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| 19:15 Uhr

Ein spät entdecktes Double

Die Bischmisheimer Schinkelkirche. Foto: traudl Brenner
Die Bischmisheimer Schinkelkirche. Foto: traudl Brenner FOTO: traudl Brenner
Bischmisheim. Der Saarbrücker Architekt Arno Verges hat eine große Leidenschaft: Ihn faszinieren Kirchen. Freunde von Verges wussten das und machten ihn auf eine Kostbarkeit in Polen aufmerksam: die Kirche St. Nikolai, ein Schinkelwerk mit einem Gegenstück weit westwärts. Bei uns. Traudl Brenner

Das ganze Saarland ist stolz auf die evangelische Kirche in Bischmisheim : Zwischen 1822 und 1824 ist sie nach einem Plan des berühmten "Oberlandesbaudirektors" Karl Friedrich Schinkel erbaut worden, im hierzulande raren klassizistischen Stil - unsere Schinkelkirche eben.

Nicht bekannt war aber bisher, dass sie, ganz weit weg, ein etwas kleineres, zwei Jahre jüngeres Schwesterchen hat.

Der Saarbrücker Architekt Arno Verges erfuhr das durch einen Zufall: Im polnischen Masuren, das ja früher zu Preußen gehörte, steht im 406-Seelen-Dörfchen Radzieje - zu preußischen Zeiten hieß der Ort "Rosengarten" - die ebenfalls auf einen Schinkel-Entwurf zurückgehende Doppelgängerin.

Gut, kleine Unterschiede gibt es: Der saarländische Sandsteinbau ist nicht, wie der in Polen, verputzt. Er ist auch größer, höher, hat andere Fenster. Aber vom Stil her - achteckig, zentrales Türmchen - sind beide nahezu identisch.

Was sie außerdem gemeinsam haben: Schinkel hat selbst nie gesehen, was aus seinen beiden Entwürfen geworden ist. Bekannt ist, dass er einmal eine Besichtigung in Bischmisheim plante, die dann aber buchstäblich ins Wasser fiel: Es schüttete.

Sicher hätte er gern überprüft, was aus seinen Plänen geworden ist. Da gab's nämlich zumindest an der Saar eine Vorgeschichte: Für Bischmisheim hatte zunächst der Saarbrücker Architekt Knipper eine Kirche entworfen. Mit Langhaus und geschätzten Kosten von 30 000 Talern.

Das war König Friedrich Wilhelm III. zu teuer, weswegen er seinem Baudirektor Schinkel den Auftrag für ein preiswerteres Kirchlein erteilte.

Der bastelte dann kurzerhand für Bischmisheim seinen Plan für einen oktogonalen Kirchbau im brandenburgischen Großbeeren um, der dort abgelehnt worden war, und blieb damit im vom König vorgegebenen Kostenrahmen von 10 000 Talern.

Wie Radzieje zum kleineren Schwesterchen der Bischmisheimer Kirche kam, weiß man dagegen nicht. Niemand war in all den Jahren die "Verwandtschaft" aufgefallen.

Bis nun Freunde von Arno Verges, die von dessen Leidenschaft für Kirchenbauten wussten, mal durch Masuren reisten, diese Kirche entdeckten und Verges darauf aufmerksam machten.

Der hat dann gleich in Radzije um Material über die Kirche gebeten und per Wort und Bild erfahren: Die Kirche St. Nikolai ist, leicht abgespeckt, auch nach einem Schinkel-Entwurf gebaut worden.

Vor rund 190 Jahren. Zwei Jahre nach Bischmisheim . Welche Spannweite: Bischmisheim im äußersten Westen des Königreichs Preußen, Rosengarten im äußersten Osten.

Verblüffend ähnlich: die Kirche in Radzieje. Foto: Arno Verges
Verblüffend ähnlich: die Kirche in Radzieje. Foto: Arno Verges FOTO: Arno Verges