Saarbrücken für Fortgeschrittene: Automatisch ganz schön clever

Saarbrücken für Fortgeschrittene : Automatisch ganz schön clever

Moderne Technik kann einem das Leben zuhause ganz schön erleichtern. Alles schön und gut, findet unsere Kolumnistin, solange einem kein Dackel in den Weg kommt.

Manchmal wäre ich froh, mein Haus würde mitdenken, ein bisschen wenigstens. Gerade jetzt, wo in absehbarer Zeit der Winter kommen wird. Morgens könnte es schon mal die Raumtemperatur auf angenehme Grade bringen, kurz bevor ich wach werde. Automatisch ein Licht leuchten lassen, betrete ich noch schlaftrunken die Küche, wo es vorausschauend das Kaffeewasser zum Kochen gebracht hat. Mir die gefühlte und tatsächliche Außentemperatur nennen und vorschlagen, was ich bei dem zu erwartenden Wetter am besten tragen soll. Schauen, ob sich mein Schreibtisch in einem eine arbeitende Tätigkeit fördernden Zustand befindet, notfalls Abhilfe schaffen.

Doch meine Wohnstätte vermag das alles nicht, es fehlt ihr schlicht dazu die Ausstattung. Anders die sogenannten Smart Homes, sie können alles selber und besser als die Bewohner. Sie lassen Verschattungselemente je nach Sonnenstand hoch- und runterfahren, wissen, wer wann aufsteht und bereiten pünktlich Warmwasser zur inneren wie äußeren Erquickung. Sie wärmen Fußböden, öffnen Fenster zwecks punktgenauer Belüftung, lassen Terrassentüren aufgleiten, ebenso das Garagentor, damit das Auto herausschauen kann.

In diesen Häusern erklingt wohltuende Musik, kommt man nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Und die Küche fährt hoch, falls jemand tatsächlich unter Einsatz aller verbliebenen Kräfte selbsttätig kochen möchte. In dem Magazin, das ich gerade durchblätterte, sieht man eine solche Küche. Sie besteht aus einem weißen Tresen in der Mitte, einer riesigen, stählernen Dunstabzugshaube und zwei futuristischen Einbau-Elektrogeräten in den Wänden. Sonst ist sie leer. Das Wohnzimmer: graue Couch-Landschaft, Tisch, Stühle. Sonst ist es leer.

Ich muss an Jacques Tati denken und an seine hinreißenden Kämpfe mit der modernen, technisierten Welt. „Mein Onkel“ – haben Sie den gesehen?

Apropos Smart Home, in diesem Film sieht man einen Vorläufer. Erinnern Sie sich an die Szene mit der Garage? Tja, kaum kommt einem der arglose Teil eines Dackels dazwischen, geht die Klappe zu und schon ist Schluss mit clever…

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