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Sozialkaufhaus
Neue Chance für 20 Arbeitslose

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des neuen Wertstatt-Kaufhauses in Brebach zeigen, was es bei ihnen alles günstig zu kaufen gibt.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des neuen Wertstatt-Kaufhauses in Brebach zeigen, was es bei ihnen alles günstig zu kaufen gibt. FOTO: Iris Maria Maurer
Brebach. Im Brebacher Wertstatt-Kaufhaus können sich die Teilnehmer eines Förderprojektes weiterbilden. Von Jörg Wingertszahn

20 Langzeitarbeitslose bekommen eine neue Chance: Sie arbeiten im neuen Wertstatt-Kaufhaus, das gestern in Brebach eröffnet hat. Das Wertstatt-Kaufhaus ist ein Sozialkaufhaus, das Waren günstig anbietet. Zu kaufen gibt es Kleidung, Spielsachen, Dekorationen und vieles mehr. Das Kaufhaus ist ein Ableger des großen Wertstatt-Kaufhauses Am Holzbrunnen, in dem noch viel mehr Waren angeboten werden, unter anderem auch Möbel.


Marco Arnone (43) ist einer der 20 Teilnehmer der Beschäftigungsmaßnahme, die dort als Ein-Euro-Jobber arbeiten. Seit die Bandscheiben nicht mehr mitmachen, kann er seinen Beruf als Schreiner nicht mehr ausüben. Nun kümmert er sich um das Lager und den Verkauf. Sein Ziel ist es, wieder ins reguläre Berufsleben zurückzufinden. Seine Kollegin Media Mamo (28) sagt: „Hier macht jeder alles. Wir sind ein Team.“ Die Syrerin hat in ihrer Heimat in Aleppo Archäologie studiert und kam vor drei Jahren hierher, fand aber keine Stelle. Nun will sie es als Pharmazeutisch-Technische Assistentin versuchen, wie sie in tadellosem Deutsch erzählt.

Träger des Wertstatt-Kaufhauses in Brebach wie auch Am Holzbrunnen und in Burbach ist das Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach. „Wir bekommen sehr viele Spenden, viele bringen uns Waren oder rufen an. Wir holen dann die Ware bei den Leuten ab“, sagt die Geschäftsführerin des ZBB, Karin Riga. Tolle Produkte, die aufbereitet werden, und bezahlbar sind – das ist eines der Ziele des Wertstatt-Kaufhauses. Die Preise für die Waren im Kaufhaus setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest. „Deren Aufgabe ist es zu recherchieren, was die Ware ursprünglich gekostet hat, auf Gebrauchsspuren zu prüfen und dann mit den sozialpädagogischen Mitarbeiterinnen den Preis festzulegen. Da kostet eine picobello Bluse schon mal fünf Euro.“



Hannah Blau und Monika Hirsch betreuen die Mitarbeiter als Sozialpädagoginnen. „Wir kümmern uns um die Aufnahme der Menschen, führen mit ihnen Gespräche und kümmern uns um sie“, sagt Hannah Blau. Karin Riga betont, wie wichtig eine solche Eingliederungsmaßnahme ist: „Die Menschen kommen aus ihrem häuslichen Umfeld mal heraus, knüpfen neue Kontakte und können ihr Selbstwertgefühl aufbessern. Mancher hat zudem soziale oder gesundheitliche Probleme, wir helfen dann.“

Das Jobcenter Saarbrücken finanziert das Kaufhaus in Brebach mit 186 000 Euro pro Jahr. Weitere 60 000 Euro kommen vom Europäischen Sozialfonds und von der Landesregierung.

„Vor allem finanzschwache Familien haben den Nutzen einer preiswerten Warenbeschaffung. Die Tätigkeiten erhöhen die Lebensqualität der Menschen in dem Stadtteil Saarbrücken-Brebach und verbessern die soziale Infrastruktur“, teilt das ZBB mit. Das scheint zu klappen. Zwei junge Männer bleiben neugierig vor dem Schaufenster stehen und unterhalten sich: „Du hast mir gesagt, Brebach ist tot. Siehst du? Brebach lebt“, sagt der jüngere der beiden.