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Kirmes-Schausteller Roland Haddzis aus Bischmisheim steht vor Hartz 4

Roland Haddzis : „Das ist ein Schlag, der uns hart trifft“

Die Kirmes ist das Leben von Schausteller Roland Haddzis aus Bischmisheim. Doch der 66-Jährige kämpft gerade ums Überleben.

Normalerweise würde Roland Haddzis am Karsamstag seine Schausteller-Saison auf dem Osterfest in Völklingen eröffnen. Bis Mitte November wäre der 66-Jährige mit seinem Team im Saarland und der Vorderpfalz unterwegs und würde auf Volksfesten seinen Autoscooter und seinen Imbissstand aufbauen und betreiben. Doch durch die Corona-Krise fällt alles aus.

„Das ist ein Schlag, der uns hart trifft. Wir haben im Winter unseren Stand und das Fahrgeschäft auf Vordermann gebracht und mehr als 10 000 Euro investiert. Jetzt haben wir keine Einnahmen“, sagt der gebürtige Scheidter, der mit seiner Frau Jutta seit 20 Jahren in Bischmisheim wohnt. Die Kirmes ist das Leben von Roland Haddzis. Als Schüler hat er bei der Schausteller-Familie Weber mitgeholfen. Ein Auge für Jutta Weber hatte er in seiner Anfangszeit als Helfer nicht. „Ich war zu fasziniert von der Kirmes und der Arbeit. Ich wusste damals schon, dass die Kirmes mein Ding ist.“ Er und Jutta Weber wurden älter. Es funkte, sie heirateten. Und plötzlich war er ein angeheirateter, aber waschechter Schausteller.

Das ist 40 Jahre her. „Früher war die Kirmes das Volksfest Nummer eins. Da war der ganze Ort auf den Beinen und die Fahrgeschäfte waren richtige Attraktionen. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert“, berichtet Roland Haddzis von glorreichen Zeiten. Zeiten, die vielleicht wiederkommen. Er sieht einen Aufwärtstrend. „In den vergangenen Jahren wurden es wieder mehr Besucher. Das lag zum einen an den vielen Flüchtlingen, die zu uns kamen und so etwas wie Kirmes nicht kannten. Zum anderen sind in den vergangenen Jahren viele Feste in den Dörfern weggefallen. Die Kirmes hat überlebt. Es kamen wieder mehr Menschen auf die Kirmes, die mancherorts noch das einzige Volksfest ist“, erzählt der 66-Jährige.

Die Großeltern von Jutta Haddzis betrieben vor dem Zweiten Weltkrieg ein Kettenkarussell. „Aus Erzählungen weiß ich, dass zu Zeiten der Kinderlähmung in den 50er Jahren mal alles auf Eis gelegt wurde. Aber es war nicht so schlimm wie jetzt bei Corona“, sagt Roland Haddzis. Er musste seinen fünf Mitarbeitern kündigen. Als zweites Standbein betreibt er mit seiner Frau den Pavillon im Saarbrücker Wildpark. Auch der ist geschlossen. „Wenn ich ehrlich bin, wird es Ende Mai richtig eng, wenn es so weitergeht. Dann haben wir kein Geld mehr. Wir haben vor vier Wochen ein Schreiben mit der Bitte um Unterstützung an die Regierung geschickt, aber bis heute keine Antwort bekommen“, sagt der 66-Jährige. Er sagt, er müsse in einem Monat Hartz IV beantragen, wenn sich nichts ändert.

Roland Haddzis denkt auch an die anderen Schausteller im Land, an deren Mitarbeiter, an die Zulieferer. „Selbst die Elektriker, die unsere Fahrgeschäfte anschließen, bekommen keine Aufträge. Behörden fallen Standgebühren weg. Es ist ein Rattenschwanz – und das nicht nur in unserer Branche. Ich glaube nicht daran, dass in diesem Jahr noch ein normales Leben, wie wir es kennen, stattfinden kann. Und wie Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, werden die Volksfeste als Allerletztes wieder zugelassen. Das wäre der Untergang für uns“, sagt der 66-Jährige.