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Besuch bei Förster Greif vom Amt für Grünanlagen, Landwirtschaft und Forsten

Gersweiler Wald : Wo Förster Greif zur Säge greifen lässt

Der Wald-Experte in Diensten der Stadt und seine Leute haben in diesem stürmischen Winter alle Hände voll zu tun.

Der Sturm „Sabine“ wütet und wütet. Die Bahn stellt ihren Fernverkehr ein, und Hauseigentürmer bringen rund ums Heim alles in Sicherheit, was hinweggefegt werden könnte. Besonders die Bäume um Haus und Hof sollten Grundstückseigentümer im Auge behalten. Wenn jemand zum Beispiel durch einen Ast zu Schaden kommt, ist man prinzipiell erst einmal dran, weil man dafür haftet.

Das gilt auch für die Saarbrücker Stadtverwaltung, die dafür Sorge zu tragen hat, dass niemand im Stadtwald verletzt wird. Darum rückt Revierförster Rafael Greif mit seinem Team aus, damit so etwas gar nicht erst passiert. Er kontrolliert mit seinen zehn Mitarbeitern regelmäßig die Bäume in seinem rund 2100 Hektar großen Revier, das sich von Eschringen bis Klarenthal erstreckt.

Auch an diesem Freitag ist Greif mit einigen Baumpflegern im Wald unterwegs. In einer Klamm an der Grenze zwischen Gersweiler und Klarenthal kontrollieren sie, ob der heftige Sturm der vergangenen Tage Bäume beschädigt hat. Drohen diese auf Menschen, Häuser oder Autos zu stürzen, werden sie vorsorglich gefällt, um Schaden abzuwenden. In den letzten Tage seien die „Telefone heißgelaufen“, berichtet Greif.

Sein heutiger Arbeitsplatz ist ein langer, schmaler Streifen zu beiden Seiten der Klamm „mit schönen, alten Bäumen“, sagt der Revierförster. Ein „toller Bestand“ sei es mit Eichen, die rund 100 Jahre alt sind. Aber auch Eschen und Hainbuchen stehen dort. In einigen Baumstämmen könne man noch Bombensplitter aus dem Zweiten Weltkrieg entdecken. Genauso aber Spuren aus jüngerer Zeit, nämlich Konsolenpilze. Die werden durch Käfer übertragen. Und wenn sie einen Baum befallen haben, ist der in der Regel nicht mehr zu retten, weil die Pilze an dem Holz fressen.

Das morsche Holz könnte jederzeit nachgeben, so dass die Bäume beschnitten oder gefällt werden müssen. Riskant seien auch Löcher, die Spechte in die Stämme hacken. „Das sind Sollbruchstellen für das Holz“, sagt Greif. Bei Sturm würden die Bäume an diesen Stellen brechen. Die gefährdeten Bäume markieren Greif und sein Team mit blauer Farbe, bis ihnen dann die Baumpfleger mit Motorsägen zu Leibe rücken. Ein Teil des Holzes liegt bis zu fünf Jahre. „Von einem stehenden Baum profitieren rund 300 Tierarten“, sagt Greif, „darunter viele Käfer, aber auch Eichhörnchen“. Bei einem liegenden Baum seien es immerhin noch 80 Arten, somit sei das Totholz wichtig für das Gleichgewicht des Biotops. Außerdem sei es viel zu aufwendig, das Holz aus der steilen Klamm herauszuholen.

Wenn einzelne Äste aus der Baumkrone herausgeschnitten werden, kommen Leute wie Thomas Wagner zum Einsatz. Der Baumpfleger ist einer von 20 bis 25 Spezialisten im Saarland, der die nötige Qualifikation für derart heikle Aufgaben hat. Gelernt hat er den Umgang mit Motorsägen in schwindelnder Höhe in einer Baumschule. Bis man solche Arbeiten ausführen dürfe, müsse man aber erst einige Lehrgänge absolvieren, sagt Wagner.

 Greif ist stolz darauf, dass in seinem Beritt bisher niemand zu Schaden gekommen ist. „Die Anwohner haben viel Verständnis für unsere Arbeit, weil sie die unmittelbare Gefahr durch die Bäume sehen. Zwei, drei Häuser weiter sieht es da schon anders aus“, sagt Greif. Viele Leute störten sich einfach an der Optik, wenn Holz im Wald herumliegt. Dabei fehle vielen einfach die Vorstellungskraft, wie der Wald aussieht, wenn alles nachgewachsen ist. „In diesem Moment, wo wir hier stehen, wächst der Wald nach.“

Damit der gesund bleibt, wird Greif mit seinen Mitarbeitern weiter regelmäßig kontrollieren. Und bevor jemand zu Schaden kommen kann, wird er einschreiten.