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Awa Taban-Shomal, das Zing und die Jazz-Szene

Musikerinnen und Musiker in der Region : Wo der Jazz zuhause ist: Awa ist „amazing“

Sie betreibt eine originelle Jazz-Kneipe, in der es selbst gebackenen Kuchen gibt. Außerdem singt Awa mit allerlei Jazz-Freunden und gibt heute ein Live-Konzert.

Awa Zing heißt eigentlich Awa Taban-Shomal – der Name stammt wie ihre Eltern aus dem Iran. Der Spitzname sei ein Sprachspiel mit dem englischen Wort „amazing“, erklärt die 30-Jährige. Seit fünf Jahren führt Awa nun das Cafe Zing am Rande des Nauwieser Viertels. Wie sie dazu kam und wie sie auch recht spät noch eine Musikerkarriere startete, deren Höhepunkt noch gar nicht absehbar ist, mutet fast wie ein Märchen an.

Doch von Anfang an: Awa wird in Fechingen groß. Als Kind zum Querflötespielen verdonnert, setzt sie sich viel lieber an das heimische Klavier und bringt sich selbst das Spielen bei. Auch möchte sie damals schon Sängerin werden, verwirft den Gedanken jedoch. Zumindest 20 Jahre lang.

Von ihrem Musikgeschmack glaubt sie lange, er sei furchtbar. Ihre Freundinnen verehren die Backstreet Boys – „Ich habe mir alibi-mäßig die Alben gekauft, die Musik aber weder gemocht noch verstanden.“ Heimlich hört die musikalisch Frühreife Björk und The Prodigy. „Mich hat schon immer Musik fasziniert, die unberechenbar ist. Wenn mir ein Lied gefällt, höre ich das ununterbrochen auf Repeat. Dafür habe ich Musik gebraucht, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt und wo mir auch beim hundertsten Hören noch eine Feinheit mehr auffällt.“

Daher rührt ihre Leidenschaft für Jazz. In der Gastronomie arbeitet Awa zum ersten Mal mit 14 Jahren beim Speckball in Fechingen. „Ich fand es schon immer ansprechender, hinter dem Tresen zu stehen als davor. Man muss sich dabei vielen Herausforderungen stellen, um ein guter Gastgeber zu sein.“

Nach dem Abitur auf dem Deutsch-Französischen Gymnasium weiß Awa zunächst nicht so recht, was sie machen soll. Im Glauben, einen akademischen Werdegang einschlagen zu müssen, studiert sie dies und jenes, arbeitet aber weiterhin in der Gastronomie. Für die Band Savoy Truffle, einem Urgestein der hiesigen Pop-Szene, verkauft sie zu der Zeit CDs bei Konzerten.

Awas Gesangskarriere startet mit einigen Umwegen und absurden Zufällen. Von sich selber glaubt sie, nicht sonderlich gut singen zu können. Ihr Gesangstalent zeigt sie ausschließlich zu Feierabendschnäpsen an der Jukebox in der Bauernschenke. Eines Abends nimmt ihr ein Arbeitskollege das Verspechen ab, beim Chor seiner Mutter vorzusingen. „Bei dem ersten Auftritt hab ich zwei Flaschen Rotwein gekippt. Als ich nach Hause kam, sah ich auf Facebook, dass Savoy Truffle eine neue Backgroundsängerin sucht.“ Sie bewirbt sich nachts und schämt sich am nächsten, wieder nüchternen Morgen. „Ich hab mir dann aber gedacht, dass ich da jetzt durch und zu meinen besoffenen Taten stehen muss.“

Diese Entscheidung erweist sich als richtig, denn die Band nimmt Awa gerne auf. „Ich hatte das große Glück, von null auf hundert in einer sehr professionellen Band als Sängerin mitmachen zu dürfen.“ Der kometenhafte Aufstieg als Musikerin erfährt einen zwischenzeitlichen Dämpfer, als sie sich bei der Hochschule für Musik für Jazzgesang bewirbt – und abgelehnt wird.

Die schwierige Prüfungssituation nimmt ihr den Glauben, „für Jazz gemacht“ zu sein. Folglich kann sie ein halbes Jahr ihre Leidenschaft, den Jazz, nicht mehr hören, ohne dass es ihr übel wird. Sie verwirft abermals die Idee, Sängerin zu werden, plant, das Saarland zu verlassen und will herausfinden, wo sie beruflich hinmöchte.

„Ich wusste, dass ich nur das langfristig und gut machen kann, wohinter ich auch wirklich stehe.“ Und so führt ihr Weg dann doch zum Jazz, dem Schwerpunkt im Cafe Zing. Einen eigenen Laden will sie schon immer aufmachen. „Auch weil es da so viele verschiedene Bereiche gibt, in denen ich mich austoben kann.“ Awa bemerkt das Schild „Zu vermieten“ eines recht heruntergekommenen Lokals neben der Wohnung ihres damaligen Freundes. Sie errechnet den Worst Case, kratzt Erspartes zusammen, leiht sich Geld und rechnet fest damit,  pleite zu gehen. „So ein Laden, in dem nur Jazz läuft, da laufen dir die Gäste fort, haben ganz viele zu mir gesagt. Ich wusste aber, dass hier so ein Laden fehlte und ich so einen Laden will.“

Die Lage des Lokals am Rande des Nauwieser Viertels erweist sich dann vorteilhafter als vermutet. „Ich musste mich als junges Mädel nicht um einen Laden streiten, der die perfekte Lage hat. Außerdem dachte ich mir, dass ich hier mein Ding machen kann.“

Erstmal ist aber viel zu renovieren. „Von der Renovierung bis zum Kuchen mache ich alles selbst. Das macht das Zing irgendwie aus, und das ist der Grund, warum ich das so gerne mache. Weil es eine unglaublich vielfältige Arbeit aus allen Bereichen ist. Das ist wie mit dem Jazz, es wird nie langweilig und es gibt immer wieder neue Herausforderungen.“

Colabier bestellt man vergeblich und Singer/Songwriter trifft man dort nicht an. „Ich kann im Zing nur guten Gewissens das anbieten, von dem ich selbst auch überzeugt bin.“ Die Jazz-Szene findet sich bei Sessions ein, bei denen Awa ab und zu auch mitmacht.

So kommt sie auch zu ihren Projekten: Mit Stefan Scheib, Gilles Grethen und Michel Meis spielte sie kürzlich ein Livestream-Konzert bei Quasi.live, und in Hannover (!) hat sie ein Progrock-Jazzprojekt namens Lilith.

Am  heutigen Freitag, 26. Juni,  tritt Awa aber mit Jazzgitarrist Johannes Schmitz auf, unter dem Namen „Agnetha & Jonas“. Im Hof des Theaters Überzwerg kann wieder live mit begrenzten Plätzen gespielt werden. „Mit Johannes spiele ich Standards, die eher unbekannt sind und daher eher selten auf Sessions zu hören sind.“

Das Konzert am Freitag, 26. Juni, beginnt um 19.30 Uhr am Kästnerplatz in St. Arnual. Karten kosten 15/10 Euro. Weitere Informationen und Anmeldung beim Theater im Viertel, Telefon (0681) 9679353.

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