Wenig Klares zu hören vom Brebacher Ohr

Auf dem ehemaligen Industriegebiet mitten in Brebach soll einmal ein adrettes Nebenzentrum zur Saarbrücker City blühen. Die ersten Weichen sind gestellt, aber bis es soweit ist, sind noch viele Hürden zu nehmen.

Seit über 20 Jahren liegt mitten in Brebach eine über zwölf Hektar große ehemalige Industriefläche brach, die wegen ihres Aussehens "Brebacher Ohr" genannt wird. Niemand wusste bisher etwas Konkretes damit anzufangen, was aber nicht als Versäumnis der Politiker oder der Verwaltung betrachtet wird, sondern in der Komplexität der teilweise kontaminierten Fläche und ihrer Geschichte liegt.

Immerhin, der Saarbrücker Stadtrat hat im Juli den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für das Brebacher Ohr gefasst und damit grundsätzlich die Voraussetzung geschaffen, dass hier eines Tages womöglich Handel betrieben oder Dienstleistungen angeboten werden könnten. Die SPD-Fraktion hat kürzlich in einer Mitteilung bereits vom Bau eines "Nebenzentrums" mit Geschäften, medizinischem Versorgungszentrum, Altenheim, Gastronomie, Wohnungen und einem Fachmarktzentrum geschwärmt.

Auch die Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen für den Bezirk Halberg könnten aus dem Rathaus Brebach hierher umziehen, so der baupolitische Sprecher Günther Karcher. Er beruft sich dabei auch auf den im neuen Einzelhandelskonzept der Landeshauptstadt formulierten Anspruch, das bisher im Vergleich zur Kernstadt unterentwickelte Nebenzentrum Brebach aufzuwerten. Die Saarbrücker Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer ist ebenfalls "froh, dass ein geordnetes Verfahren für das Brebacher Ohr angelaufen ist", kann allerdings noch keine konkreten Vorhaben von Investoren bestätigen. Es steht demnach niemand vor der Tür, der unbedingt mit einem Projekt loslegen möchte. Ein gewerblicher Immobilien-Entwickler aus Nordrhein-Westfalen, der sich dem Vernehmen nach für Brebach interessiert, möchte zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich noch nicht genannt werden, wie er unserer Zeitung ausrichten ließ.

Die Baudezernentin dämpft Erwartungen an eine schnelle Entwicklung mit dem Hinweis, dass das Gelände Hand in Hand mit der Landesplanung entwickelt werden müsse.

Dabei sei penibel darauf zu achten, dass hier nur Handel angesiedelt werde, der mit dem bereits bestehenden in der City "verträglich" sei. Das erfordere Gutachten. Zu allererst, sagt die Baudezernentin, müssten aber die Grundstücke, derzeit noch in Besitz eines Industriekonzerns, erschwinglich zu erwerben sein.

So erscheint die kürzlich von der CDU-Stadtratsfraktion vorgetragene Idee, möglicherweise das Busdepot von Alt-Saarbrücken ins Brebacher Ohr zu verlegen, gar nicht sachfremd. Rena Wandel-Hoefer hat für den Fall, dass im Ohr kein Handel zustande kommt, die beschlossene "Handlungsempfehlung" der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung zur Hand.

Darin wird einer Folgenutzung als Industriefläche mit Emissionsbeschränkungen für produzierende Betriebe Vorrang eingeräumt. "Formen der urbanen industriellen Produktion sind zu prüfen", heißt es im Masterplan Gewerbe- und Industrieflächenentwicklung 2030.

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