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Redaktionsgespräch
Bertucci will mehr bezahlbare Wohnungen

Sozialwohnungen gibt es zum Beispiel auf der Folsterhöhe. Die Miete kostet zwischen 5 und 5,50 Euro pro Quadratmeter
Sozialwohnungen gibt es zum Beispiel auf der Folsterhöhe. Die Miete kostet zwischen 5 und 5,50 Euro pro Quadratmeter FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Der neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Saarbrücker Stadtrat macht sich bei der Miete vor allem für die „Mitte“ stark. Von Martin Rolshausen

Theoretisch könnte Mirco Bertucci sagen, was viele Sozialdemokraten sagen: Dass er wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten sei. Wenn man den 30-jährigen Bankkaufmann, der vor einigen Wochen den Vorsitz der Saarbrücker SPD-Stadtratsfraktion übernommen hat, nach dem Grund fragt, warum er in die SPD eingetreten ist, spricht er aber einen Namen aus, den viele seiner Parteifreunde scheuen, wie der Teufel das Weihwasser: Gerhard Schröder.


Bevor sich Mirco Bertucci mit 15 Jahren entschieden hat, in die SPD einzutreten, sagt er, habe er sich auch die Jugendorganisationen von CDU und Grünen angesehen. Drei Dinge haben dann aber den Ausschlag gegeben, dass er sich den Jusos angeschlossen hat: „Es ging um den Gestaltungswillen“, der ihn am rot-grünen Regierungsbündnis des sozialdemokratischen Kanzlers Schröder fasziniert hat.

Die SPD-Mitglieder vor Ort haben Bertucci herzlich empfangen. Und er sei gerade „wieder mal in einer Weltverbesserungsphase gewesen“, wie er sagt. So eine hatte er schon mal – mit elf Jahren. Damals, erzählt Bertucci, ist er Vegetarier geworden – und es bis heute geblieben.

Dass Bertucci zu seinen Entscheidungen steht, nicht so einfach den Kurs wechselt, liegt daran, dass er keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. „Ich bin sehr sachlich von meiner Art, versuche, viele Informationen zu bekommen, bevor ich entscheide.“ Emotionale Ausbrüche in der Politik entsprechen dieser Art nicht. Und das, lässt Bertucci durchblicken, unterscheidet ihn von seinem Vorgänger an der Spitze der Stadtrats-SPD, Peter Bauer. Inhaltlich wolle er den Kurs der Fraktion „kaum ändern“, sagt der Mann, dessen kommunalpolitische Karriere mit dem Einzug in den Bezirksrat Mitte 2009 begann. „Die Herangehensweise an Probleme will ich aber ändern“, schiebt er nach.

Eins der Probleme, die der Stadtverordnete Bertucci schon länger im Blick hat, ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Saarbrücken. Er meint damit nicht, dass vor allem Sozialwohnungen gebaut werden müssen.



Private Investoren, sagt er, versuchen, Wohnungen für Gutverdiener zu bauen, weil sie daran gut verdienen. Auf der anderen Seite sei der Ruf nach billigen Wohnungen. Vergessen werde dabei immer wieder „die Mitte“. Also die Menschen, die nicht von Sozialhilfe leben, aber sich auch keine Luxuswohnung leisten können.

Manch einen aus dieser Mittelschicht „zieht es nach Riegelsberg, obwohl er in Saarbrücken arbeitet und auch das Kind hier in der Kita ist“, weiß Bertucci. Für solche Menschen müsse Saarbrücken ein Wohnungsangebot schaffen. Denn wenn die Menschen auch dort leben, wo sie arbeiten, bringe das nicht nur Steuereinahmen, sondern auch weniger Pendlerverkehr. Deshalb müsse man noch intensiver an diesem Wohnraumproblem arbeiten.

„Vielleicht gibt es ja Gewerbeimmobilien, die man umbauen kann. Das hat ja auch beim ehemaligen Siemensgebäude gut geklappt“, sagt Bertucci. Klar, dort sei hochpreisiger Wohnraum entstanden. Aber man müsse eben mit den Investoren Regelungen treffen.
Dass die Mischung aus hochpreisigem und günstigerem Wohnraum in Neubauten oft nur durch eine höhere Bauweise zu erreichen ist, schreckt Mirco Bertucci nicht. „Dann ist das halt ein Geschoss höher. Und dann müssen wir auch als Stadt so stark sein, dass so zu sagen“, findet er.

Und auch das müsse man offen aussprechen: „Wenn wir mehr Menschen werden in der Stadt, dann wird es enger“, sagt Bertucci. Aufgabe der Stadt sei es, durch eine gute Stadtteilgestaltung, durch das Anlegen und Pflegen von Plätzen in den Wohnquartieren, die Lebensqualität zu sichern.

„Wie helfen wir denen dazwischen?“ Das ist für Bertucci eine ganz entscheidende Frage. Gerhard Schröder nannte es „Politik der Mitte.“

Luxuswohnungen im alten Siemens-Haus beispielsweise kosten in der Spitze 10,50 Euro Miete pro Quadratmeter.
Luxuswohnungen im alten Siemens-Haus beispielsweise kosten in der Spitze 10,50 Euro Miete pro Quadratmeter. FOTO: Iris Maria Maurer
Mirco Bertucci, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, beim Redaktionsgespräch.
Mirco Bertucci, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, beim Redaktionsgespräch. FOTO: Robby Lorenz