Altenheim? Nein, danke.

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu wohnen, das wünschen sich viele Menschen. Um Senioren bei diesem Vorhaben zu unterstützen, startet das Bürgerzentrum Brebach jetzt ein neues Projekt. Und von dem profitieren nicht nur die alten Bewohner des Stadtteils.

Den Alltag zu meistern, fällt schwer. Putzen, kochen, einkaufen - im Alter werden diese Aufgaben oft zur Herausforderung. Um Hilfe zu fragen, ist vielen Senioren peinlich. "Manche sagen auch nichts, weil sie Angst haben, sie müssten dann ins Heim", erzählt Dagmar Schackmann. Sie ist Sozialarbeiterin im Bürgerzentrum Brebach und weiß: "Die meisten alten Menschen wollen möglichst lange zu Hause wohnen. Auch wenn sie pflegebedürftig sind."

Um Senioren diesen Wunsch zu erfüllen, haben Schackmann und ihre Kollegen ein neues Projekt namens "Wir bleiben daheim" ins Leben gerufen. "Es richtet sich an Menschen mit oder ohne Pflegestufe, die ihr Heim nicht verlassen möchten, aber Unterstützung im Alltag brauchen", sagt Ulli Heß, Leiterin des Bürgerzentrums. Sie erklärt, wie das Ganze funktioniert: "Senioren können sich bei uns melden. Wir führen dann ein Aufnahmegespräch mit ihnen." Darin werde beispielsweise besprochen, in welchen Bereichen Hilfe nötig ist. Und welche finanziellen Mittel dazu zur Verfügung stehen. "Wir gucken, was es in dem Haushalt schon gibt und wo noch Lücken sind ", erklärt Heß weiter. So komme zu manchen Senioren vielleicht schon der Pflegedienst, aber es fehle jemand der sie beim Einkauf begleite. Im Anschluss stelle das Bürgerzentrum den Kontakt zwischen den älteren Menschen und den entsprechenden Dienstleistern in Brebach her. Wichtig sei, dass die Senioren selbst bestimmen könnten. "Wir haben eine Liste mit Kooperationspartnern erstellt. Die Senioren können selbst wählen, etwa zu welchem Arzt oder welchem Friseur sie gehen möchten", sagt Sckackmann. Sie koordiniert das Projekt und ist auch eine direkte Ansprechpartnerin. Regelmäßig wird sie die teilnehmenden Haushalte besuchen, um nach dem Rechten zu sehen.

"Wir wollen nicht, dass die Senioren nur zu Hause rumsitzen. Sie sollen auch mal rauskommen", sagt Schackmann. Aus diesem Grund beinhalte das Projekt noch weitere Leistungen. Einmal im Monat werde ein gemeinsames Mittagessen im Bürgerzentrum und ein Besuch einer Veranstaltung in Brebach organisiert. "Außerdem können die Senioren einmal im Monat eine Alltagshilfe zu sich bestellen", sagt Schackmann. Diese helfe dann beim Aufräumen, Schrank aufbauen oder komme einfach zum Kaffeetrinken vorbei.

Doch wie entstand überhaupt die Projekt-Idee? In den vergangenen Jahren hätten immer mehr ältere Menschen nach Unterstützung gefragt, berichtet Heß. "Daher haben wir unsere Sozialberatung auf Senioren und deren Angehörige qualifiziert." In einem ersten Projekt habe man etwa Senioren-Yoga, PC-Kurse sowie Kulturangebote eingeführt. Zudem seien Stadtteilhelfer ausgebildet worden, die ältere Menschen bei alltäglichen Aufgaben unterstützen. "Dadurch sind wir an der Haustür der Senioren angekommen", sagt Heß.

Mit dem neuen Projekt wolle das Bürgerzentrum nun den Bogen zwischen Beratung und Daseinssorge hin zur Pflege schlagen. "Ich glaube aber, dass nicht nur die Senioren davon profitieren", sagt Heß. Auch die örtlichen Dienstleister - von Geschäften bis hin zu Pflegediensten - würden davon einen Nutzen haben. Heß ist sich sicher: "Das Projekt stärkt auch das Zusammenleben und Zusammengehörigkeitsgefühl in Brebach ."

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HintergrundDas Projekt "Wir bleiben daheim" wird vom GKV-Spitzenverband und dem Saarländischen Sozialministerium finanziell unterstützt. Die Teilnahme an dem Programm kostet pro Haushalt 40 Euro im Monat. Interessierte können sich an Ulli Heß und Dagmar Schackmann wenden. Da in Brebach viele Türken leben, gehört auch eine türkischsprachige Kollegin zum Team. Kontakt: Bürgerzentrum, Saarbrücker Straße 62, Brebach . Tel. (06 81) 8 77 64. sara