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Insectophobie in Saarbrücken: Ausflug zu den Riesen-Spinnen

Insectophobie in Saarbrücken : Ausflug zu den Riesen-Spinnen

Das große Krabbeln: Bei einer Ausstellung begeisterten exotische Insekten und Spinnen die Besucher.

„Hast du schon drüben die größte Vogelspinne der Welt gesehen?“, fragt Martin Kemmer. „Die sieht aus wie ein kleiner Hund!“ Gerade hatte er noch eine andere, deutlich kleinere Vogelspinne auf den Händen sitzen. Früher hatte er eigentlich Angst vor Spinnen, sagt er. Aber auf der Hand sei das Tier doch „ganz weich und angenehm“. „Schon eklig irgendwie, aber total interessant“, sagt er.

Zugegeben – so groß wie ein Hund ist auch die größte Vogelspinne nicht, beeindruckend ist sie dennoch. Dazu kommen Schnecken, so groß, dass sie die Hand eines erwachsenen Mannes komplett ausfüllen. Skorpione, Würmer, Schaben und Heuschrecken, es ist ein wahres Sammelsurium verschiedenster exotischer Krabbeltiere. Alles Tiere, die Menschen hierzulande in der Regel entweder zum Schuh, zum Staubsauger oder zum Telefon mit dem Kammerjäger auf Kurzwahl greifen ließen, je nach Größe. Nicht jedoch Giovanno Neigert. Dem 35-jährigen gehören alle Insekten hier, über 500 Exemplare in 80 Terrarien. Bereits mit 13 Jahren hat er seine erste Vogelspinne bekommen, erzählt er. Schließlich wurden es immer mehr, getrieben von seiner Faszination für Insekten. „Es gibt so viele Insekten mit ganz unterschiedlichen Formen und Farben, und teilweise haben die auch ganz verschiedene Charaktereigenschaften“, sagt er.

Wirklich gefährlich für einen gesunden, nicht-allergischen Menschen ist keines seiner Tiere. Schmerzhaft sei ein Biss einer Vogelspinne oder ein Stich eines Skorpions aber trotzdem, in etwa wie der Stich einer Wespe, erklärt er. Gebissen wurde er noch nie von einem seiner Insekten. „Wenn man weiß, wie man mit den Tieren umzugehen hat, darf das auch nicht passieren“, sagt er.

Während er von seinen Insekten erzählt, kommt ein Mann an seinen Tisch. Er fragt, ob man sich die Vogelspinne denn auch auf den Kopf setzen könne. Kein Problem, sagt er. Es handelt sich um eine „Rote Chile-Vogelspinne“, eine „Grammostola rosea“. „Die sind sehr ruhig und friedlich“, sagt Neigert. Man müsse sie schon sehr stark ärgern oder sie zerquetschen wollen, damit sie einen beißt. Aber auch wenn diese spezielle Spinne wegen ihres gutmütigen Charakters fast immer zum Einsatz mit Menschen kommt, einen eigenen Namen hat sie nicht. „Wir nennen die Tiere immer nur mit ihren lateinischen Namen“, sagt er. Mittlerweile ist Giovanno Neigert fast das ganze Jahr über in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit seinen Insekten unterwegs. Während seine ersten Ausstellungen in seiner Heimatstadt in Bayern eigentlich nur gedacht gewesen seien, um sein Insekten-Hobby ein wenig zu finanzieren, gehe es ihm mittlerweile auch darum, den Menschen diese Tiere näher zu bringen.

Martin Kemmer findet, dass sich eine Vogelspinne in der Hand ganz angenehm anfühlt. Foto: Tobias Ebelshäuser/Tobias Ebelshaeuser

Denn viele Menschen würden sich, noch bevor sie überhaupt in der Ausstellung drin waren, schon ekeln und daran zweifeln, ob es überhaupt eine gute Idee ist, die Ausstellung zu besuchen. „Doch danach sagen viele von ihnen, ‚okay, das sind ja eigentlich ganz schöne Tiere‘“, sagt er. „Für uns, die wir jeden Tag mit den Tieren zu tun haben, ist das ganz normal, das ist wie ein Hamster mit acht Beinen.“ Eine der Spinnen ist ja immerhin auch genauso groß.