„Nie die Hände in den Schoß legen“: Rudolf Henninger ist 95 und ein Meister in gleich zwei Berufen

„Nie die Hände in den Schoß legen“: Rudolf Henninger ist 95 und ein Meister in gleich zwei Berufen

In einer Serie stellen wir die Handwerksmeister aus dem Regionalverband Saarbrücken mit Eisernen und Diamantenen Meisterbriefen vor. Heute: Rudolf Henninger. Als Uhrmacher und als Optiker hat Henninger über Jahrzehnte den Menschen Freude gemacht und geholfen. Zufrieden und bei bester Gesundheit darf der fast 96-Jährige auf insgesamt 125 Meisterjahre zurückschauen. Das macht ihm im Saarland keiner nach.

Rudolf, genannt Rudi Henninger hat den Händedruck eines Mannes im besten Alter; nicht der Hauch eines Zitterns ist den Fingern anzusehen, wenn er die Arme nach vorn streckt. Die Augen sind klar und funkeln neugierig. Kein Mensch mag glauben, dass dieser Mann bald 96 Jahre alt wird. Dass er noch Auto fährt, regelmäßig Golf spielt und auf den geliebten Reisen in alle Welt viel zu Fuß erkundet, ist fast schon keine Erwähnung wert. Täglich springt er auf einem Mini-Trampolin - vielleicht begünstigt dieses Training seine bewundernswerte Gesundheit.

Mit Sicherheit hat aber auch seine Einstellung zum Leben dazu beigetragen, dass Rudi Henninger an Leib und Seele jung geblieben und ein rundum zufriedener Mensch ist. Auf den Punkt gebracht, besagt diese Geisteshaltung: Setz dir gute Ziele, sei beharrlich, gründlich und nicht selbstgefällig, lege nie die Hände in den Schoß. Aber auch: Hadere nicht, wenn es anders kommt, als du wolltest. Auch Bescheidenheit kann eine Zier sein.

Im Januar 1920 in Friedrichsthal geboren, blieb dem einzigen Sohn eines Uhrmachermeisters wenig übrig, als ebenfalls Uhrmacher zu werden. Um das damals übliche Lehrgeld zu sparen, das Lehrlinge mitbringen mussten, bildete ihn der Vater aus. "Ich war schon als Kind darauf programmiert, in die Welt zu kommen", beschreibt Rudi Henninger das Fernweh, das ihn nie losließ. Ein Weg hinaus aus der überschaubaren Welt der Heimat war die damals schon berühmte Uhrmacherschule in Glashütte. Wäre er so gut, um dort genommen zu werden, stünden ihm später alle Länder offen, so der Traum. Der Lehrling tat deshalb mehr, als er musste, lernte freiwillig Französisch und Kaufmännisch. Aber als der Krieg aus war und er, zum Glück nur leicht verwundet, aus Russland zurückkam, war Glashütte zerbombt und kein Thema mehr. Also wurde er "nur" ein sehr guter Uhrmachermeister an der Saar, erkannte aber mit damals phänomenaler Weitsicht, dass dieses Handwerk wegen heraufziehender Automatikwerke keine so glänzende Zukunft haben würde, wie viele Kollegen glaubten.

Also lernte er auch noch Optiker, und wurde auch in diesem Beruf zum Meister, zumal das Geschäftsmodell "Uhren, Schmuck, Brillen unter einem Dach" damals häufig anzutreffen war. Es stellte sich rasch heraus, dass die Augenoptik Henningers wahre Leidenschaft sein würde. "Ich bin darin aufgeblüht", sagt er. Er mochte es, Menschen mit ihren diversen Fehlsichtigkeiten und damit zusammenhängenden Beschwerden zu beraten, zu bedienen und bei Bedarf zu Spezialisten der Augenheilkunde weiterzuempfehlen. Keine Fortbildung war ihm zu viel oder zu weit. Mit den Augenärzten, so erinnert er sich, habe er stets ein gutes Verhältnis gesucht, wiewohl diese oft erst überzeugt werden mussten, dass Optiker sehr wohl in der Lage waren, Sehstärken zu messen. In seinem Geschäft in Neunkirchen - "Optik Henninger" - machte sich der Chef alsbald auch einen klangvollen Namen als Kontaktlinsen-Pionier. Bis heute trägt er selbst welche.

Mit 74 Jahren verabschiedete sich Rudolf Henninger aus dem aktiven Berufsleben. Den Alterssitz hat er in Brebach gewählt, am Telefon meldet er sich aber manchmal noch in Ungedanken mit "Henninger Neunkirchen". Dann muss er sofort über sich selber lachen. Eine große Würdigung wurde ihm kürzlich zuteil: Die Handwerkskammer des Saarlandes verlieh ihm den Eisernen Meisterbrief für 65 Jahre Meisterschaft im Uhrmacherhandwerk und den Diamantenen Meisterbrief für 60 Jahre in der Augenoptik . 125 Jahre Meisterschaft in einer Person vereint - das gab es an der Saar bisher noch nie! Aber wie sagt der Jubilar doch so treffend: "Mit der Meisterprüfung allein ist noch nichts geschafft, man muss erst etwas daraus machen!"

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Auf einen BlickDie saarländische Handwerkskammer hat vor Kurzem wieder Eiserne, Diamantene und Goldene Meisterbriefe verliehen. Im Regionalverband Saarbrücken wurden geehrt: Eiserner Meisterbrief (65 Jahre): Müllermeister Carl Kleim aus Völklingen, Rundfunkmechanikermeister Herbert Weber und Uhrmachermeister Rudolf Henninger (beide Saarbrücken); Diamantener Meisterbrief (60 Jahre): Schlossermeister Franz Willems aus Püttlingen, Malermeister Otmar Barth aus Völklingen, Kraftfahrzeugelektrikermeister Karl-Heinz Adt aus Quierschied, Polsterermeister Hermann Weber aus Sulzbach, Tischlermeister Rudolf Dahlem aus Auersmacher, Fleischermeister Max Schmeer , Polsterermeister Theo Diener, Augenoptikermeister Rudolf Henninger, Zahntechnikermeister Werner Brehmer, Orthopädiemechanikermeister Berthold Kraus und Kraftfahrzeugmeister Heinz Schmeer (alle Saarbrücken). Außerdem wurden 47 Goldene Meisterbriefe (50 Jahre) an Handwerksmeister und -meisterinnen verliehen. dög