Die Geschichten der Burbacher Gräber

„Ich lebe gerne in Burbach“, heißt der Titel der SZ-Serie. Doch nicht nur das. Auf dem Burbacher Waldfriedhof finden auch viele ihre letzte Ruhe unter Bäumen und neben bedeutenden Namen des Stadtteils.

Der Burbacher Waldfriedhof ist ein kleines Idyll, hier tollen Eichhörnchen auf den Bäumen und Amseln hüpfen durch die Hecken. Und bei einem Spaziergang entdecken Besucher neben Grabsteinen wichtiger Persönlichkeiten auch andere besondere Ruhestätten. Eine davon ist nicht weit vom Haupteingang entfernt. Drei schwarze Tafeln sind an dem Grabstein angebracht, doch darauf ist nichts mehr zu lesen. Der Sandstein ist geformt wie ein Eichenstamm, daran hängen ein steinerner Hut, Mantel und Stock. Darunter muss ein Wanderer begraben sein, denn dies sei eine Darstellung nach Goethes "Wandrers Nachtlied", erklärt der Burbacher Julius Roth, der viele Geschichten des Stadtteils kennt.

Passiert man den Haupteingang und schlägt den Weg gleich links ein, finde man die "Hautevolee", sagt Roth. Dort liegt ein Mann begraben, der für Roth in seinen Kinderjahren als der reichste Mann der Welt gegolten habe. "Wenn uns jemand gefragt hat ‚Was willst du mal werden?‘, dann haben wir gesagt, ‚de Lüttgens‘", erzählt er. Auch andere ehemals reiche Burbacher machen mit großen Grabsteinen auf sich aufmerksam. "Patzig " steht auf einem großen hellgrauen Felsen, diesem Herrn habe einst die Fleischwarenfabrik Patzig gehört.

Im "Direktorenviertel" lernen Besucher die Namensgeber vieler Burbacher Straßen kennen: Ott, Raabe oder etwa Seebohm. "Bedingt durch die Industrie vor Ort war Burbach einst eine weitaus höher angesehene Adresse als heute", sagt Frank Becker vom Saarbrücker Amt für Stadtgrün und Friedhöfe. Doch neben den letzten Ruhestätten von Direktoren der Burbacher Hütte fallen auch Grabsteine von ganz anderen Personen ins Auge. Besonders fasziniert ist Roth von einem schmiedeeisernen Kreuz auf dem Grab von Nikolaus und Katharina Peitz. Ihr Sohn Alois, ein Diözesanarchitekt, habe es entworfen, sagt Roth. Es ist eines der wenigen Gräber , auf dem Metall zu sehen ist. Becker weiß wieso: Im Krieg habe man Metall von Gräbern entfernt, um es einzuschmelzen und weiterzuverwerten.

Auch "einer der gefeiertsten Tenöre des Staatstheaters", so Roth, liegt hier begraben: Johannes Trefny. Sein Grabstein, ein rundgeschliffener Fels, steht etwas versteckt, fast hinter Pflanzen verschwunden. Das "Prunkstück" für Julius Roth ist eine mit Moos bewachsene Frauenfigur im oberen Teil des Friedhofs. "Anna Brenner, geborene Altmeyer" steht auf dem Sandstein. 1922 verstorben. So zusammengekauert wirkt die Figur ängstlich und doch gefühlvoll. Wie ein Werk von Käthe Kollwitz sehe es aus, bemerkt Roth. Dieser Stein muss während der Nazi-Diktatur als entartete Kunst gegolten haben, sagt er. Doch offenbar hat ihn niemand entfernt.

Schöne Grabsteine , auch von weniger bedeutenden Personen, lasse das Amt oft stehen, anstatt sie zu entfernen, wenn das Grabnutzungsrecht abgelaufen ist, sagt Becker: "Wir wollen, dass ein Teil der alten Grabkunst erhalten bleibt."

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Auf einen BlickDer Burbacher Waldfriedhof, der 1875 eröffnet wurde, ist laut Informationen des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe mit einer Fläche von 28,5 Hektar der zweitgrößte Saarbrücker Friedhof. Auf ihm stehen etwa 2100 Bäume . Er gehört aber auch zu den ältesten, noch in Belegung befindlichen Friedhöfen der saarländischen Landeshauptstadt mit derzeit circa 13 000 belegten Grabflächen. red