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Bahnhof Burbach
Bahn warnt nicht mehr vor Zügen

Am Bahnhof in Burbach wird seit einiger Zeit nicht mehr vor ankommenden Zügen gewarnt. Das empört die Linken in Burbach.
Am Bahnhof in Burbach wird seit einiger Zeit nicht mehr vor ankommenden Zügen gewarnt. Das empört die Linken in Burbach. FOTO: Tobias Ebelshäuser / Tobias Ebelshaeuser
Burbach. Seit Mitte November warten Reisende in Burbach vergeblich auf Durchsagen – ein Problem für Sehbehinderte. Von Tobias Ebelshäuser

Seit ein paar Wochen hängt am Bahnhof Saarbrücken-Burbach ein roter Zettel hinter dem Glas des Fahrplans. Darauf lässt die Deutsche Bahn mitteilen, dass ab 15. November 2018 durchfahrende (und auch einfahrende) Züge „nicht mehr besonders angekündigt“ werden. „Nicht mehr besonders“, das heißt, dass es nur noch allgemeine Ansagen gibt, die darauf hinweisen, Abstand von der Bahnsteigkante zu halten. Diese sind im Intervall geschaltet, erklingen jedoch nicht mehr gesondert bei der tatsächlichen Ankunft oder Durchfahrt eines Zuges.


Manfred Klasen, Ortsvorsitzender der Partei Die Linke in Burbach, bezeichnet diese Entwicklung als „in keiner Weise akzeptabel“. „Je nach dem, wo man am Bahnhof steht, sieht man einen Zug nicht direkt bei der Einfahrt“, sagt er im Gespräch mit der SZ.

„Eine Durchsage erhöht die Aufmerksamkeit der Passagiere ungemein.“ Es sei zwar sehr positiv, dass die modernen Personenzüge immer leiser würden. Doch mache sie das auch gefährlicher, da man sie erst ganz kurz vor der Einfahrt überhaupt wahrnehme. So seien besonders sehbehinderte Menschen stark betroffen.



Diese Maßnahme stehe im „krassen Widerspruch“ dazu, dass die Deutsche Bahn sich vor kurzem noch bemüht habe, die Sicherheit am Burbacher Bahnhof zu erhöhen. Zum einen sei ein provisorischer Zaun errichtet worden, der den unerlaubten Übergang über die Gleise verhindern solle, zum andern seien dort Kameras installiert worden. Daher sei es nicht ersichtlich und nahezu absurd, eine Maßnahme wegfallen zu lassen, für die die Technik schon vorhanden war und die die ganze Zeit funktionierte, sagt Klasen. Eine Anfrage beim Bahnhofsmanagement in Saarbrücken habe man gestellt, erwarte allerdings noch eine Antwort.

Vor Ort zeigt sich, dass Manfred Klasen nicht ganz unrecht hat. Während man den langen Güterzug bei der Durchfahrt von Weitem schon andonnern hört, schleicht sich der normale Personenzug der Deutschen Bahn wahrlich an. Allerdings gilt das auch im Sinne seiner Geschwindigkeit, denn dieser fährt wirklich sehr gemütlich in seine Haltestelle ein. So könnte womöglich ein  Unfall auch ohne individuelle Ansage durch einen aufmerksamen Lokführer verhindert werden – dies gilt allerdings nicht für einen durchfahrenden Zug.

Auf Anfrage der SZ teilte die Bahn mit, dass die Notwendigkeit solcher individuellen Ansagen sich nach unterschiedlichen Faktoren richtet, zum Beispiel nach der Durchfahrtsgeschwindigkeit der Züge. Aufgrund einer individuellen Prüfung der Situation am Bahnhof in Burbach werden deshalb nun nur noch die zyklischen, automatischen Ansagen durchgeführt.

Die Sicherheit der Passagiere werde außerdem zusätzlich durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel auffällige Bodenmarkierungen gewährleistet.

Warum es aber überhaupt zu einer neuen Prüfung kam, und welchen Anlass es für die Bahn gab, die vorherigen individuellen Warnansagen zu streichen, die schließlich auch automatisiert waren, blieb bei der Anfrage unbeantwortet. Zu viel Sicherheit kann es an einem Bahnhof schließlich nie geben.

Dieses Schild hängt jetzt am Burbacher Bahnhof.
Dieses Schild hängt jetzt am Burbacher Bahnhof. FOTO: Die Linke