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Bernhard Leonardy spielt Beethoven auf der Kirchenorgel

Konzert : „Das Impulsive kann man unheimlich gut auf der Orgel machen“

Eine Wucht! Bernhard Leonardy spielt Beethoven auf der Basilika-Orgel. Ein paar Monate Vorbereitung haben sich gelohnt.

Beethoven und die Kirchenorgel? Das klingt außergewöhnlich und war es dann letztlich auch. Bernhard Leonardy hatte nämlich zum 250. Geburtstag des großen Komponisten die Idee, man könnte mal ein paar der bekanntesten Stücke Beethovens auf die Kirchenorgel legen. Hat man dann noch so ein raffiniertes Instrument wie jenes der Basilika St. Johann zur Verfügung, dort, wo Leonardy Kantor ist, dann sind kaum Grenzen gesetzt bei der Übertragung.

Das Wuchtige und Gewaltige, aber auch die lieblichen Töne der Beethovenschen Musik, all das kann ja eine Orgel auch transportieren, insbesondere wenn jemand sie so meisterlich bedienen kann wie Leonardy.

Beethoven war die Orgel übrigens gar nicht fremd gewesen, er war einst Hoforganist am kurkölnischen Hof in Bonn. Das erzählte Leonardy den etwa 200 Zuhörern, ehe er mit der Egmont-Ouvertüre loslegte. Schon dabei wurde deutlich, dass die Übertragung des Orchesterklangs auf die Kirchenorgel bestens funktionierte.

Schwieriger wurde es beim folgenden Stück, der Mondscheinsonate. Hier musste Leonardy den Klaviersatz auseinandernehmen, spielt doch bei diesem Stück die rechte Hand sowohl dezente Harmonien als auch die Melodie, ein Ding der Unmöglichkeit auf der Orgel. Diese besitzt jedoch Basspedale, und so übernahmen die Füße des Organisten die Stimme der linken Hand. Ja, so kann man das auch machen, schoss einem da durch den Kopf.

Auch das anschließende Allegretto in C-Moll, eigentlich für Klavier geschrieben, machte im Klang der Orgel einen gelungenen Eindruck. Dann aber die beiden Höhepunkte des Konzerts: Erst das berühmte Allegro con brio aus der fünften Symphonie, dann Leonardys Improvisation über das nicht minder bekannte Thema von „Freude schöner Götterfunken“.

Tatata Táaa – die Wucht dieser simplen und doch so markanten und monumentalen Tonfolge ließ den Kirchenraum erbeben. Die meisterliche Weiterentwicklung des Themas, das Wechselspiel von Bläsern und Streichern, der fulminante Schluss – all das klang plötzlich, als sei es für die Orgel komponiert worden.

Hier kam auch die Besonderheit der Kirche zum Tragen: Die Basilika besitzt ja neben der Hauptorgel noch zwei Nebenorgeln, die aber alle von einem Spieltisch gesteuert werden. Leonardy nutzte das geschickt, um das Frage-Antwort-Muster der Komposition von verschiedenen Stellen im Raum ertönen zu lassen.

Im wahrsten Wortsinne alle Register zog der Organist dann bei seiner Improvisation über die Europahymne. Diese hatte er in fünf Abschnitte eingeteilt. Zunächst ertönte das verträumt-sphärische Moderato, dessen Klangbild sich immer stärker anreicherte, bis auch noch das der Orgel angeschlossene Glockenspiel eingebunden wurde. Das Cantabile wiederum erinnerte an keltische Volksweisen. Als hätten wild gewordene Gnome die Melodie in die Finger bekommen, sorgte das Scherzo für Heiterkeit. Das Adagio beruhigte dieses Treiben wieder und setzte abermals die Glocken ein.

Dann das fulminante Finale, in dem Leonardy noch mal eine richtige Flut an Tönen losließ, das Thema zwischenzeitlich in den Bass legte und darüber Girlanden und Kaskaden spielte – grandios.

Ein paar Monate habe er an der Transkription für die Orgel gearbeitet, sagte der Organist hinterher. „Das Impulsive kann man unheimlich gut auf der Orgel machen“, meinte er. Während seiner Improvisation hatte er die Melodie schon durch alle möglichen Moll-Tonarten gejagt. Tags zuvor hatte es ihm Helge Schneider in der Saarlandhalle vorgemacht, als er das Beethoven-Stück „Für Elise“ in Dur spielte – derzeit beethovent es eben überall. Toll, wenn dabei mal neue Wege beschritten werden. Leonardys mit langem Applaus versehene Interpretation darf gerne auch über das Jubiläumsjahr hinaus aufgeführt werden.