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Bübingen bangt um den Dorfladen

Bübingen. Der kleine Laden, in dem sich vor allem viele ältere Bübinger mit dem versorgen, was sie zum Leben brauchen, rechnet sich, sagt sein Betreiber. Dennoch müsse er den Laden dichtmachen. Um ihn zu retten, müsste er den Laden nämlich kaufen. Martin Rolshausen

Einige ihrer älteren Kundinnen haben mit Tränen in den Augen im Laden gestanden, sagt eine der Verkäuferinnen des Bübinger Frischemarkts. Die Nachricht, dass die Tage des Ladens gezählt sind, habe für Erschütterung gesorgt. Kein Wunder, sagt der Bürgermeister des Stadtbezirks Halberg, Daniel Bollig (CDU ). Zum einen sei es für Menschen, die kein Auto haben, ohne diesen Markt schwierig, an Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu kommen. Zum anderen sei so ein Markt ja auch eine "Kommunikationsstätte".

Jörg Hild, der den Markt seit drei Jahren betreibt, hat angekündigt, den Laden Ende Mai zu schließen. Einen Monat später, sagt er, ende sein Mietvertrag. Das Problem: Die Kühlung des Lagers ist zu laut. Nachbarn haben sich über den Lärm beschwert, den die alte Anlage mache. Es wurde amtlich gemessen. Ergebnis: Tagsüber liegt der Lärm im Bereich des Erlaubten, nachts ist es aber etwas lauter, als es die gesetzlich festgelegten Grenzwerte erlauben.

Die Hausbesitzer, die das Gebäude nach Informationen von Bollig im vergangenen Jahr geerbt haben, wollen nicht in eine neue Kühlung investieren, sagt Hild. Er selbst habe dazu auch nicht das Geld. Auch das Angebot, den Markt zu kaufen, könne er nicht annehmen - er bekomme von der Bank dafür kein Geld.

Die Lage sei schwierig, aber nicht hoffnungslos, sagt Bollig. Er selbst will in diesen Tagen versuchen, zwischen Hild und den Eigentümern zu vermitteln und mit der Sparkasse und der Saarländischen Investitionskreditbank über Hilfe für den Marktbetreiber oder mögliche andere Interessenten sprechen. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung und das Stadtplanungsamt habe er informiert - in der Hoffnung, dass man dort womöglich einen Interessenten findet, der bereit ist, selbst zu investieren und das Haus zu kaufen.

Eine solche Investition würde sich lohnen, sagt Bollig. Der Markt in Bübingen werde gut angenommen. Auch Jörg Hild sagt: "Der Markt ist gesund." Der Stadtteil hat gut 3000 Einwohner. Gerade erst wurde das Neubaugebiet auf dem Gelände der alten Kalkfabrik entwickelt, eine Seniorenresidenz sei in Planung, sagt der Bezirksbürgermeister. Wenn es keinen Markt mehr gäbe, sei das ein "Rückschlag". Deshalb kämpfe nicht nur er, sondern auch der Bezirksrat darum, den Markt zu erhalten.

Am Samstag, 28. März, will Bollig mit Vertretern der Parteien nach Bübingen kommen, um zu informieren und mit den Bürgern Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. "Ich bin zuversichtlich, dass wir im Interesse der Bübinger etwas erreichen", sagt er.


Meinung:

Dank an den Kümmerer



Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

Als 2006 der Kampf um den Supermarkt in der Alt-Saarbrücker Françoisstraße verloren war und die Menschen dort ein Stück Lebensqualität verloren hatten, begannen sich Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker Gedanken darüber zu machen, wie die sogenannte Nahversorgung der Saarbrücker sichergestellt werden kann. Herausgekommen ist eine "Leitlinie", die in erster Linie Hilflosigkeit ausdrückt: Die Stadt hat "keine Möglichkeit, die Schließung vorhandener Geschäfte zu untersagen oder Neuansiedlungen zu erzwingen", heißt es da.

Immerhin: Das Problem ist erkannt: Insbesondere im Alter helfen den Menschen keine noch so tollen Einkaufszentren , sie brauchen Läden, die gut zu Fuß erreichbar sind. Dabei, das zu erreichen, helfen Leitlinien wenig, engagierte Menschen wie Bezirksbürgermeister Daniel Bollig dagegen sehr.