Kolumne : Basketballknoten ist geplatzt

Lange Zeit hat der Ball in der Ecke gelegen. Es hat nicht an der Lust gefehlt, aber an einem Korb. Doch jetzt ist alles anders.

Als ich den Basketball gekauft hatte, wusste ich zwar noch nicht, wohin ich ihn werfen sollte, aber das würde sich schon zeigen, dachte ich und legte mein Geld auf den Ladentresen. Den Ball warf ich später in meinen Flur, und das sollte der letzte Wurf für die nächsten zwei Jahren gewesen sein.

Bei mir zu Hause gab es einfach keinen Korb. Lange Zeit hatte sich das auch nicht geändert, bis eines Tages ein Freund aus einem Nachbarort ein Foto auf Facebook gepostet hatte. Ich zog das Bild größer – und ich hatte mich nicht getäuscht: Im Hintergrund war ein Basketballkorb zu sehen, nur zwei Kilometer von mir entfernt, aber versteckt auf einem Festplatz im Wald – deswegen hatte ich nichts davon bemerkt.

Am nächsten freien Abend bin ich gleich hingefahren, kurze Hose, Basketball. Und tatsächlich: In einer Ecke zwischen viel Grün hing er, ein echter Streetball-Korb an seinem quietschgelben Mast, ihm zu Füßen eine eigene große Betonfläche umrahmt von Ahorn und frischem Rasen. Die Kette, die unter freiem Himmel statt eines Netzes am Korb­ring hängt, glänzte in der untergehenden Sonne.

Seitdem fahre ich regelmäßig dorthin, eine ganze halbe Woche schon. Ich bin immer der einzige dort. Es macht süchtig zu sehen und zu hören, wie der Ball von oben satt in die Kette fällt. Die Zeit vergeht wie im Flug, und mein Gesicht glüht, wenn ich wieder im Auto auf dem Weg nach Hause sitze. Ich meine auch ein leises Jubeln zu hören, wenn der Ball aus meinen Händen in hohem Bogen durch die Abendluft fliegt.