Brunner und Barscheck feixen im Leidinger

Kabarett : Brunner und Barscheck feixen im Leidinger

Zum letzten Mal gab es einen Jahresrückblick im Leidinger. Zum Jahresende schließt das Saarbrücker Theater.

Hach. Der letzte Jahresrückblick in diesem Theater! Zugleich die allerletzte Premiere in dieser Spielstätte überhaupt, weil die Kleinkunstbühne des Domicil Leidinger zum Ende des Jahres schließt. Da würde doch diesmal garantiert keine Panne passieren? Keins jener meist technischen Missgeschicke, wie sie sich ebenso unberechenbar wie zuverlässig bei bisher noch jedem Jahresrückblick ereigneten und zum heimlichen Running Gag avancierten? Zunächst sah es am Freitag ganz gut aus. Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner alias „Brunner & Barscheck“ hatten sich bei ihrer Aufarbeitung des Jahres bereits bis zum Mai vorgearbeitet und feixten schon triumphierend von der Bühne, da passierte es – gerade als die beiden dabei waren, singend die Welt zu retten: Aus der goldenen Jahreszahl hinter ihnen löste sich die Ziffer 8 und ging zu Boden. Welche Symbolkraft! Ausgerechnet die 8, in horizontaler Form das Zeichen für „unendlich“, war abgestürzt. Schluss, aus, Ende. Nix hält ewig, keine Spielstätte und schon gar nicht der Kleber für eine Zahl aus Pappe.

Erst recht nicht im verflixten 13. Jahr: 2015 hatte der satirische Jahresrückblick des Saarbrücker Kabarett-Duos sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Scheck und Tiefenbrunner konnten über das Malheur nur herzlich lachen – mit einem Fleischerhaken wurde die Ziffer wieder fixiert. Überhaupt waren die beiden diesmal besonders locker und spielten sich die verbalen Bälle so albern, ausgelassen, spontan und schlagfertig zu, dass sich auch zum Abschied keine bedrückte Stimmung einstellte. Dabei hatte 2018 doch wahrlich wieder genug Stoff für Lamento geliefert  – von den peinlichen Eskapaden des bayrischen Vollhorsts Seehofer oder des amerikanischen Trumpelstilzchens bis zum Fußball-WM-Fiasko, dem die Empörung über das Özil-Foto mit Erdogan vorauseilte. Nach bewährter Manier hakten B&B das Jahr Monat für Monat ab und brachten uns scharfzüngig all die Merkelwürdigkeiten in Erinnerung, die wir erfolgreich verdrängt hatten – jeweils eingeläutet von musikalischen Raritäten wie Gerd Kösters morbidem „Oktober“ oder Tom Waits‘ nicht minder schaurigem „November“. Derlei Liedgut ist mindestens so gruselig wie das Weltgeschehen selbst, das B&B in ihrem Jahresrückblick mit scharfen Spitzen, polierten Pointen und köstlichen Kalauern zerrupfen. Dafür greift das Format wiederum inhaltlich auf Tiefenbrunners gesammelte SR-Glossen unter dem Nenner „Brunners Welt“ zurück.

Und was Brunner nicht mitkriegt, das fällt seiner Nachbarin Barscheck auf – etwa dass der Trabi 2018 60 Jahre alt wurde, weshalb hier das Publikum mit Trabi-Witzen geflutet wird.

Seit 60 Jahren gibt’s auch das Kfz-Strafregister in Flensburg, und das ist wie Payback: Für acht Punkte kriegt man ein Fahrrad. Die Aufzählung solcher Jubiläen gehört ebenso zum Jahresrückblick wie eine Übersicht der alljährlichen satirischen Anti-Nobel-Preise als Zugabe. Die entsprechende Liste hatten B&B aber ausgerechnet bei der Premiere zuhause vergessen – Panne Nummer zwei.

Wieder: Freitag. 28. Dezember und Sonntag, 30. Dezember, jeweils 19.30 Uhr. Karten: im Leidinger und unter www.ticket-regional.de

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