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Ein deutsch-französisch-syrisches Theaterprojekt
Außerirdische im Babylonischen Chaos

Mit vollem Körpereinsatz dabei: Bei den Proben zum "Babylon"-Stück arbeiten die Mitglieder der Gruppe Le Pont und von Eugen Georgs Theaterensemble "Morgen wird schöner" zusammen. Foto: Silvia Buss
Mit vollem Körpereinsatz dabei: Bei den Proben zum "Babylon"-Stück arbeiten die Mitglieder der Gruppe Le Pont und von Eugen Georgs Theaterensemble "Morgen wird schöner" zusammen. Foto: Silvia Buss FOTO: Silvia Buss
Saarbrücken. Ein deutsch-französisch-arabisches Theaterstück entsteht derzeit in der Villa Europa. Zwei sehr verschiedene Gruppen arbeiten gemeinsam. Von Silvia Buss

Rund ein dutzend junge Leute wirbeln durcheinander über die Bühne im Theatersaal der Universität. Schon bei den Aufwärmübungen sind sie in Hochstimmung. Mit raumgreifenden Bewegungen sollen sie aufeinander reagieren, ohne zusammenzustoßen und zwischendurch „einfrieren“, was nie lange gut geht, weil es so schwer ist, die Lachmuskeln im Zaum zu halten.


Nichts lässt erahnen, dass hier zwei Theatergruppen miteinander trainieren, die sich noch gar nicht lange kennen, aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen und ganz verschiedene Arbeitsstile haben. „Wir suchen uns sonst immer ein Theaterstück aus, besorgen uns die Rechte und führen es dann im Ganzen auf, auf Französisch“, sagt Anna Barmbold, leitendes Mitglied von „Le Pont“, der französischsprachigen Studierendentheatergruppe der Saar-Uni. „Für uns ist es das erste Mal, dass wir ein Stück proben, das erst noch geschrieben wird“.

Das wiederum ist für Omar Haji und Hamda Kahwate von „Morgen wird schöner“ nichts Ungewöhnliches. Ihre Theatergruppe, die der Regisseur Eugen Georg 2015 für Geflüchtete ins Leben rief, geht fast immer so vor. Zu Georgs Konzept gehört es, dass seine Schauspieler sich mit eigenen Ideen und Texten über sich, ihre Erfahrungen und Wünsche einbringen. Im vorigen Jahr ist er mit seiner Truppe in einem fahrenden Bus aufgetreten und sie haben dabei auch von ihren Fluchterlebnissen erzählt.



In diesem neuen Projekt geht Georg einen Schritt weiter. „Die Leute sind schon ein, zwei Jahre in Deutschland, und jetzt ist ihr Thema: Wie leben wir hier, wie wollen wir sein?“. Und da ist es geradezu konsequent, nicht mehr nur unter sich zu bleiben, sondern mit anderen jungen Leuten zusammenzuarbeiten, die schon lange hier leben.

„Exit Babylon“ wird das neue Stück heißen, das „Morgen wird schöner“ und „Le Pont“ gemeinsam kreieren, um es im Mai beim „Graffiti Festival“, dem Studierendentheaterfestival der Großregion im luxemburgischen Esch-sur-Alzette und in der Saarbrücker Villa Europa aufzuführen.

„Exit Babylon“ werde ein Science-Fiction-Drama, kündigt Georg an. Worum es darin geht? „Um zwei außerirdische Zivilisationen, die nur durch einen Raum-Zeit-Riss im ‚Tor zu einer anderen Welt‘ miteinander sprechen können und im Laufe der Zeit erkennen, dass sie mehr verbindet als trennt“, erklärt der Regisseur. Es entwickelten sich Freundschaften, gar Liebesbeziehungen, bis plötzlich eine Art babylonische Sprachverwirrung eintrete und Konflikte und Chaos auslöse.

Auf der Bühne werden deshalb auch drei Sprachen gesprochen, deutsch, französisch und arabisch. Wie gut, dass Co-Regisseur und Schauspieltrainer Nouh Hammami, der 2015 aus Syrien nach Deutschland kam, alle drei Sprachen beherrscht. „Bei den Proben erklärt er die Übungen erst auf Deutsch, dann übersetzt er ins Arabische und Französische“, sagt Anna Barmbold.

Eugen Georg wird neben der Regie, die er sich mit Hammami teilt, zusätzlich auch noch Videos drehen, die in das Bühnengeschehen eingeblendet werden. Beim Schreiben des Stücks erhält die Gruppe zudem Unterstützung von einer erfahrenen Schriftstellerin, der Professorin und Leiterin des Institut Français, Valérie Deshoulières. Sie hat das Kooperationsprojekt von Anfang an wesentlich mit vorangetrieben. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt vom Netzwerk Ankommen, der Landeshauptstadt und dem Bundesprogramm Demokratie Leben.

Uraufführung: 16. Mai als Teil des Grafitti Festivals in Esch-sur-Alzette. Am 9. Mai gibt es in der  Villa Europa erste Eindrücke.

Seit Mitte September residiert der Saarbrücker Künstler und Regisseur Eugen Georg in Kirkel und hat in dieser Zeit inmitten der Gemeinde mit interessierten und engagierten Bürgern im Theaterstudio in der Limbacher Ortsmitte ein situatives Theaterstück entwickelt.
Seit Mitte September residiert der Saarbrücker Künstler und Regisseur Eugen Georg in Kirkel und hat in dieser Zeit inmitten der Gemeinde mit interessierten und engagierten Bürgern im Theaterstudio in der Limbacher Ortsmitte ein situatives Theaterstück entwickelt. FOTO: Thorsten Wolf
Valérie Deshoulières leistet literarische Hilfe.
Valérie Deshoulières leistet literarische Hilfe. FOTO: Oliver Dietze