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Im Westen tut sich etwas
Der Arzt, der den wilden Westen mag

Claus Theres, Bezirksbürgermeister im Saarbrücker Westen, vor seinem Lieblingsplatz im Bezirk, dem Bürgerhaus Burbach. Das mag er seiner inneren Struktur und des Festsaales wegen, der sich nach außen zum Marktplatz öffnen lässt.
Claus Theres, Bezirksbürgermeister im Saarbrücker Westen, vor seinem Lieblingsplatz im Bezirk, dem Bürgerhaus Burbach. Das mag er seiner inneren Struktur und des Festsaales wegen, der sich nach außen zum Marktplatz öffnen lässt. FOTO: Robby Lorenz
Klarenthal/Burbach. Bezirksbürgermeister Claus Theres (SPD) will Altenkessel, Burbach, Gersweiler und Klarenthal weiterentwickeln. Von Martin Rolshausen

„Politiker sind ja sowieso alle Idioten.“ Dass offenbar nicht wenige Menschen im Saarland dieser Meinung sind, mache die Arbeit nicht leichter, sagt Claus Theres. Dennoch sei es genau das, erklärt er, was ihn diese Arbeit überhaupt machen lässt: mit Menschen zu tun haben. Dass der 75-Jährige früher Arzt war, hilft nach seiner eigenen Einschätzung bei dem, was er nun schon in der dritten Amtszeit tut: als Bezirksbürgermeister Ansprechpartner sein, Kümmerer, Vermittler.



„Wenn Menschen krank sind, ist auch der Arzt schuld, wenn sie sterben, dann sowieso“, sagt Theres. Dennoch: „Der Kontakt zu Menschen ist etwas Herrliches“, sagt er. Deshalb investiert er in sein Ehrenamt etwa 25 Stunden pro Woche und kann sich „nicht vorstellen, Rentner zu sein“. Und im Gegensatz zu seiner gleichaltrigen Kollegin und Parteifreundin Christa Piper (SPD), der Bezirksbürgermeisterin in Mitte, ist für Theres noch nicht klar, ob er bei der Kommunalwahl 2019 nochmal antritt. Für Piper ist dann Schluss, sagt sie. Er habe sich darüber  „noch keine Gedanken gemacht“, sagt Theres. Er müsse einfach schauen, wie es ihm in einem Jahr geht und ob es einen geeigneten Nachfolger gibt.

Bis dahin werde er auf jeden Fall nicht müde, den „wilden Westen“ weiter voranzubringen. Der Wilde Westen, erklärt Theres, war in den Vereinigten Staaten von Amerika „die Gegend, in der sich etwas entwickelt hat“. So sei das auch im Saarbrücker Westen. Trotz Stahlkrise hat die Hütte in Burbach noch rund 600 Beschäftigte, auf den Saarterrassen und im Norden Burbachs haben sich neue, in die Zukunft gerichtete Unternehmen angesiedelt. Mit der Arbeit von Professor Scheer habe in Burbach vieles seinen Anfang genommen. „Alle wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen in Saarbrücken haben im Westen angefangen“, sagt Theres und ergänzt: „Und an der Uni.“

In Burbach gibt es „wunderschöne Wohngebiete“, betont Theres und nennt den Matzenberg und den Füllengarten. Auch in der Fenner Straße wurden gerade „Häuser neu gemacht“. Der Stadtteil verändere sein Gesicht an vielen Stellen hin zum Positiven. Es gebe also keinen Grund, Burbach schlechtzureden. Negative Dinge gebe es überall. In St. Johann zum Beispiel, sagt Theres, „gibt es mehr Bordelle als in Burbach“.

Burbach sei von der Durchschnittsaltersstruktur ein junger Stadtteil. Im Gegensatz zu Klaren­thal, sagt Theres. „Dort stehen viele Wohnungen leer, in Altenkessel auch“, weiß der Bezirksbürgermeister. Aber in allen vier West-Stadtteilen gebe es eine gute Infrastruktur, also Geschäfte, Ärzte und eine gute Verkehrsanbindung. Der wilde Westen sei also noch weiter entwicklungsfähig.

Zum Beispiel ganz an seinem Rand, in Velsen, das zwar direkt neben Großrosseln liegt, aber zu Klarenthal gehört. Das Erlebnisbergwerk dort sei ein „kulturelles Highlight“. Es müsse von Stadt und Land auch als Ort für Touristen mehr gefördert werden.

„Das Wichtigste in einer Stadt ist immer das Zentrum“, das sei klar, sagt Theres. Aber auch in den Stadtteilen müsse sich etwas tun. Deshalb sei der Vollanschluss der Stadtautobahn am Messegelände überfällig.

Dass Autofahrer auch abfahren können, wenn sie in Richtung Völklingen unterwegs sind, sei „sehr wichtig“. Es müsse an dieser Stelle auch eine Brücke für Autos auf die andere Saarseite geben. „Das würde die Gersweiler Brücke und das Burbacher Zentrum entlasten“, sagt Theres.

Claus Theres hatte beim Gespräch in der SZ-Redaktion auch etwas zu lachen.
Claus Theres hatte beim Gespräch in der SZ-Redaktion auch etwas zu lachen. FOTO: Robby Lorenz