Comedy : Sagenhaft Komisches in Auersmacher

Furioser Auftakt: Comedy im Herbst mit dem begnadeten Dichter Ody und der grandiosen Microband.

25 Jahre „Knallbunter Abend“ – da dürfen die Veranstalter sich und dem Publikum getrost mal was gönnen. Vor allem, wenn es dank der Umstellung auf Winterzeit schon elend früh dunkel wird und der November seinem schlechten Ruf alle Ehre macht. Um da bei Laune zu bleiben, müssen schon zwei richtige Lachnummern her.

Und das meinen wir jetzt absolut positiv: Für die Jubiläumsausgabe der „Comedy im Herbst“ schickt der künstlerische Leiter Charlie Bick diesmal im Vorprogramm den wunderbar schwarzhumorigen Dichterfürsten Ody und als Top Act das in jeder Hinsicht unglaubliche italienische Musik-Duo „Microband“ übers Land – im Auftrag des Kulturforums des Regionalverbands und der diesmal beteiligten Gemeinden Kleinblittersdorf, Heusweiler, Völklingen und Sulzbach.

Auftakt der viertägigen Tour war am Montag im Ruppertshofsaal in Auersmacher, wo der Wahlsaarländer Ody nicht wie geplant die Lampen brennen hatte. Dabei hatte er seinen Hut extra mit Leuchtsternen dekoriert, aber in der Aufregung vergessen, sie anzuknipsen. Sterne? Klar doch, schließlich geht’s stramm auf Weihnachten zu, und deswegen hatte Ody (mit bürgerlichem Namen Gregor Köhne) sein Programm „Dichterdings“ eigens auf Advent getrimmt.

Den Herbst handelte er fix ab, und schwupps versetzte er das glucksende Publikum in weihevolle Stimmung – mit verunfallten Tännlein, gefallenen Englein, dahin schmelzenden Schneefrauen und Nikoläusen, bei denen der Bart endgültig ab ist.

„Was trieb die Lawine denn da mit Christine?“ Solche Fragen, in denen er sich schnoddrig einen Reim auf seine Pointen macht, stellt Ody mit einer derartigen Unschuldsmiene, dass man ihm nie drauf kommen würde, dass er auch hemmungslos Viecher abmurkst – rein poetisch, versteht sich. Diesmal ließ er eine depressive Perserkatze namens Nofretete vorm Christbaum ins Gras beißen statt in die Whiskas-Paté.

Ebenfalls Virtuosen ihres Fachs sind Luca Domenicali und Danilo Maggio alias „Microband“: zwei Erzkomödianten und Multiinstrumentalisten, die das Genre Musikclownerie in himmlische Dimensionen schießen. Die beiden variieren die beliebte Ausgangssituation, dass zwei unterschiedliche Charaktere gegensätzliche Interessen verfolgen und jeweils um die Gunst der Zuschauer buhlen, indem sie mit frappierender Leichtigkeit hinterhältigste Sabotageakte in schönste Synergieeffekte ummünzen.

Hier trifft italienisches Temperament auf entgleisende Mimik, Slapstick auf rasantes Tempo, Anarchie auf perfektes Timing: Da werden mikroskopisch winzige Ukulelen gespielt oder Instrumente zerlegt, was etwa dem Begriff „halbe Geige“ eine völlig neue Bedeutung verleiht.

Da werden Gitarren vier- oder wechselhändig malträtiert, eine Tandem-Traversflöte zu zweit geblasen und aus Restbeständen herrlich verrückte neue Klangerzeuger wie beispielsweise Luftballon-Dudelsäcke konstruiert. Die Microband ist quasi Erfinderin des Instrumenten-Sharings, ohne dass ihr hochgeschwinder Parforceritt durch Klassiker der Musikgeschichte an musikalischer Seriosität einbüßt.

Und was ein rechter Teufelsgeiger ist wie Danilo Maggio, der reißt sich für sein Publikum die eigenen Brusthaare aus und fiedelt auf und mit allem, solange es nur eine einzige Saite hat, und sei‘s ein Schnürsenkel. Diese „Klassik für Dummies“ ist furios, spektakulär, hinreißend – das muss man gehört und gesehen haben.

Letzte Comedy-Termine sind heute, 6. November, in der Kulturhalle Wehrden (0 68 98/13 28 00) und am 7. November in der Aula Sulzbach (0 68 97/50 84 11).

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