetzt ist er stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins Burbach und räumt ein, dass der Burbach-Plan nicht so recht vorankommt. "Sowas geht nicht über Nacht", sagt er.

Reinhard Klimmt , Ex-Ministerpräsident, Ex-Bundesverkehrsminister und jetzt Vorsitzender des Kulturvereins, formuliert es so: "Man muss einen langen Atem haben." Als der Verein vor gut drei Jahren gegründet wurde, sprach Klimmt von den drei Gruppen in Burbach , die der Verein zueinanderbringen will. Da seien die "Alteingesessenen, die ehemaligen Arbeiter, die auf der Hütte waren oder im Ausbesserungswerk". Dann gebe es "die große Zahl der Migranten". "Die dritte Gruppe", erklärte Klimmt, "sitzt auf den Saarterrassen ".

Den Burbach-Plan wolle der Verein nicht aufgeben, sagt Vereinsgeschäftsführer Frank Schilling. Im Herbst und Winter soll eine Märchenerzählerin Leute im Café zusammenbringen. Die Stadtteildokumentation, die der Verein bald fertigstellen wird, soll den Burbachern Selbstbewusstsein geben, weil sie zeigt, wie vielfältig und stark der Stadtteil ist. Auch aktuelle Burbacher Ansichtskarten soll es geben.

Aber Klimmt & Co. wollen nun auch Geld der Europäischen Union für einen neuen Plan nach Burbach holen. Der Plan lautet: "Die Montanvergangenheit lebendig machen." Zusammen mit Freunden in Luxemburg und Lothringen und mit Leuten vom Pensionärsverein der Burbacher Hütte will Klimmt ein Bewusstsein für die Großregion schaffen. Die Zukunft des Saarlandes liege nämlich nicht in der Fusion "mit den Pfälzern", sagt Klimmt, sondern in Saar-Lor-Lux. Und von wo aus könne man daran besser arbeiten als aus Burbach ? Ein gewaltiger Plan. Und wieder einer, für den der Verein, sagt Klimmt, einen langen Atem brauche.

Kulturverein Burbach , Burbacher Straße 20, Tel. (06 81) 9 904 67 28

kulturverein-burbach.de