Blaue Liebe, "Puma" Schmitt und ein Buch zum Thema Links-alternativ

Lesung im Kunstwerk Malzeit : Die „Blaue Liebe“ und der Fußballer Emil Poklitar

Das links-alternative Autoren-Kollektiv „Blaue Liebe“, der Hamburger Journalismus-Professor Willy Theobald und die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) – zu dieser Konstellation kam es bei einer  Lesung im Bistro Malzeit in der Scheidter Straße.

Die Fäden des Treffens liefen bei Joachim „Puma“ Schmitt zusammen, dem Mitbegründer der „Blauen Liebe“.

Zum einen ist Schmitt mit dem aus Saarbrücken stammenden Theobald befreundet. Zum anderen hat die „Blaue Liebe“ nach drei Bänden über das Nauwieser Viertel ein weiteres Büchlein herausgebracht, das auch mal über den Tellerrand des Viertels hinausschaut. Darin enthalten sind unter anderem auch Interviews mit den Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze (Linke) und Josefine Ortleb (SPD), Vertretern der Antifa Saar und eben Charlotte Britz.

Theobald hat sich als Journalist für die taz, den Spiegel, die Wirtschaftswoche und die Financial Times Deutschland einen Namen gemacht, jetzt lehrt er an der University of Applied Science in Hamburg. Für die Lesung in seiner alten Heimat („Ein bis zweimal im Jahr bin ich hier“) hatte er extra eine nostalgische Geschichte verfasst. Titel: Emil Poklitar, der Hades und die Kunst der Täuschung.

„Wer kennt noch Emil Poklitar?“, fragte Theobald zu Beginn seiner Lesung. Von den etwa 40 Zuhörern waren das nur zwei oder drei. Kein Wunder, war Poklitar doch bereits 1964 bis 1969 für den 1. FC Saarbrücken als Mittelstürmer aktiv. „Wer kennt noch den Hades?“ – bei der zweiten Frage Theobalds reckten sich fast alle Hände. In der Geschichte steht Theobalds Alter Ego Julius vor der zugemauerten Tür des einstigen Kellerlokals und sinniert voller Wehmut über die vergangenen Zeiten. Ein Pfälzer Kegelclub und einige Fußballstars haben auch noch ihren Auftritt.

Nach der Pause ging es mit einem nachdenklichen Text von Nelia Dorscheid weiter, die darin ihren Alltag als Lehrerin von Flüchtlingen verarbeitete. Wie ist das, wenn die auf einem NPD-Wahlplakat den Spruch „Gute Heimreise“ lesen? Wenn der Schaffner einen duzt oder Frauen im Zug von einem wegrücken?

Dorscheid beleuchtete in ihrer differenzierten Stellungnahme aber auch, was sie an ihren muslimischen Schülern nervt: Wenn diese schlapp sind wegen des Ramadans, sich homophob oder antisemitisch äußern.

Den Abschluss der Lesung machte Poetry-Slammer Mark Heydrich mit einer groß angelegten Metapher, die die Liebe zu einer Frau mit dem Bergsteigen verglich.

Blaue Liebe – Wohin des Weges, Saarbrücken. 9, 90 Euro, ISBN 978-3-9819623-1-4. Info: www.ausstellung-rausch.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung