Porträt : Er kennt das Labyrinth der Stadt

Ralf Müller wartet als Kanalarbeiter Rohre, Leitungen und Pumpen im Untergrund der Stadt.

Dort, wo es rauscht und müffelt, verdient Ralf Müller sein Geld. Mit Saarbrückens Kanälen kennt er sich aus. Seit zehn Jahren ist er als Kanalarbeiter auf und unter den Straßen von Saarbrücken unterwegs. Mit seinem großen Saug- und Spülwagen des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE) fährt der Sulzbacher tagtäglich verschiedene Touren durch den Regionalverband, um Pumpen, Leitungen und Kanäle zu überprüfen und gegebenenfalls sofort zu reparieren.

„Es ist ein abwechslungsreicher und spannender Beruf“, so der 56-Jährige. „Man weiß morgens nie, was am Tag auf einen zukommt.“ Oftmals müsse er eine verstopfte Pumpe reparieren. „Leider spülen immer noch viel zu viele Leute ihr feuchtes Toilettenpapier in der Toilette runter und dadurch verstopfen immer wieder die Pumpen. Die müssen ausgebaut und hochgehoben werden. Die Tücher müssen wir dann entfernen“, erklärt Müller einen durchaus unappetitlichen Teil seiner Arbeit. Die Verstopfungen zu beseitigen sei mühsam.

Das Labyrinth unterhalb der Stadt habe ihn schon immer fasziniert. Seit mittlerweile 36 Jahren arbeitet er für die Stadt, zunächst bei der Müllabfuhr und bei der Straßenreinigung. Irgendwann habe man ihn gefragt, ob er denn nicht Kanalarbeiter werden wolle. „Mein Interesse war von Anfang so groß, dass ich mir das Wissen dafür recht schnell angeeignet hatte.“ Angefangen hat er mit Inspektionen. Dafür muss man mit einer Kamera die Leitungen abfahren, um eventuelle Schäden feststellen und zeitnah reparieren zu können. Das Roboterauge erkennt in den Leitungen jede schadhafte Stelle. Als Inspektor wird man aber auch vertraut mit dem für Bürger unsichtbaren Labyrinth unter der Stadt, das durchaus lebenswichtig für uns ist. Und wie macht er das mit dem Geruch? „Alle Leute denken beim Stichwort Kanal an die klassische Klärgrube. Da stinkt es natürlich gewaltig“, sagt er lachend. Auch heute sehe er regelmäßig Menschen, die einen Bogen um das große Fahrzeug am Fahrbahnrand machen. „Die sehen, dass ein Gullideckel geöffnet ist, halten sich die Nase zu und wechseln die Straßenseite. Doch eigentlich ist das Quatsch.“ Generell rieche es nicht stark. Das Leitungssystem sei überall belüftet, das Wasser sei ständig am Fließen. Ein „gesunder“ Kanal stinke eher nicht. Nur, wenn etwas kaputt und das Fließen unterbrochen sei, komme es zu Geruchsentwicklungen. Ihm mache das aber wenig aus. Privat unternimmt der 56-Jährige gerne etwas mit seiner Freundin und macht Sport im Fitnessstudio.

Auch hat er ein Herz für Tiere. Seit längerem hat er zwei Katzen, eine dritte sei ein Findelkind. „Sie war in einer Lebendfalle gefangen, die irgendjemand aufgestellt hatte.“ Da sie niemandem gehörte, behielt er sie. Ungeplant habe sie ihm jetzt vier Katzenbabys geschenkt. „Eigentlich wollten wir sie hergeben, aber jetzt, da wir sie erstmal gesehen haben, geht das natürlich nicht mehr so einfach“, so Müller.

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