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„In diesen Bildern sehe ich mein Leben“

Fatma Erbil, Michelle-Angel Pfeifer, Shahd Kbawe, Cham Alshehadat, Ghalia Rassem und Radwan Almustafa (von links) sind stolz auf ihre Fotos, die im Burbacher Kulturcafé zu sehen sind. Foto: Oliver Dietze
Fatma Erbil, Michelle-Angel Pfeifer, Shahd Kbawe, Cham Alshehadat, Ghalia Rassem und Radwan Almustafa (von links) sind stolz auf ihre Fotos, die im Burbacher Kulturcafé zu sehen sind. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Burbach. Junge Syrer und Deutsche haben in Fotos festgehalten, was der Begriff „Daheim“ für sie bedeutet. Die Ausstellung ist in Burbach zu sehen. Nicole Burkhardt

An den Wänden im Burbacher Kulturcafé hängen seit Freitag Fotografien von Natur, Straßen, Selbstportraits, Innenräumen und mehr. Bei der Eröffnung stehen die Fotoworkshop-Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer aus Syrien und Deutschland neben den Rednern und sind beeindruckt von der Menschenmenge, die an diesem Tag in das kleine Kulturcafé in Burbach gekommen ist. Alle wollen die Fotografien zum Thema "Daheim" sehen. Dicht gedrängt versuchen die Leute, einen Blick auf die Redner zu erhaschen, beugen ihren Kopf oder stellen sich auf die Zehenspitzen.



"Die Jugendlichen haben etwas zu erzählen, und das ist wichtig. Sie sollen wissen, dass man ihnen zuhört", sagt André Mailänder, der Leiter des Projektes, in dem die Jugendlichen seit September 2016 mitgemacht haben. Und keine Frage: Heute stehen die Teilnehmer im Mittelpunkt. Aufgeregt machen sie Selfies vor ihren Fotografien und lassen sich fotografieren und befragen. Mailänder schaut auf die Ergebnisse des fünfmonatigen Workshops, die an der ganzen Wand verteilt sind.

Jede Woche hat die Gruppe sich getroffen und über Fotografie geredet, viel ausprobiert und vor allem gelacht. Über das Thema "Daheim", unterschiedliche Gefühle. Thema waren auch interessante Fotografen aus der Kunstgeschichte. Die einzelnen Wände seien ein Bild, welches aus der Anordnung und den Bildmotiven besteht, erklärt Mailänder. Überrascht war er von der Intuition, mit der die Jugendlichen die Bilder machten. Als Thema wählte er bewusst "Daheim" und nicht "Heimat". "Das bedeutet soviel wie zuhause, und es ist nicht so hochgehängt wie Heimat", erklärt Mailänder. Zur Verfügung standen den Jugendlichen nur Handykameras. Mailänder sieht in diesem Medium schon eine starke Verbindung zum Thema: "Das Handy ist ja quasi ein Stück Heimat", sagt er. Der Kontakt zu Familien und Freunden im Heimatland läuft schließlich per Handy. Im Workshop lernten sie die bildliche Umsetzung. Normalerweise gibt Mailänder Kurse für Erwachsene, deswegen war er besonders überrascht und begeistert von der Intuition der jungen Menschen, mit der sie fotografieren. "Ich habe gelernt, mehr zuzulassen", analysiert der Fotograf das Ergebnis. Bei seinen Erwachsenenkursen verbietet er Filter, bei den Jugendlichen konnte der Fotograf das nicht verhindern. Auch die Teilnehmerinnen haben etwas mitgenommen. "Bilder müssen nicht unbedingt schön sein, sie müssen Bedeutung haben", erklärt Shahd (14). Die meisten Bilder von Cham (13) sind am Ende des Kurses enstanden. "Wenn ich die Bilder angucke, sehe ich mein Leben: Meine Straße, das Haus meiner Betreuerin...", erzählt sie. Man sieht Straßen in Püttlingen mit Schnee und Selbstportraits. "Ich mag es, wenn man das Gesicht nicht erkennt", sie zeigt auf vier Fotos, auf denen nur die Rückseite zu sehen ist. "Auf anderen erkennt man das Gesicht." Michelle (17) ist aus Deutschland und hat sich vorher schon für Fotografie interessiert. Sie zeigt auf ihren Bildern Natur, Sonnenuntergänge, Tiere, Dinge, die sie liebt und die eine große Bedeutung in ihrem Leben haben.

Zum Thema:

Eine Fortsetzung des Workshops gibt es im Rahmen der Landeskunstausstellung SaarArt. Hier werden Workshops zu unterschiedlichen Themen und für unterschiedliche Zielgruppen und eine Nachmittagbetreuung auf dem Gelände auf dem Matzenberg angeboten.