Historiker vertieft sich in Geschichte seiner Heimat : Zwischen Idyll und Kirchenstreit

Mit der Veröffentlichung der neuen Bübinger Orts-Chronik verneigt sich der Saarbrücker Geistkirch-Verlag vor der Arbeit lokaler Historiker.

Wer eine Reise in die Vergangenheit antritt, der muss mit einigem rechnen. Das dürfte Wolfgang Laufer bewusst gewesen sein, als er die Expedition in die Geschichte seines Ortes begann. Es war schließlich nicht seine erste. 1989 bereits legte der Historiker und ehemalige Direktor des saarländischen Landesarchivs eine Bübinger Orts-Chronik vor. Laufer, Jahrgang 1940,  war damals Herausgeber des Buchs, in dem sich saarländische Autorinnen und Autoren mit der Geschichte des Ortes bis zum Jahr 1815 beschäftigt haben. Nun hat Laufer ein komplett eigenes Werk vorgelegt. „Bübingen –  Vom Bauerndorf zum Industrieort“ heißt es, behandelt die Geschichte zwischen 1815 und 1914 und ist im Saarbrücker Geistkirch-Verlag erschienen.

„Beim Fortschreiten“ der Arbeit am neuen Buch sei er „immer wieder von neuen Themen und Aspekten überrascht“ worden, schreibt Laufer. Dinge, „die zu behandeln waren“ – auch, oder gerade weil sie das Bild „einer Bübinger Idylle“ trüben. Eine Idylle, die die älteren Fotos des Ortes „auszustrahlen scheinen“, wie Laufer sagt. So gar nicht zum dörflichen Idyll wollen zum Beispiel die Auseinandersetzungen passen, die sich die Christen verschiedener Konfessionen über Jahre geliefert haben. Es ging dabei um die Kirche, die Schule und den Friedhof. Dieses „kleine Leben“ im Dorf schildert Laufer vor dem Hintergrund der „großen Geschichte“. Er beschreibt, wie aus dem seit 1974 südlichsten Stadtteil Saarbrückens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert aus einem kleinen Bauerndorf ein Industriestandort wurde. „Das nach 1900 auf Gemeindebann errichtete Kalkwerk war damals die größte Industrieanlage weit und breit“, sagt Florian Brunner, der das Buch in seinem Verlag herausgebracht hat.

Wolfgang Laufer beschreibt aber nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung Bübingens. Er erzählt  unter anderem von den Einwohnern und ihren Berufen, von Grundbesitz, von der Verwaltung der eins eigenständigen Gemeinde, von den Vereinen und der Verkehrsentwicklung.

Dadurch, dass der Geiskirch-Verlag das detailierte Werk veröffentlicht hat, verneigt er sich nicht nur vor der Arbeit Wolfgang Laufers. „Ortschroniken“, schreibt Florian Brunner, „stellen seit jeher einen bedeutenden Teil der heimatlichen Geschichtsforschung dar. Verfasser sind meistens Laien, die sich oft über Jahrzehnte mit der Geschichte ihres Ortes beschäftigt haben. Sie verdienen die Unterstützung und Anerkennung der Öffentlichkeit.“

Dass er mit seiner Arbeit Sinnvolles tut, hat der Profi-Historiker Wolfgang Laufer schon erfahren, bevor er damit fertig war. Es habe „diese oder jene Ermunterung“ gegeben, die 1989 erschienene Chronik fortzuschreiben. Insbesondere Bübinger Neubürger haben danach gefragt, sagt Laufer. Für Wolfgang Laufer haben ich die Mühen aber auch gelohnt, weil er ein ganz persönliches Interesse an der Recherche hatte: „Ich wollte mir selbst über die Geschichte meines Heimatdorfes klarwerden, denn die Bübinger Geschichte ist auch die Geschichte meiner Vorfahren; auf Schritt und Tritt sind sie mir bei den Nachforschungen begegnet.“

Wolfgang Laufer „Bübingen – Vom Bauerndorf zum Industrieort (1815 – 1914) mit Zeittafel (1310 – 2016),  284 Seiten, 29,80 Euro

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