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Fastnacht
Britz verteidigt vorerst das Rathaus

Funkenmariechen gaben im Rathausfestsaal ihr Bestes, doch die Oberbürgermeisterin ließ sich nicht erweichen. Den Schlüssel rückte sie gestern erst mal nicht raus.
Funkenmariechen gaben im Rathausfestsaal ihr Bestes, doch die Oberbürgermeisterin ließ sich nicht erweichen. Den Schlüssel rückte sie gestern erst mal nicht raus. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der erste Sturm auf die Saarbrücker Stadtverwaltung ist gestern gescheitert. Doch die Narren wollen wiederkommen. Von Andreas Lang

Schon seit Wochen planen sie den Umsturz der Stadtverwaltung. Weder dunkle Gestalten sind es, die Britz und Co aus ihren Amtsstuben jagen wollen. Noch verärgerte FCS-Fans, die noch weitere Jahre ihren geliebten Ludwigspark entbehren müssen. Oder geschröpfte Parker aus der Innenstadt. Nein, es sind sonst heitere Gesellen, die jetzt an Aufruhr denken und liebend gerne mit mehr Humor die Stadt voranbringen möchten. Unter ihnen eine dubiose Figur in Doppelfunktion: Ewald Blum. Übers Jahr in Diensten des städtischen Kulturamts, von November bis Aschermittwoch von Amts wegen Sitzungsleiter bei den Treffen der Saarbrücker Narrenrunde. Die setzt sich aus den Vertretern der Saarbrücker Karnevalsvereine zusammen und plant eben in regelmäßigen Abständen den Verwaltungsumsturz, nach einem seltsamen Code scheinen sie sich dabei am ersten Frühjahrsvollmond zu orientieren. Und noch mehr.


Wenn die tollen Tage näherkommen, schlüpft Blum in skurrile Frauenkleider und zieht das Narrenvolk als Elfriede Grimmelwiedisch in seinen Bann mit seinen Spottreden.  Sein – oder ihr – Schlachtruf, die berühmte „Aaaaattacke“, bereits ein mehr oder weniger offener Aufruf zu dem, was da an den tollen Tagen kommt? Den wichtigsten Verbündeten hat er dieses Mal  in Werner Jungfleisch gefunden. Der ist seit kurzem Vertreter der Karnevalsvereine im Regionalbezirk Saarbücken/Obere Saar beim Verband Saarländischer Karnevalsvereine und obendrein noch Vorstandsmitglied des Kaltnaggischer Gardistencoprs.

Jungfleisch feiert in diesem Jahr närrisches Jubiläum. Er ist seit viermal elf Jahren Karnevalist und durfte deshalb den Narrensturm anführen. Von Junggfleischs Stammverein KGC kommt auch das Dudweiler Kinderprinzenpaar Mario I. und Angelina I. Wohl kaum ein Zufall, dass sowohl das KGC als auch die Grimmelwiedisch aus Kaltnaggisch/Herrensohr stammen. Während Doppel-Agent Blum/Grimmelwiedisch im Hintergrund genießerisch beobachtet. Von „Pappnasegestalte“ und „Faasenachtsbaggaasch“ ist da unter anderem die Rede, als sich Jungfleisch mit Oberbürgermeisterin Britz an der langen Tafel, an der sonst geheiratet wird, im Rathausfestsaal in Reimen fetzen. Die Karnevalisten versuchen mit Tanzmariechen, Doppelmariechen und Tanzpaaren zu beeindrucken – vergebens. Auch die karnevalistische Allzweckwaffe versagt den Dienst. Die in ein galaktisches Kostüm gehüllte Oberbürgermeisterin scheint zwar in den Fastnachtsmodus zu gleiten und schunkelt sogar fleißig mit. Aber den übergroßen symbolischen Schlüssel mit der Jahreszahl „2018“ rückt sie nicht raus.



Irgendwann geht beiden Seiten die Luft aus, und Jungfleisch bläst samt Kinderprinzenpaar zum Rückzug. Und verkündet den närrischen Krieg, der am Fastnachtssamstag seinen Höhepunkt in einem weiteren Sturm auf das Saarbrücker Rathaus erleben soll. Da die Machtergreifung am Fetten Donnerstag gescheitert ist, greifen die Karnevalisten am Fastnachtssamstag erneut an. Ihr Plan sieht so aus: Wer den Narren zur Macht verhelfen will, versammle sich am Samstag ab 10 Uhr zur Marktfaasend am St. Johanner Markt mit närrischer Musik und ersten Disputen. Gegen 11 Uhr folgt dann der Umzug in Richtung Rathaustreppe, wo sich die Parteien dann erneut gegenüberstehen.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz verteidigte ihr Rathaus gegen den Ansturm der Narren.  
Oberbürgermeisterin Charlotte Britz verteidigte ihr Rathaus gegen den Ansturm der Narren.   FOTO: BeckerBredel