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Bier tinken mit Corona-Maske in Saarbrücken.

Corona verändert die Bedeutung von Wörtern : Hinter die Binde kippen

Trotz doppelter Impfung: Dieses Virus greift weiter an. Nicht unbedingt mein Immunsystem, aber meine Gedanken. Es lenkt sie in abstruse Richtungen. Es verrückt sie regelrecht.  Wenn früher jemand „maskierter Rächer“ gesagt hat, dann  sind mir Zorro und Batman eingefallen.

Heute drängen sich mir Bilder von Polizisten und Ordnungsamtsmitarbeitern auf, die mit FFP2-Masken geschützt, irgendwelche Leute davon abhalten müssen, groben, womöglich gefährlichen Unfug zu machen, etwa sich grölend und saufend durch die Stadt zu bewegen. Beim Wort „Maskenball“ fällt mir nicht mehr als erstes die Faasend ein, nicht mal mehr die Oper von Giuseppe Verdi. Vor meinem inneren Auge tauchen dann Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker und Mitglieder der Verwaltung auf, die im Stadtrat  maskiert sitzen, stehen, reden und demokratische Rituale pflegen.

Vor ein paar Tagen hat dann auch eine alte Redewendung eine neue Bedeutung bekommen. Ich habe bei der Volkshochschule im zweiten Stock des Alten Rathauses am Saarbrücker Schlossplatz gestanden und über Bier geredet. Für Dozenten herrscht da Maskenpflicht. Das ist lästig, aber machbar, in bestimmten Momenten allerdings eine gewaltige Herausforderung.  Beim Seminar über einen Teil der deutschen Biergeschichte wird nämlich auch Bier verkostet. Man muss ja verstehen, wovon da geredet wird. Dazu muss man natürlich kurz die Maske abnehmen. So  gewinnt der alte Ausdruck „sich einen hinter die Binde gießen“ eine ganz neue Bedeutung. Es werden zwar nur kleine Mengen probiert, dennoch klingt es plötzlich nach einem Besäufnis.

Das war es wohl früher wirklich, habe ich nachgelesen. Denn das Trinkverhalten von Männern, die sich einen hinter die Binde, also den modischen Stoff an ihrem Hals, gegossen haben, war längst außer Kontrolle geraten. So etwas passiert bei VHS-Kursen natürlich nicht.