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Ermittlungen dauern an
Brandkatastrophe hinterlässt Spuren

Seit dem Brand Anfang Dezember ist das Unglückshaus in der Saaruferstraße in der Saarbrücker Innenstadt eine Baustelle.
Seit dem Brand Anfang Dezember ist das Unglückshaus in der Saaruferstraße in der Saarbrücker Innenstadt eine Baustelle. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Restaurant in der Saaruferstraße ist noch geschlossen. Bauarbeiter sind in oberen Etagen am Werk. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Mehrere Hinweistafeln im Schaufenster des Ladenlokals weisen Passanten darauf hin, dass sich hier wohl vor nicht allzu langer Zeit ein Unglück zugetragen haben muss: „Unser Restaurant ist wegen eines Brandschadens vorübergehend geschlossen“, ist da im Ristorante Milano zu lesen. Wer dann durch das Schaufenster in den dunklen Raum hineinspäht, sieht zerstörte Möbelteile und demolierte Reste der alten Deckenverkleidung. Ein Anblick wie auf einer Baustelle.



Seit 1980 bot der Chef hier Pizza, Pasta und sonstige Genüsse nach italienischer Art. „Wünschen, dass es bald wieder weitergeht“, so lautet sein letzter Eintrag vom 24. Januar im Internet. Doch wann, ist fraglich.

Vor dem Haus in der Saarbrücker Saaruferstraße 13 steht ein blauer, randvoller Bauschuttcontainer. Und weit oben an der Fassade sind noch immer dunkle Schmauchspuren zu entdecken.

So wie hier noch lange nicht wieder alles sein wird, wie es vor der Brandkatastrophe vom 3. Dezember war, so laufen weiterhin die Ermittlungen, wie es zu diesem verheerenden Unglück überhaupt kommen konnte. An jenem Sonntag im Advent, als vier Menschen  in dem fünfstöckigen Wohnhaus ums Leben kamen. Dramatische Szenen spielten sich ab, als ein Bewohner in seiner Panik aus dem Fenster sprang und sich lebensgefährlich verletzte.

Damals wurde sogar spekuliert, ob eine defekte Drehleiter sowie ein möglicherweise verkorkster Feuerwehreinsatz die Lage noch verschärft haben. Doch zumindest in dieser Blickrichtung entlastet die Saarbrücker Staatsanwaltschaft die Verantwortlichen. Wie deren Sprecher Christoph Rebmann auf Anfrage schriftlich wissen lässt, ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass der Feuerwehreinsatz „in strafrechtlich relevanter Weise (mit)ursächlich für den Todeseintritt“ gewesen sei. Allerdings gibt er ausdrücklich zu bedenken, dass es sich dabei lediglich um einen vorläufigen, also noch längst nicht abschließenden Ermittlungsstand handelt. Das heißt: Es könne durchaus im weiteren Verlauf auch noch anders ausgehen.

Bisher noch gänzlich offen ist „die Fragestellung, ob den Vorschriften des Brandschutzes seitens des Vermieters Genüge getan wurde“. Ergebnisse eines entsprechenden Expertengutachtens stünden bislang aus. Klar indes ist: Die vier Opfer starben an Rauchvergiftung. Dichter Qualm hatte die Fluchtwege durchs Treppenhaus offensichtlich abgeschnitten und war in die Wohnungen gedrungen. Einen weiteren Ausweg, der Flammenhölle durchs Gebäude zu entkommen, gab es nicht. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren etwas mehr als 30 Menschen in dem Mietshaus. 29 von ihnen rettete die Feuerwehr, zehn von ihnen mussten in die Klinik.

Kurz danach nahm die Polizei eine Bewohnerin fest. Die 37 Jahre alte Frau wird verdächtigt, den Brand gelegt zu haben. Rebmann zum aktuellen Sachstand: „Die Ermittlungen gegen die nach wie vor in Untersuchungshaft befindliche Beschuldigte dauern an.“ Zurzeit sollen Hausbewohner und sonstige Zeugen vernommen werden. Aber auch Menschen „aus dem Umfeld der Beschuldigten“ würden befragt.

Darüber hinaus sollen externe Gutachter Expertisen zur Brandursache erstellen. Von Interesse der Ermittler ist dabei zudem: Wie haben sich die Flammen ausgebreitet?

Noch ist offen, wann der Fall abgeschossen wird. Genau so, wann wieder Kunden in dem Restaurant ein- und ausgehen können.

Im Schaufenster hat der Geschäftsinhaber mehrere solcher Tafeln aufgehängt. Wann Wiedereröffnung ist, bleibt offen.
Im Schaufenster hat der Geschäftsinhaber mehrere solcher Tafeln aufgehängt. Wann Wiedereröffnung ist, bleibt offen. FOTO: Matthias Zimmermann