Axel Fuhrmann alias Viktor van der Saar bei Pictures of Pop

Porträt : Ein „Van der Saar“ zwischen Hessen und Paris

Der Fotograf Axel Fuhrmann ist unter seinem heimatverbundenen Künstlernamen bekannt. Heute eröffnen zwei Ausstellungen.

Man kennt ihn als geselligen Veranstaltungsbesucher: Max Ophüls-Filmfestival, Perspectives, diverse Konzerte – Axel Fuhrmann gehört quasi zum Inventar und ist mit Hinz und Kunz in der regionalen und überregionalen Kulturszene befreundet. Und obwohl er seit 2014 im hessischen Kronberg lebt, wohin es ihn der Liebe wegen verschlug, zieht es den 1961 in Saarbrücken geborenen begeisterten Kulturgänger immer wieder in seine alte Heimat zurück.

In den letzten Wochen war Fuhrmann besonders oft hier, allerdings in eigener Sache: Als Fotograf zeigt er gleich drei Expositionen im Rahmen der „Pictures of Pop“-Ausstellungsreihe des Poprats, die wollten vorbereitet werden.

Illustrer ist Fuhrmann freilich unter seinem Künstlernamen Victor van der Saar, den er sogar offiziell in seinen Personalausweis eintragen ließ – eine Hommage ans Saarland. Berühmt ist auch seine Fußball-Leidenschaft, der er, früher selbst aktiver Kicker, mit seiner Reihe „11Meter“ huldigt, für die er weltweit Tore ablichtet.

Dieses langjährige Projekt, das 2006 mit dem mittlerweile zerstörten „Ur-Tor“ eines Bolzplatzes in Dudweiler startete und in Auszügen bereits von verschiedenen Magazinen gedruckt wurde, ist eine der lockeren Serien, die Fuhrmann fortlaufend weiterführt. Genau wie die Reihe „mobEYEle dEYEary“, eine Art persönliches Tagebuch in Form von Smartphone-Schnappschüssen. „Ich drücke immer drauf, wenn ich etwas Schönes sehe“, erläutert Fuhrmann.

Ebenfalls ein Work in Progress ist die Reihe „Come as you are“, die Fuhrmann vor ungefähr acht Jahren startete. Dabei zeigt er „Kreative Köpfe im Portrait“, egal ob Ärzte oder Künstler, und wiederum ist es eine Hommage ans Saarland: an Menschen, die Fuhrmann persönlich schätzt, die im Saarland geboren wurden, hier leben oder gelebt haben.

Fuhrmann: „Die selbst gestellte Herausforderung liegt im quadratischen Format, und der Charme der lockeren Serie entsteht vor allem dadurch, dass ich die Leute in schnellen Shootings an ihrem persönlichen Lieblingsort fotografiere.“ Der muss nicht zwangsläufig im Saarland liegen: Als Kulisse dienten auch schon der Eingang zum Bundesrat oder die Gasag-Dachterasse in Berlin, das barocke Schaezlerpalais in Augsburg oder der Baustellenzaun vor dem Ritz in Paris.

Apropos Paris: Die Stadt der Liebe spielt aktuell eine wichtige Rolle im Leben Fuhrmanns, weil dort die amtierende Dame seines Herzens wohnt. So pendelt er ständig zwischen der französischen Hauptstadt, Saarbrücken und Kronberg im Taunus hin und her. Das hessische Städtchen schätzt Fuhrmann wegen seines malerischen Mittelalter-Ambientes und der unmittelbaren Nähe zum kulturell regen Frankfurt, wo er zudem einen festen Teilzeit-Job bei einem Designmöbel-Hersteller hat.

Fotografiert hat Fuhrmann schon als Jugendlicher und bereits als Schüler Ausstellungen gemacht, beeindruckt von familiären Dia-Abenden. Schlüsselerlebnis waren jedoch die Schwarzweiß-Fotos seines Onkels Erwin Steitz, Kunsterzieher am Staatlichen Gymnasium Sulzbach. „14 Tage später hatte ich ebenfalls eine Dunkelkammer“, erzählt Fuhrmann. Stilbildend wirkten auch Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Robert Frank und Ralph Gibson sowie die Retrospektive des Werks von Man Ray im Centre George Pompidou 1981.

Bevor Fuhrmann sich 1999 als Fotograf selbständig machte, war er lange als begeisterter Amateur unterwegs und ergatterte erste kleine Jobs. Sein Interesse für Film und Literatur verleitete ihn zu einem Anglistik- und Romanistikstudium in Berlin, wo er jahrelang im Auftrag die Berlinale knipste. Längst zählen heute auch andere renommierte Institutionen und Firmen zu seinen Auftraggebern im Bereich Porträt, Veranstaltung oder Industrie. Als „alter St. Johanner“ freut er sich jetzt wie Bolle auf die morgige Doppelvernissage. Fuhrmann: „Das wird ein familiäres Fest!“

Vernissage von „Come as you are“ und „mobEYEle dEYEary“ am Dienstag, 22. Oktober, 18 Uhr, im Ministerium für Finanzen und Europa. Vernissage von „11Meter. Zur Poesie des Fußballtors“ am Samstag, 26. Oktober, 17 Uhr, Gasthaus Zahm, Saarbrücken.

Mehr von Saarbrücker Zeitung