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Kinderbüchershow in der Stadtbibliothek
Bücher sind manchmal dunkel und wild

Auch beliebte Kinderbücher wie „Lauras Stern“ waren Teil der Leseshow in der Stadtbibliothek.
Auch beliebte Kinderbücher wie „Lauras Stern“ waren Teil der Leseshow in der Stadtbibliothek. FOTO: Warner Bros. / dpa
Saarbrücken. Das landesweite Lesefestival „erLesen!“ bringt auch viel Interessantes in den Regionalverband. In der Stadtbibliothek gab es eine Leseshow, und in dieser Woche sind gleich mehrere Lesungen. Von Oliver Sandmeyer

Im gesamten Saarland ist dieser Tage ein Literaturfestival im Gange. Und das zum ersten Mal. Unter dem Motto „erLesen!“ gibt es noch bis Sonntag überall  Lesungen bekannter sowie regionaler Autoren, es gibt Poetry Slams, literarische Diskussionen sowie Workshops.


Buchhandlungen und Verlage aus dem Saarland haben in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ein interessantes und buntgemischtes Programm organisiert.

Am Samstag in der Saarbrücker Stadtbibliothek ist das Ziel von Literaturagent Harald Kiesel, die nachkommende Generation für Bücher zu begeistern, die Leselust der kleinen Leser im Alter von acht bis elf Jahren zu wecken. Im Untergeschoss der Stadtbibliothek sind die Sitzgelegenheiten im Halbkreis aufgestellt. Die ersten beiden Reihen bestehen dabei aus  mit buntem Stoff bezogenen Hockern – für die Kinder. Da zum Veranstaltungsbeginn um 11 Uhr noch wenig Andrang herrscht, nutzt Kiesel die Zeit, um bei den bereits anwesenden Kindern das Eis zu brechen, er begrüßt unter anderem die Zwillinge David und Jonas sowie die kleine Meira persönlich.

Doch dann greift Kiesel endlich zum Megaphon und markschreit: „Achtung, Achtung! Jetzt beginnt eine Kinderbüchershow!“ und erzählt den jetzt gebannt lauschenden Jungs und Mädchen eine lustige Geschichte, in der Möwenkot auf Glatzköpfen landet und andere skurrile Dinge passieren. Immer wieder fragt er bei den Kindern etwas nach, die gerne und offen antworten – ein bisschen wie beim Kasperletheater.

Kiesels geschickt gestrickter Vortrag hat das Kernthema der Show im Visier: „Wörter werden zu Sätzen“, erklärt ihnen er. „Sätze werden zu Kapiteln, Kapitel werden zu einer Geschichte. Und ist diese Geschichte dann gut, kann man sie an einen Verlag schicken.“



Kiesel erzählt über ausgewählte Kinderbücher, wie „Lauras Stern“, den Klassiker von Klaus Baumgart, „Die Wilden Kerle“ von Joachim Masannek oder „Mein Hamster ist ein Mathe-Ass“ von Dave Lowe. Der Literaturagent liest aus ihnen – unterstützt von einer Multimedia-Präsentation – vor und versucht den kleinen Zuhörern das Bücherlesen schmackhaft zu machen: „Bücher können Geheimnisse erzählen. Manchmal sind Bücher dunkel, schwarz, abenteuerlich und wild. Oder man kann aus ihnen etwas über die Dinge des Lebens erfahren.“ Wie beispielsweise die Sachbücher rund um die Fernsehserie „Willi will’s wissen“ – an denen Kiesel selbst mitgearbeitet hat.

Natürlich ist zu merken, dass Kiesel hier auch in eigener Sache unterwegs ist, sind die von ihm vorgestellten Bücher doch ausschließlich aus dem Raster des Kinder- und Jugendbuchverlags Baumhaus, bei dem er selbst als Lektor sein Brot verdient. Doch das ist nicht weiter schlimm und stört vor allem nicht sein kleines Publikum, das sich gerne nach der Show bei ihm ein der Poster abholt. Am Ende fragt er noch einmal: „Hat es euch gefallen?“ Die Antwort kommt prompt – wie beim Kasperletheater: „Ja!“ Und das ist doch die Hauptsache.