Beitrag von Spiegel TV über Saarbrücken ärgert in der Landeshauptstadt

TV-Beitrag : Saarbrücker empört über „Saarbrooklyn“-Film

Drogen, Arbeitslosigkeit, Armut: Auch der künftige Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat bereits auf den Bericht reagiert.

Ein aktueller Beitrag von Spiegel-TV erhitzt jetzt im Saarland die Gemüter – insbesondere in den sozialen Medien. Der Nachrichten-Film „Saarbrooklyn: Der Randbezirk der Gesellschaft“ zeigt fast eine halbe Stunde lang die saarländische Landeshauptstadt als Ghetto-City, in der vorwiegend arme Kinder, Hartz-IV-Empfänger, Junkies und Rechtsaußen-Wähler leben. Eingefasst wird das Ganze mit erkennbar älteren Aufnahmen von der anscheinend völlig verwahrlosten Folsterhöhe (tatsächlich ist das 13-geschossige Hochhaus mittlerweile saniert) und Bildern der Drogenszene rund um die Johanneskirche. Über dramatischem Musikpuls hört man dazu Zitate von nicht näher bezeichneten Gesprächspartnern: „Ich wähle die NPD.“ Und ein Junge sagt: „Mein erstes Essen hier war Püree mit Fischstäbchen und Spinat“. Was genau daran so furchtbar ist, bleibt offen. Im noblen Hamburg, am Redaktionssitz des Spiegel, erschüttert eine derart proletarische und nicht vegane Mahlzeit offenbar.

Ärger beim künftigen Oberbürgermeister

Saarbrückens künftiger Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat prompt reagiert und postete: „Der Spiegel TV-Beitrag über Saarbrücken am gestrigen Abend spitzt zu, und jedem echten Saarbrücker blutet das Herz, wenn seine Stadt so einseitig und verzerrt dargestellt wird.“ Aber der Beitrag, so Conradt, lege auch den Finger in die Wunde.

Fragwürdige Darstellung?

Tatsächlich benennt der Film akute Probleme: Saarbrücken kämpft mit hoher Kinderarmut, mit Drogenmissbrauch und den Folgen des Strukturwandels. Andererseits entlarvt sich der Beitrag oft selbst. So heißt es, in Saarbrücken sage jeder nur noch „Saarbrooklyn“ zur Landeshauptstadt. Selbst wenn das zuträfe, wäre es sogar noch schmeichelhaft. Schließlich ist die Bronx das sprichwörtliche Problemquartier New Yorks, in Brooklyn wohnt man dagegen ziemlich gut. Und zur Folsterhöhe heißt es im Anklageton: „Fast 2000 Bewohner in knapp 1000 Wohnungen“. Was aber nichts anderes bedeutet, als dass rund zwei Menschen in einer Wohnung leben. Im Hamburg, wo - Achtung Vorurteil – wahrscheinlich 200 Quadratmeter Wohnfläche pro Person Usus sind, kann das nur zutiefst bestürzen.

So reiht sich eine Halbwahrheit an die andere, und vieles was über Saarbrücken behauptet wird, würde sich so auch über andere deutsche Städte sagen lassen.

Grundsätzlich hat Saarland-Schelte lange schon Konjunktur, nicht erst seit Böhmermann. Und der „Spiegel“ darf für sich sogar in Anspruch nehmen die Urmutter aller Negativ-Saarvergleiche geschaffen zu haben: „ein Ölteppich so groß wie das Saarland“. Spiegel-TV aber setzt nun noch eins drauf. Nur warum bloß?

Kramp-Karrenbauer eins auswischen?

Das macht eigentlich schon die Anmoderation von Maria Gresz klar: „Ausgerechnet Saarbrücken, die Heimat der sauberen AKK“. Da wollte man der CDU-Bundesvorsitzenden wohl eins auswischen. Vielleicht hätte man sich mal in Püttlingen umschauen sollen.

Das Video mit dem Beitrag ist im Internet verfügbar:
https://bit.ly/2LUIVaf

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