Die Brückenbauer von Burbach

Jung, orientierungslos und mit ausländischen Wurzeln: Für viele Jugendliche mit diesem Profil ist der Weg in eine Berufsausbildung steinig. Eine neue Beratungseinrichtung in Saarbrücken-Burbach will das ändern.

Niemals aufgeben. Das ist die Devise von Betül Abak. Die 19-Jährige ist seit knapp einem Monat Auszubildende im Friseursalon von Yves Walter in Friedrichsthal. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten begonnen und sie wegen interner Schwierigkeiten nach zwei Jahren abgebrochen. Anfang des Jahres musste Abak deshalb einen Plan B finden. Ohne geradlinigen Lebenslauf und mit Migrationshintergrund . Zwei Faktoren, die die Ausbildungssuche in der Regel erschweren.

Um junge Menschen wie die Deutsch-Türkin Betül Abak zu unterstützen, gibt es seit Juni in Burbach die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration (Kausa). Sie ist eine von 29 Servicestellen in ganz Deutschland, die Dachorganisation ist das Zentrum für Bildung und Beruf Saar (ZBB).

Ihr Sitz: nur wenige Minuten vom Burbacher Markt entfernt, in der Hochstraße. Ein etwas versteckter Eingang, helle Büroräume und ein siebenköpfiges Team. Mitarbeiter Ali Arslan grüßt und fasst zusammen: Kausa ist eine Anlaufstelle, die das Bundesministerium für Bildung finanziert und die sich an junge Migranten , deren Eltern und Unternehmer mit ausländischen Wurzeln richtet. Auch Flüchtlinge sind willkommen. Denn für den Ausbildungsbeginn gibt es keine Mindestaufenthaltszeit: Theoretisch kann auch jemand, der erst ein paar Wochen in Deutschland lebt, eine Ausbildung beginnen. In der Praxis scheitert das oft an mangelnden Deutschkenntnissen. "Für die meisten Berufe ist B1-Niveau das Minimum", sagt Koordinatorin Anja Carina Eisler. Ein unsicherer Asylstatus sei eher ein Randthema, da es sich bei den Geflüchteten größtenteils um Syrer handele, die nur selten um ihre Anerkennung bangen müssten. Der Beginn einer Ausbildung sei prinzipiell auch im laufenden Verfahren möglich. Bewerber mit Aufenthaltsgenehmigung und absolviertem Integrationskurs hätten jedoch bessere Karten. Eisler und ihr Team müssen auch bei guten Rahmenbedingungen immer wieder Überzeugungsarbeit leisten. "Die Syrer wollen alle an die Uni. Dass eine Ausbildung viel wert ist, ist ihnen fremd", sagt Eisler. "Unter Ausbildung stellen sie sich oft Putzen in der Kanalisation vor." Das liege an den Strukturen im Heimatland, erklärt Berater Ali Arslan. In Syrien gebe es weniger Ausbildungsberufe als in Deutschland. Das Schulsystem und die Qualifikationen seien nicht vergleichbar. "Vielen sind die Aufstiegschancen in der Ausbildung nicht bewusst. Auch als Krankenpfleger kann man sich weiterentwickeln", bekräftigt Arslan. Aber die Probleme liegen auch auf Unternehmerseite. Nicht alle wüssten ihre offenen Stellen gut zu bewerben, sagt Eisler. Kleinere Betriebe würden eher selten darüber informiert, wie sie einen Azubi einstellen können. Das weiß Arslan aus eigener Erfahrung: "Ich war auch mal selbstständig und mich hat niemand gefragt, ob ich ausbilden möchte."

Schwer haben es aber auch junge Migranten , die sich für eine Ausbildung interessieren, sie aber aus unterschiedlichen Gründen nicht beginnen können. Eisler erzählt von einem jungen Mann, der als Azubi zu wenig verdient hätte, um seine Familie im Heimatland mitzuernähren. Von Flüchtlingen, die Schulden bei Schleppern haben. Aber auch von jungen Mädchen, die "heiraten gehen" sollen, statt etwas zu lernen. "Der Anteil der Deutschen, die einen Abschluss machen und keinen Beruf erlernen, liegt bei sieben bis zehn Prozent. Bei den Migranten sind es 30 Prozent", gibt Eisler zu bedenken. Besonders Mädchen hätten es schwer: "Sie sind unsichtbar." Die Servicestelle wolle auch dazu beitragen, "Frauen aus der Häuslichkeit" in den Beruf zu begleiten.

Das ist im Falle von Betül Abak geglückt. Die junge Frau ist froh, die Servicestelle an ihrer Seite gehabt zu haben. Arslan habe sie regelmäßig angerufen, sie gebeten, Unterlagen zu senden, vor Bewerbungsgesprächen ermutigt. "Viele Leute brauchen diese Motivation. Die Agentur für Arbeit ist zu bürokratisch und unpersönlich", so Abaks Fazit. Jetzt kann sie sich täglich den Hochsteckfrisuren widmen, die sie sonst zu besonderen Anlässen ihren Freundinnen verpasst. Nur das mit der Dauerwelle will noch nicht so richtig klappen. "Ach, das wird schon. Wenn man es will, kann man alles schaffen."

kausa.zbb-saar.de

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