Feuerwehreinsatz : Feuerwehr rückt schon während Notruf aus

Nach Einsatz in Bübingen reagieren Berufsfeuerwehr und Leitstelle auf dem Winterberg auf Kritik einer Anwohnerin.

In der Nacht zum Samstag ist ein Wohnhaus in der Straße Am Kalkofen in Bübingen ausgebrannt, Nachbarn retteten die drei Bewohner in einer dramatischen Aktion (wir berichteten). Drei Menschen wurden nicht nur verletzt, sie verloren Hab und Gut. Denn bei dem Feuer brach der Dachstuhl ein, letztlich loderten Flammen auf allen Etagen und sorgten dafür, dass man das Haus nicht mehr bewohnen kann. Anwohnerin Christine Ruppert berichtete noch in der Nacht von zwei Problemen: Zum einen sei das Löschwasser minutenlang ausgefallen, und zweitens sei sie selbst als Notrufende lange in einer Warteschlange hängengeblieben, als sie die „112“ gewählt habe. Wir haben bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr nachgehört. Dort verwies man auf die Pressestelle der Stadt, die sich schriftlich zu den Vorgängen in Bübingen äußerte.

Erstens: das Problem mit der Wasserversorgung. Die fiel, das konnten alle Beobachter des Einsatzes nicht übersehen, minutenlang aus. Die Drehleiter war aufgebaut, der Löscheinsatz hatte schon begonnen, als das Wasser versiegte. Die Feuerwehrleute hatten keinen Druck mehr auf den Schläuchen, das Feuer loderte weiter. „Der Hydrant, aus dem die Feuerwehr in der Sackgasse Wasser entnommen hat, ist nicht zur Abgabe so großer Wassermengen geeignet. Deshalb kam es zu dem Druckabfall. Die Feuerwehr muss in einem solchen Fall Wasser aus anderen Hydranten hinzuziehen“, antwortete Ingo Beckendorf, Mitarbeiter der Stadtpressestelle. Die Wehr habe Wasser aus anderen entfernteren Hydranten entnehmen müssen, das erkläre die Unterbrechung der Löschmaßnahmen. Von Nachteil sei gewesen, dass das Haus in einer Sackgasse liegt. Die Feuerwehr habe so nur von einer Seite Zugang gehabt, sei aber geschult darin, damit umzugehen. Die Wasserleitung in der kleinen Straße sei nur für den „Grundschutz“ ausgelegt. Bei einem größeren Feuer reiche der Druck nicht aus. „Die Stadtwerke nehmen den Brand zum Anlass, alle Hydranten an diesem Strang erneut zu überprüfen“, sagte Beckendorf.

Nun zum Notruf: Christine Ruppert wählte die „112“. Diese Notrufe werden in der „Integrierten Leitstelle“ (ILS) auf dem Winterberg angenommen. Träger ist der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF). Von dort wird der Notruf an die Leitstelle der Berufsfeuerwehr durchgestellt. Die Berufsfeuerwehr ist sich sicher, schnell gehandelt zu haben, als der Anruf verbunden war. Beckendorf: „Die ILS hat die Haupteinsatzzentrale der Feuerwehr um 0:55:01 Uhr über den Einsatz informiert und die Erstinformationen der Anruferin an die Haupteinsatzzentrale weitergegeben. Dies dauerte 24 Sekunden. Während dieser „Wartezeit in der Warteschlange“ wurden ein Einsatz im Einsatzleitrechner eingegeben und parallel dazu bereits zwei Fahrzeuge, die gerade auf der Rückfahrt von einem anderen Einsatz waren, vorab zur Einsatzstelle entsandt. Um 0:55:25 Uhr wurde die Anruferin von der Haupteinsatzzentrale weiter über das Schadensausmaß befragt. Danach wurden weitere Fahrzeuge (Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr) sehr zeitnah zu der Einsatzstelle alarmiert. Die Fahrzeit der Fahrzeuge belief sich dabei zwischen sechs und zehn Minuten.“ Warum der Notruf den Umweg über den Winterberg macht, kann Beckendorf erklären: „Im Gesetz zur Errichtung und den Betrieb der Integrierten Leitstelle des Saarlandes ist festgelegt, dass es für die Notrufabfrage der 112 nur eine Stelle geben darf.“ Für Saarbrücken bedeutet das aber, dass jeder Feuerwehrnotruf erst einmal mit Zeitverlust weiterverbunden wird, denn die „112“ erreicht zunächst gerade nicht die Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr. Wann der Anruf bei der Leitstelle Winterberg eingegangen war und wie lange die Weiterleitung dauerte, müsste „von dort beantwortet werden“, sagt die Stadt. Beim ZRF anwortete Pressesprecher Lukas Hoor: Man habe den Vorgang „umfangreich aufgearbeitet“. „Der erste Notruf ging um 0:54:34 Uhr ein. Wenige Sekunden später, um 0:54:38 Uhr ging als zweiter Notruf der Anruf der Nachbarin Frau Ruppert ein. Nach kurzer Abfrage der Örtlichkeit des Brandereignisses stellte die ILS die Anruferin nach 19 Sekunden zur weiteren Bearbeitung an die Berufsfeuerwehr. Während die beiden Disponenten die Erstinformationen zur Einsatzörtlichkeit abklärten sowie die parallele Notruferfassung abglichen, wurde der Anruferin per Tonbandansage das Weiterleiten des Gesprächs mitgeteilt. Diese zur Übermittlung bereits erfasster Daten genutzte Wartezeit betrug im vorliegenden Fall 24 Sekunden. Die weitere Abfrage ergänzte lediglich die bereits erfassten Daten. Die Alarmierung der ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes erfolgte indessen bereits während der Wartezeit.“ Insgesamt dauerte der Notruf für die Anruferin durchaus über eine Minute. Doch beide Leitstellen versichern, noch beim Telefonat ihre Kräfte alarmiert zu haben. Hoor weiter: „Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass die Übermittlungszeit hier für den Anrufer als belastend empfunden wurde bzw. sie auf Unverständnis stößt, sie ist jedoch dem fachlichen Abarbeiten der Einsatzdaten geschuldet. Im vorliegenden Fall halten wir die Wartezeit für die Übermittlung der Basisdaten für angemessen, werden uns jedoch mit der Stadt Saarbrücken um Optimierungsmöglichkeiten bemühen.“

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