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Brücken bauen in Burbach und weiter

Ein Teil der Burbacher Montangeschichte wurde am 22. Juni 1990 gesprengt. Einer der zwei noch verbliebenen 86 Meter hohen Kamine fiel plangemäß. Ganz in der Nähe auf den Saarterrassen wurden neue Fenster für das Wirtschaftsleben in Burbach aufgestoßen. Archivfotos: Julius C. Schmidt/Becker&Bredel
Ein Teil der Burbacher Montangeschichte wurde am 22. Juni 1990 gesprengt. Einer der zwei noch verbliebenen 86 Meter hohen Kamine fiel plangemäß. Ganz in der Nähe auf den Saarterrassen wurden neue Fenster für das Wirtschaftsleben in Burbach aufgestoßen. Archivfotos: Julius C. Schmidt/Becker&Bredel
Burbach. Der Kulturverein Burbach hat viele Ideen für den Stadtteil, sucht aber noch Mitglieder, die helfen, sie umzusetzen. Martin Rolshausen

Reinhard Klimmt will nicht drumherumreden. "Natürlich hätten wir gerne mehr Mitglieder", sagt der ehemalige Ministerpräsident. Denn nur wenn Menschen bereit sind, nicht nur zu konsumieren, was sein Kulturverein Burbach anbietet, sondern Handelnde zu werden, bringe das den Stadtteil wirklich weiter. "Es ist schön, dass viele Leute gut finden, was wir machen", sagt Klimmts Vorstandskollege, der ehemalige Burbacher Stadtteilmanager Axel Biehl, "es wäre aber schön, wenn uns mehr durch ihre Mitgliedschaft unterstützen würden."


Zurzeit hat der 2011 gegründete Verein rund 40 Mitglieder - und betreibt das Kulturcafé in der Burbacher Straße. Das sei zwar nur ein relativ kleiner Raum, aber man biete da "große Sachen". Zurzeit läuft dort etwa die Ausstellung "Nach dem Weg fragen" der Künstlerin Monika Hau. Sie sitzt selbst im Vorstand des Vereins und kümmert sich unter anderem um die Vernetzung der Künstlerszene in der Region.

Die ist dem Verein sehr wichtig. Und gleichzeitig scheint es eine seiner schwierigsten Aufgaben zu sein. Kulturschaffende im Saarland, in Lothringen und Luxemburg miteinander ins Gespräch zu bringen, "einen Verbund zu schaffen", wie Kulturvereins-Geschäftsführer Frank Schilling sagt, sei ein "eher langfristiges Projekt". "Gerade die kleinen Kulturinstitutionen haben nicht immer die Kraft, über die Grenzen ihrer Orte hinaus etwas zu machen", weiß er.

Die Mühe lohne sich aber, ist Klimmt überzeugt. Denn für die Kultur gelte, was generell gilt: "Das Saarland wird es auf Dauer alleine nicht schaffen. Wir müssen die Kraft, die in der Region liegt, entfalten." Deshalb sucht der Verein nach Verbindendem - und wird dabei in der Vergangenheit fündig. Das Erbe der Montanindustrie sei es, die das Saarland, Lothringen und Luxemburg verbindet.

Deshalb organisiert der Verein im Mai einen "Themenmonat" zum Thema "Kohle und Stahl". Es wird Lesungen geben und einen Filmabend. Dabei will der Kulturverein seinen Blick aber immer wieder auf Burbach richten. "Wir wollen der Identität dieses Stadtteils nachspüren, aus dem Verständnis der Vergangenheit Wege in die Zukunft finden. Mit Vorträgen und Diskussionen wollen wir Wissen vermitteln und Lücken schließen", sagt Klimmt. In einem "Stadtteil, der durch Zuwanderung über mehr als ein Jahrhundert sein Gesicht gefunden hat", komme man aber auch nicht umhin, sich mit Migration zu beschäftigen. Da wolle man innerhalb des Stadtteils ebenso "Brücken schlagen" wie nach Luxemburg und Lothringen. Zu den Aktivitäten in Burbach gehört neben den wechselnden Ausstellungen im Kulturcafé und den Lesungen vor allem das Sommerkino am 19. August auf dem Hof der Ganztagsgrundschule Weyersberg. Auch ein Puppentheater am 31. Märt im Kulturcafé und eine Klanginstallation dort mit dem "Liquid Penguin"-Ensemble am 22. Oktober organisiert der Verein. "Wir gehen mit Tatendrang voran", sagt Klimmt. Aber man hoffe auch auf weitere Menschen, denen Burbach und die Kultur am Herzen liegen - "als neue Mitglieder, als Ausstellungsbesucher, als Zuhörer, als Wanderer", ob als Alteingesessene oder Menschen, die in Burbach arbeiten.



Kulturverein Burbach, Burbacher Straße 20, 66115 Saarbrücken, Tel. (06 81) 99 04 67 28, E-Mail: kulturverein-burbach@online.dewww.kulturverein-burbach.de