Wo Funken fliegen und Motorblöcke entstehen

Ein Besuch an den funkenspeienden Schmelzöfen von Halberg Guss in Brebach ist beeindruckend. Während der „Langen Nacht der Industrie“ bot sich jetzt erneut Gelegenheit dazu. Mehrere Saarbrücker nutzten diese Chance, um einmal einen Blick hinter die Kulissen der Schwerindustrie zu werfen.

Besucher am Kupolofen von Saint-Gobain. Fotos: Becker&Bredel.
Eine Rolle Zeitungspapier – das erfuhren die Besucher des SZ-Druckhauses – wiegt 1300 Kilo. Foto: leh. Foto: leh

Die "Lange Nacht der Industrie" soll dazu dienen, Unternehmen als Ausbilder und Arbeitgeber mit Nachwuchskräften in Kontakt zu bringen. Das funktioniert auch sehr gut, wie Pascal Follmar, Leiter der Produktionsplanung und Steuerung, für die Neue Halberg Guss GmbH bestätigt.

Seit der Teilnahme des Unternehmens an der "Langen Nacht" seien alle Besucherplätze belegt gewesen. "Zwei Drittel der Interessierten sind schätzungsweise Studenten oder Schüler", sagt Follmar. Aber auch Wirtschaftsinteressierte aller Art würden sich die Gießerei anschauen wollen.

Ihnen bietet die "Lange Nacht" ebenfalls eine Möglichkeit, auf Tuchfühlung mit der Industrie zu gehen. Dazu gehört auch Manuela Meyer, die selbst Werkzeugmacherin ist und sich den Betrieb aus Interesse am Berufsfeld angeschaut hat.

"Gefallen hat mir vor allem das Zusammenspiel der Roboter", betont sie. Das Ineinandergreifen der riesigen Roboterarme hat nicht nur sie beeindruckt. "Heller Wahnsinn", staunte eine andere Teilnehmerin während ihres Rundgangs durch das Unternehmen. Und auch Pascal Follmar lässt es sich nicht nehmen, von den Vorteilen der Automatisierung zu sprechen. In das automatische Zusammenbauen von Motorblock-Kernen sei viel Erfindungsreichtum geflossen. Mann könne nicht einfach eine Firma mit dem Bau einer solchen Anlage beauftragen, sondern müsse selbst Hand anlegen. Das andere Highlight der Rundgänge durch den Betrieb war der Gießvorgang, wo die aus Sand bestehenden Motorblockkerne mit einer Außenhaut zu einer Schablone verbunden werden, in die schließlich Eisen eingegegossen wird. So entsteht der Motorblock. Vor allem das Einschmelzen von Schrott zu Roheisen für den Gießvorgang lässt große Hitze entstehen. "Das sieht schon beeindruckend aus", sagt Manuela Meyer und meint damit die Funken und das rote Glühen, die den Vorgang begleiten. Am Ende des Rundgangs ist die Werkzeugmacherin ihrem Ziel ein kleines Stück näher gekommen. "Mich interessiert allgemein, wie ein Auto hergestellt wird. Schließlich fahre ich selbst eines." Wie wird eine Zeitung gedruckt? Wie viele werden gedruckt? Wie schnell geht so etwas? Fragen über Fragen, die am Donnerstag allesamt im Druckhaus der Saarbrücker Zeitung beantwortet wurden. Denn dorthin hatte die SZ zur "Langen Nacht der Industrie" eingeladen. Maschinenführer und Teamleiter Stefan Müller moderierte eine von zwei Führungen. "Insgesamt lagern bei uns 900 Tonnen Papier auf großen Rollen. Auf einer Rolle sind etwa 15 Kilometer Papier . Eine Rolle wiegt 1300 Kilo", erzählte Müller vor den zwei großen Druckmaschinen, die jeweils 27 Meter lang, 12,5 Meter hoch und vier Meter breit sind.

Und bereits bei den ersten Zahlen machten die etwa 30 Besucher große Augen. "Das ist der absolute Wahnsinn. Ich hätte nie gedacht, dass das hier alles solche Dimensionen hat", sagte Dirk Schordning aus Kaiserslautern. "12,8 Meter Papier werden pro Sekunde in die Maschinen gezogen. Bei voller Auslastung können wir 90 000 Zeitungen pro Stunde produzieren", versicherte Müller. So gut wie alle Zeitungen im Saarland werden bei der der SZ gedruckt. 45 Menschen arbeiten rund um die Uhr an der Produktion.

"Ich bin von der Technik begeistert. Vor allem wie die Farben auf die Seiten kommen", sagte Daniela Kremp aus Eppelborn. "In unseren Basistanks sind 1500 Kilogramm bunte Farbe und 6000 Kilogramm schwarze Farbe. Jede Woche kommt neue Farbe", erklärte Müller und ging mit dem Besucher-Tross ins Herz der Zeitungsproduktion - in den Leitstand. Vier überdimensionale Schreibtische mit zig Monitoren drauf steuern den Produktionsablauf . Es sieht ein bisschen aus wie in einem Raumschiff. "Ohne den Leitstand geht gar nichts. Von hier aus wird alles koordiniert", sagte Müller. Danach erklärte er noch die Druckplatten. Ein Laser brennt alle Druckvorlagen auf die Platten - Buchstaben genau wie Fotos. "Die Sache mit dem Laser fand ich am beeindruckendsten. Ich werden künftig beim Zeitunglesen ein ganz anderes Gefühl und Verständnis haben", sagte Christian Busch aus Saarlouis nach der Führung.

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