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Gewalt in Saarbrücken
Britz’ brisante Worte lassen Polizei schwitzen

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD).
Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Vermehrte Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen in Saarbrücken: Mit dieser Aussage schlägt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hohe Wellen. Und  Ermittler suchen nach belegbaren Daten. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Nach der folgenschweren Messerattacke, bei der ein 18 Jahre alter Afghane von einem Syerer schwer verletzt worden sein soll und anschließend auf einer Intensivstation behandelt werden musste, hat die Rathauschefin der Landeshauptstadt abermals mehr Polizeipräsenz gefordert. Aber nicht nur das sorgte für Schlagzeilen. Denn in diesem Zusammenhang sorgt die SPD-Politikerin Charlotte Britz für allerhand Aufregung mit ihrer ergänzenden, höchst brisanten Zusatzinformation. Demnach sei dieser Angriff vom späten Freitagabend nämlich kein Einzelfall. Sie spricht von „vermehrten Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen in Saarbrücken“. Diese Informationen stammten von der Polizei, sagte sie.


Die war darauf am Montag eifrig damit beschäftigt herauszufinden, woher solche Details rühren. „Die polizeiliche Kriminalstatistik für 2017 ist noch gar nicht veröffentlicht“, ließ Falk Hasenberg, Sprecher beim Landespolizeipräsidium, wissen. So könnten sich Britz’ Angaben lediglich auf die zuletzt bekannt gegebenen Daten von 2016 beziehen.

Über Stunden zog sich die Suche nach belegbarem Zahlenmaterial hin, waren Hasenbergs Kollegen damit beschäftigt, ob es tatsächlich zu mehr Gewaltakten ausgerechnet zwischen Vertretern dieser beiden Volksgruppen kommt. Doch bis in die Abendstunden konnte Hasenberg nicht mit mit entsprechenden Datensätzen aufwarten. Folglich gab es am Montag von Polizeiseite keine Angaben, die Britz’ Aussagen untermauerten.



Auch Thomas Blug brauchte einige Zeit, Belegbares für die Aussagen der Oberbürgermeisterin beizuschaffen. Der städtische Pressesprecher war sichtlich darum bemüht darzulegen, dass Britz nicht nur vom Hörensagen zu dieser Annahme gekommen sei. Letztlich habe sich Britz auf Medienberichte berufen, wonach es laut Polizei „in den vergangenen Monaten in Saarbrücken verstärkt zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Syrern und Afghanen“ gekommen sein soll.

Darüber hinaus verwies Blug auf zahlreiche ähnliche gewalttätige Übergriffe in der jüngsten Vergangenheit, „verübt von Personen mit unterschiedlichen Nationalitäten“. Indes war dabei kein Zusammenhang zu einem schwelenden Konflikt beider Nationalitäten zu erkennen.

Britz hatte vor geraumer Zeit bereits nach blutigen Attacken in der Innenstadt mehr Polizei für die Landeshauptstadt verlangt. Der letzte Vorfall war Auslöser, sich erneut für mehr Sicherheit  in der Stadt stark zu machen.

Unabhängig davon forderten auch die Grünen im Stadtrat nach dem jüngsten Übergriff eine „verstärkte Polizeipräsenz“ sowie eine „personelle Aufstockung“. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Torsten Reif ließ dazu via  Pressemitteilung am gestrigen Montag wissen: „Der tragische Vorfall am vergangenen Wochenende führt uns abermals vor Augen, dass wir eine starke und bürgernahe Polizei in Saarbrücken brauchen.“ Mit dem jetzigen Personalstand sei dies aber unmöglich zu bewerkstelligen.