| 20:54 Uhr

Ärger um Fernsehsendung
Bübinger Erfahrungen mit Frank Rosin

Sind sich einig: Fernsehkoch Frank Rosin soll mit zum Niedergang ihres Restaurants in Bübingen beigetragen haben – Christina und Kai Schleppi.
Sind sich einig: Fernsehkoch Frank Rosin soll mit zum Niedergang ihres Restaurants in Bübingen beigetragen haben – Christina und Kai Schleppi.
Bübingen. Wirtepaar Schleppi hat schlechte Erinnerungen an den Fernsehkoch. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Sie riefen um Hilfe – und bekamen eine inszenierte Show, die nichts mit der Realität am Hut hat. Diese Erfahrung wollen Christina und Kai Schleppi gemacht haben. Das Paar setzte auf eine Fernsehsendung, deren Macher den Zuschauern vermitteln will, Lokalen in Schieflage den nötigen Schwung zu verpassen, um überleben zu können. Doch nach dem, was die einstigen Betreiber des Bübinger Gasthofes Degott-Schleppi erlebt haben wollen, würden sie nie wieder auf die Idee kommen, sich bei der Produktionsfirma zu melden, die für „Rosins Restaurants – Ein Sternekoch räumt auf“ im Auftrag des Senders Kabel 1 verantwortlich ist.


Auch fast zwei Jahre nachdem das Team um den vom französischen Hotel- und Reiseführer Guide Michelin mit zwei Sternen dekorierten Frank Rosin (52) in dem Saarbrücker Stadtteil zugange war, bringen die Erinnerungen daran die 40-jährige Christina Schleppi in Rage. „Da sind einfach Szenen aus dem Zusammenhang gerissen worden. Und ich stand da, als sei ich eine Furie“, schimpft sie aufgebracht.

Das alles kam jetzt wieder hoch, als sie einen Bericht über den Besuch Rosins bei einem Gastronomen in der Landeshauptstadt las.



Ihr Mann Kai (52) pflichtet ihr bei. Er hatte das Restaurant im 1873 gebauten Haus von seiner Mutter übernommen: „Wir hatten gar keine Probleme mit der Küche.“ Vielmehr habe er sein Geschäft in Eigenregie just zu jener Zeit eröffnet, als Trottoir und Straße vor dem Gebäude wegen aufwändiger Kanalbauarbeiten aufgerissen waren und so die Kunden nur mühevoll hinein gelangten. „Das machte uns zu schaffen, sonst nichts“, sagt er.

Die Sendung habe indes den Eindruck vermittelt, dass im Laden alles drunter und drüber geht, die Chefin den jungen Koch striezt. „Ich war sauer, weil überall im Haus gefilmt wurde. Das war vertraglich anders vereinbart“, sagt Christina Schleppi. Ihr Wutausbruch sei gefilmt und in einen falschen Kontext hineingeschnitten worden. Das macht sie heute noch unendlich wütend.

Zu Details nimmt Kabel 1 keine Stellung. Ein Sprecher lässt lediglich wissen: „Rosins Restaurants bietet Gastronomiebetrieben Hilfe zur Selbsthilfe, Unterstützung und neue Impulse für eine erfolgreiche Zukunft.“ Entscheidend sei indes, dass die Restaurantbetreiber die Hilfe auch annehmen. Widerspruch kommt zur Behauptung, es gebe ein Drehbuch. So würden weder „Geschichten und Situationen erfunden, noch Dialoge oder Aussagen vorgegeben“. Die Produktion basiere lediglich auf einem Konzept.

Für Kai Schleppi und seine Frau ist dieses Kapitel abgeschlossen. Er geht mit all den Erlebnissen gelassener um. Das Restaurant habe im Mai dieses Jahres ein Franzose übernommen. Christina und Kai Schleppi suchen eine neue Aufgabe. Außerhalb von Bübingen. Wollen einen Pferdehof leiten. Irgendwo in der Region Saar/Pfalz. Den Stadtteil Bübingen wollen sie nach all den Anfeindungen, die sie über soziale Netzwerke im Internet erhielten, verlassen. Bei ihrem Urteil bleiben sie: Rosin halten sie für jemanden, der sich für die Zukunft der Schleppis nicht die Bohne interessiert habe.

Fernsehkoch Frank Rosin.
Fernsehkoch Frank Rosin. FOTO: Patricia Heine