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Behindertenparkplätze in Saarbrücken
Auf der Suche nach einem geeignetem Platz

Behindertenparkplätze wie diese in der Trierer Straße in Saarbrücken sind nur selten so leer. Oft stellen Fahrer ihren Wagen dort ab, obwohl sie nichts dort verloren haben.
Behindertenparkplätze wie diese in der Trierer Straße in Saarbrücken sind nur selten so leer. Oft stellen Fahrer ihren Wagen dort ab, obwohl sie nichts dort verloren haben. FOTO: Nina Drokur
Saarbrücken. Unsere Lesereporterin traf sich mit Vertretern der Stadt, um über die Parkplatzsituation für Behinderte zu sprechen. Von Daniel Novickij und Laura Vordermayer

Eine Mutter möchte ihr krankes Kind, das auf einen Rollstuhl angewiesen ist, zum Arzt bringen. Sie kurvt durch die Straßen – kein freier Behindertenparkplatz weit und breit. Sie kann ihren Wagen nicht im Parkhaus abstellen: Ihrem Sohn wäre der anstrengende Weg bis zur Praxis nicht zuzumuten. In ihrer Not wird die Mutter zum Falschparker und riskiert als geringeres Übel ein Knöllchen.


Das ist die Geschichte unserer Lesereporterin. Sie kennt die schwierige Parksituation allzu gut, wenn sie ihren gehbehinderten Jungen in die Stadt fährt. Nicht nur zum Arzt. „Mein Sohn möchte genauso wie andere Kinder in seinem Alter seine Freizeit in der Stadt verbringen. Da fahre ich ihn.“

Die Betroffene traf sich nun mit Vertretern der Stadt. Mit ihnen schritt sie die Behindertenparkplätze in der Betzen-, Sulzbacher, Dudweiler- und in der Rodenhofstraße ab. Quasi ein Kontrollgang, um auf Probleme hinzuweisen. Sie zeigte den Verantwortlichen, wo sie an ihre Grenzen stößt.



Erste Station: ein Parkplatz nahe Karstadt. „Wenn ich die Beifahrertür öffne, dann stehe ich mitten auf der befahrenen Straße. Da perlt mir der Schweiß von der Stirn“, sagt die Mutter mit Blick auf die gefährliche Situation.

„Das ist ein alter Parkplatz“, sagt ein Mitarbeiter des Verkehrsamts. Das sei ein gewöhnlicher Standplatz. Normalerweise senke man den Gehweg ab und baue den Parkplatz nach den Maßen 3,50 Meter in der Breite und fünf Meter in der Länge um: „Dieser Parkplatz wurde lediglich als ein Behindertenparkplatz gekennzeichnet.“

„In Saarbrücken gibt es 550 Behindertenparkplätze. Die Straßenbaurichtlinien empfehlen eine Quote von drei Prozent an Behindertenparkplätzen im öffentlichen Raum. Diese Bestimmungen erfüllen wir. Das ist nicht in jeder Stadt der Fall“, sagt Josephine Kretschmer von der Stadtpressestelle.

Die Lesereporterin sagt: „Viele Behindertenparkplätze sind nicht nutzbar.“ Sie beklagt, dass zu viele Parkplätze zu nah an der Straße liegen. Dadurch sei es nicht möglich, sicher auszusteigen. Sie bräuchte den Platz, um den Rollstuhl an die Beifahrerseite zu stellen. Erst dann könne ihr Sohn aussteigen. Sie habe ein großes Auto, um den Rollstuhl transportieren zu können.

„Fahrer, die einen Behindertenausweis haben, können auch gewöhnliche Standplätze nutzen. Sie sind nicht dazu verpflichtet, nur diese zu nutzen“, sagt ein weiterer Stadt-Vertreter. Es sei für die Stadt schwer, solche Sonderparkplätze zu schaffen, die diesen besonderen Anforderungen entsprechen. Im Stadtzentrum seien Parkflächen generell heiß begehrt.

„Es gibt auch zu wenige Parkplätze im Zentrum. Viele liegen außerhalb der Stadt“, sagt die Lesereporterin. Die meisten Standorte ließen sich Anwohner reservieren oder seien anderweitig stets belegt, unter anderem von vielen Falschparkern. Einige unter ihnen zeigten sich uneinsichtig, wenn die Mutter sie darauf anspricht: „Einmal, als ich die Polizei rufen wollte und den Beamten das Kennzeichen durchgeben sollte, da legte er den Rückwärtsgang ein mit der Absicht, mich anzufahren. Zum Glück hielt er kurz vor meinem Fuß an.“

„Ich bedauere diese Vorfälle. Allerdings können wir nicht das Verkehrsverhalten beeinflussen. Wir können nur an die Leute appellieren und hoffen, dass sich das Benehmen verbessert“, wirbt ein städtischer Bediensteter um Verständnis.

Stadtverordneter Thomas Brass (Grüne) bestätigt diese Erfahrung. Allerdings spricht er sich gegen übertriebene Bevorzugung der Behinderten bei der Parksuche aus: „Ich möchte nicht aufgrund meiner Behinderung verurteilt werden. Allerdings möchte ich auch nicht positiv diskriminiert werden. Ich möchte mich normal fühlen.“

Das Ordnungsamt ließ vergangenes Jahr 769 falsch geparkte Autos beiseite schaffen, sagt Saarbrückens Pressesprecher Thomas Blug. „Die Stadt ermittelt gegen 2794 Fahrzeughalter. In diesem Jahr schleppte das Ordnungsamt bis April 110 Autos von Behindertenparkplätzen ab“, soweit die bisherige Statistik. Falschparkern drohe ein Bußgeld von 35 Euro. Das ist aber noch nicht alles: „Schleppen wir das Fahrzeug ab, so fallen Kosten zwischen 140 und 250 Euro an.“

„Die Stadt kontrolliert verstärkt. Es sind mehr Ordnungshüter im Einsatz“, sagt ein Kontrolleur. Doch wer darf überhaupt einen Stellplatz für Behinderte nutzen? Dazu Blug: Berechtigte müssen einen blauen EU-Parkausweis haben. Diesen stellt das Ordnungsamt bei Vorlage von Personal- und Schwerbehindertenausweis sowie eines Passfotos aus.

Eine Liste der Behindertenparkplätze in Saarbrücken findet sich im Internet unter der Überschrift „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“.

Wenn der Behindertenparkplatz zu eng ist, haben Betroffene erhebliche Probleme beim Ein- und Aussteigen.
Wenn der Behindertenparkplatz zu eng ist, haben Betroffene erhebliche Probleme beim Ein- und Aussteigen. FOTO: Daniel Novickij