Das Stadtteilwohnzimmer

Fünf Kultur- und Lesetreffs gibt es in Saarbrücken. Einer von ihnen ist der Kultur- und Lesetreff in Brebach. Hier wird gelesen, gespielt, getanzt, gekocht und gefeiert. Ein echtes Stadtteilwohnzimmer.

Pauline Eisenbeis, Ingrid Deutsch und Birgit Asselborn sind Stammgäste des Kultur- und Lesefrühstücks.
Ingrid Bill leitet den Kultur- und Lesetreff in Brebach. Sie kennt den Büchergeschmack ihrer Kunden ganz genau.

Es duftet nach Kaffee und Kuchen, die Besucher begrüßen sich überschwänglich. Es wird gescherzt, gelacht, man kennt sich, beim Kultur- und Lesefrühstück im Dezember in Brebach , dem letzten in 2015. Einmal im Monat lädt der Kultur- und Lesetreff in der Saarbrücker Straße die Bewohner des Stadtteils dazu ein. Die Themen wechseln. Im Dezember ging es um Indien. "Wir haben hier viele Stammgäste. Gut besucht ist das Frühstück eigentlich immer ", erzählt Ingrid Bill. Sie leitet den Kultur- und Lesetreff seit sieben Jahren. Acht ehrenamtliche Helfer unterstützen sie dabei. "Sonst gäbe es das Frühstück nicht." Und nicht nur das. Über 200 Veranstaltungen bietet der Treff im Jahr an, von der Leseförderung für Schüler über Integrationskurse und Kochkurse bis hin zu Ausstellungen und Lesungen. "Und die Ehrenamtlichen helfen in der Ausleihe. Deshalb haben wir nie geschlossen. Auch zwischen den Jahren nicht", berichtet Bill stolz.

Ursprünglich war hier eine Stadtteilbibliothek. Genau wie in den anderen vier Kultur- und Lesetreffs der Stadt. Doch 1998 kam der Wandel. Damals wurde die Stadtbibliothek in der Innenstadt eingerichtet. Die bisherigen Stadtteilbibliotheken waren gefährdet. Die Leute protestierten. Sie sammelten Unterschriften, Initiativen zum Erhalt der Lesetreffs gründeten sich. Auch die Saarbrücker Gemeinwesenprojekte kämpften für den Weiterbestand der Stadtteilbibliotheken. "Daraufhin entstanden die Kultur- und Lesetreffs als Kooperationen zwischen Landeshauptstadt und freien Trägern. Jetzt gibt es Kultur- und Lesetreffs in Malstatt, Burbach, St. Arnual, Dudweiler und Brebach ", berichtet Ilona Matthieu, verantwortlich für die Kultur- und Lesetreffs im Kulturamt der Stadt.

2050 Euro stellt die Stadt jedem Kultur- und Lesetreff pro Jahr für den Kauf von Medien zur Verfügung. Und noch mal 2050 Euro für das Kulturprogramm. Dazu kommen die Kosten für die jährliche Miete. Eine Ausgabe, die sich lohnt, denn das Konzept habe sich bewährt. "Vor allem Kinder und ältere Menschen nutzen die Lesetreffs. Es sind richtige kleine soziokulturelle Kommunikationszentren in den Stadtteilen", schwärmt Matthieu. Richtige Stadtteilwohnzimmer eben.

Die Angebote der Kultur- und Lesetreffs sind dabei breit gefächert. "Der Kultur- und Lesetreff Knappenroth in Malstatt etwa hat eine enge Anbindung an die Schulen vor Ort", erläutert Matthieu. Und der Kultur- und Lesetreff in Brebach hat sein Kultur- und Lesefrühstück als Spezialität. Und noch etwas zeichnet die Treffs aus: "Sie gehen bei den Bücherbestellungen auf die Wünsche der Leute im Stadtteil ein. In St. Arnual gibt es zum Beispiel sehr viele Krimifans. Dementsprechend groß ist das Angebot dort."

Ingrid Bill liebt diesen persönlichen Kontakt zu den Leuten. Deshalb liefert sie langjährigen Kunden, die nicht mehr mobil sind, die Bücher auch mal nach Hause. Wie das läuft, beschreibt sie so: "Frau Bill, sie wissen doch, was ich gerne lese. Können Sie mir da nicht was vorbei bringen? Und dann machen wir das."

Das nächste Kultur- und Lesefrühstück in Brebach ist am Montag, 11. Januar, 9.30 Uhr. Dann hält Adalbert Hoffmann einen Vortrag über Phobien.

saarbruecken.de/kultur/

kultur_und_lesetreffs