Bei Chiara Toussaint dreht sich alles um Instagram und Essen

Porträt : Mit Bildern von Essen zum Online-Erfolg

Die Saarbrücker Influencerin Chiara Toussaint ist Food-Bloggerin und hat auf Instagram über 12 500 Abonennten.

„Ich habe eigentlich immer den Flugmodus drin“, erzählt Chiara Toussaint lächelnd. „Darüber ärgert sich mein Freundeskreis und meine Familie schon mal.“ Toussaint ist Influencerin. Auf ihrem Instagram Kanal „chiaras_foodlove“ folgen ihr über 12 500 Menschen. Deshalb überrascht der Flugmodus. 24 Stunden am Tag online und ständig auf sozialen Medien unterwegs – das ist jedenfalls eines der Vorurteile, das häufig über Influencer und die heutige Smartphone-Generation zu hören ist. Die Saarbrücker Influencerin Toussaint zeigt, dass es auch anders geht.

Die 24-Jährige ist Kauffrau für Marketingkommunikation. Aktuell arbeitet sie in Saarbrücken bei „ting“, einem Unternehmen, das sich auf Social Media Marketing spezialisiert hat. „Alles, was man im klassischen Marketing macht, geht heute auch über Social Media“, erklärt Toussaint. Ihr eigener Instagram-Account mit damals noch rund 4000 Abonnenten stellte sich bei der Bewerbung als Vorteil heraus.

Gestartet hat Toussaint ihren Kanal vor ungefähr fünf Jahren. Nachdem sie die Instagram-App zu Beginn noch hauptsächlich als Bildbearbeitungsprogramm nutzte, begann sie schließlich, Bilder von selbstzubereitetem Essen hochzuladen. „Ich habe gesehen, dass andere Leute das damals auch gemacht haben, und dachte mir: Das kann ich genauso gut.“ Ein Müsli mit Erdbeeren und Nüssen in einem dekorativen Pflanzenkübel wurde das erste Bild. Zu dem bloßen Posten der Essensbilder kamen irgendwann dann die kompletten Rezepte hinzu. Einfach, schnell, aber eben auch gesund kochen sei ihr Ziel. „Jeder kann kochen, und das will ich den Leuten zeigen“, sagt Toussaint.

Zu sehen, dass viele ihrer Follower ihre Rezepte nachkochen, sei eine große Belohnung. „Wenn man merkt, dass die Posts nicht umsonst sind und du für die Leute so relevant bist, dass sie für dich Zeit investieren, ist das ein schönes Gefühl“, sagt Toussaint. Das Bildermachen selbst sei im Laufe der Zeit viel anspruchsvoller geworden: „Mittlerweile achte ich zum Beispiel darauf, dass die Gabel im goldenen Schnitt steht.“ Qualitativ hochwertige Bilder zu machen, sei nicht leicht – hinter einem guten Blog stecke viel Arbeit.

Heute geht die 24-Jährige mit ihrem Kanal regelmäßig Kooperationen ein und promotet Produkte oder regionale Unternehmen selbst. Regionalität sei einer der größten Vorteile im Saarland. „Jeder kennt hier jeden“, erklärt Toussaint, das könne für soziale Medien vorteilhaft genutzt werden. Dennoch sei Influencer-Marketing im Saarland noch stark ausbaufähig. Die geringe Zahl an Bloggern mache sie dafür automatisch präsenter. „Mein Blog würde in einer größeren Stadt wahrscheinlich komplett untergehen“, sagt Toussaint.

Der Nebenverdienst, der durch Kooperationen zustande kommt, sei eher nebensächlich. „Online neue Kontakt zu knüpfen und die dann in das echte Leben auszuweiten und Leute zu treffen“, sei das Beste an sozialen Medien, sagt Toussaint. Über ihr bestehendes Online-Netzwerk organisiert Toussaint regelmäßig Treffen, auf Events oder auch mal nur zum Frühstück. So hätte sie bereits „Pärchen und beste Freundinnen vermittelt“.

Da soziale Medien für Toussaint nicht nur Hobby, sondern auch Hauptberuf sind, sei es umso wichtiger, abschalten zu können. „Wenn ich mit jemandem unterwegs bin, dann bleibt das Handy immer in der Tasche“, sagt Toussaint. Das richtige Maß zu finden und sich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, sei sehr wichtig. Influencer als Hauptberuf, wie es heutzutage immer normaler wird, sei deshalb auch keine Option für sie: „Dafür liebe ich meine Arbeit viel zu sehr.“

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