| 20:22 Uhr

Hochromantische Klangfülle

Bei der Sommermusik in der Bischmisheimer Schinkelkirche: das Tsanevski-Quartett mit Kiril Tsanevski und Jordi Herrera Roca an den Violinen, Young-gun Lee Viola und Daeyun Kim Violoncello. Foto: Iris Maurer
Bei der Sommermusik in der Bischmisheimer Schinkelkirche: das Tsanevski-Quartett mit Kiril Tsanevski und Jordi Herrera Roca an den Violinen, Young-gun Lee Viola und Daeyun Kim Violoncello. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Bischmisheim. Ein Konzert mit einer Welturaufführung erlebten die Besucher des Sommermusik-Gastspiels in der Bischmisheimer Schinkelkirche: Das Tsanevski-Quartett präsentierte „Intricate Machines“ von Daniel Temkin. Stefan Uhrmacher

Mit dem Zitat "Ich werde geh'n ins fremde Land" entführt die Saarbrücker Sommermusik 2016 in die Zeit des Dichters Adelbert von Chamisso (1781 bis 1838). Welcher Spielort würde sich da eher anbieten als die Bischmisheimer Schinkelkirche?



Sie wurde 1824 eingeweiht und ist ohnehin ein von Sommermusikchef Thomas Altpeter häufig auserkorenes Podium. Vor vollbesetzten Kirchenbänken spielte hier am vergangenen Sonntag das Tsanevski-Quartett. Das internationale Ensemble wurde 2012 von Studenten der Hochschule für Musik Saar (HfM) ins Leben gerufen und war in den letzten Jahren bereits mehrfach im Rahmen des Festivals in dem Bischmisheimer Gotteshaus zu hören. Passend zu Ort, Zeit und Thematik legten Kiril Tsanevski und Jordi Herrera Roca (Violinen), Young-gun Lee (Viola) und Anne-Claire Dani (Cello) Noten von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Ludwig van Beethoven auf.

Mendelssohn-Bartholdys posthum zum Opus 81 vereinte "Vier Stücke für Streichquartett" (zwischen 1827 und 1847 entstanden) waren in Händen des schwungvoll aufspielenden Tsanevski-Quartetts in einer Wiedergabe zu hören, die mit satten Strichen häufig auf geradezu orchestrale hochromantische Klangfülle setzte. Manche starken interpretatorischen Momente gelangen den Musikern in Beethovens Streichquartett op. 74 (1809), dem wegen harfenartiger Pizzikati so genannten "Harfenquartett" - eine ansehnliche Leistung der jungen Musiker.

Wie bei der Sommermusik und den Programmen des Tsanevski-Ensembles üblich, rückte an dem Abend auch eine Uraufführung in den Fokus: Durch Verbindungen des Ensembleleiters Kiril Tsanevski zum Komponisten Daniel Temkin (geboren 1986), aus Los Angeles stammend und über seine Heimat hinaus bereits recht bekannt, entstand die Komposition "Intricate Machines". Temkin widmete sie dem Tsanevski-Quartett.

Mit der Reise-Thematik des Sommermusik-Jahrgangs harmonierend, beschreibt Temkin in vier Sätzen, so war im Programminfo zu lesen, "eine Reise von der Unruhe der äußeren Welt mit ihrem Lärm zu der kontemplativen Sphäre des Inneren". Das Tsanevski-Ensemble legte sich für die Premiere mächtig ins Zeug und zeichnete die Entwicklung von der rauschhaften Bartòk'schen Wildheit des Eröffnungssatzes ("Heavy Metal Viola") zur meditativen Schlichtheit des Finales ("Costellations") farbig nach.

Das Auditorium honorierte die engagierte Welturaufführung des leicht nachvollziehbaren, tonalen Temkin-Werkes mit begeistertem Applaus.

Mittwoch, 24. August, Kleines Theater im Rathaus: Oktett "Blaupause" (Newjazz)

Donnerstag, 25. August, Theater im Viertel (TiV): Duo "Interstellar 227" (Improvisationskonzert)

saarbruecken.de/

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