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Grabfelder auf dem Hauptfriedhof
Der Friedhof wird immer vielfältiger

 Das neue jesidische Grabfeld auf dem Hauptfriedhof: Die Angehörigen der Religionsgemeinschaft nutzen vorwiegend die Schreibweise Eziden.
Das neue jesidische Grabfeld auf dem Hauptfriedhof: Die Angehörigen der Religionsgemeinschaft nutzen vorwiegend die Schreibweise Eziden. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof gibt es nun auch ein Grabfeld für Jesiden. Immer mehr Verstorbene werden in Urnen beigesetzt. Von Teresa Bauer

Laut Stadtverwaltung leben im Saarland rund 7000 Jesiden, ein Großteil von ihnen in Saarbrücken. Die Angehörigen dieser Glaubensgemeinschaft kommen überwiegend aus Syrien, dem Irak und der Türkei. Auf dem Hauptfriedhof Saarbrücken im Deutschmühlental wurde vor einigen Tagen ein jesidisches Grabfeld eingeweiht. 93 Gräber stehen Jesiden aus Saarbrücken und näherer Umgebung nun für die Bestattung ihrer Angehörigen zur Verfügung.


Diese sind in Reihen zur aufgehenden Sonne hin ausgerichtet. Da es im jesidischen Glauben bestimmte Reinheitsgebote gibt, ist den Angehörigen gestattet, in einem speziell dafür eingerichteten Raum in der Alten Halle den Leichnam zu waschen. Außerdem darf die Trauergemeinde den Sarg selbst zum Grab tragen und die Grabstätte verfüllen. „Dies erleichtert es den Angehörigen, die Grabstätte entsprechend ihrer religiösen Vorstellungen zu gestalten“, teilt die Stadtverwaltung mit.

1997 wurde auf dem Hauptfriedhof ein Grabfeld für Muslime mit 216 Erwachsenen- und 90 Kindergräbern angelegt. Seit 2018 gibt es ein zweites muslimisches Grabfeld mit 80 Erwachsenen- und 61 Kindergräbern. Alle Gräber sind Richtung Mekka nach Südsüdost ausgerichtet



Auf Wunsch des muslimischen Derwisch-Ordens der Bektaschi wurde 2013 ein weiteres muslimisches Grabfeld mit 36 Gräbern für den Derwisch-Orden angelegt, so die Stadtverwaltung. Die Gräber sind in einer Reihe angelegt, an deren Kopfende zwei unterirdische Grabkammern eingebaut wurden. Darin werden die geistlichen Führer beigesetzt. Der Orden habe diese selbst finanziert. „Später soll dieser Bereich in eine kleine einfache Kapelle integriert und in unmittelbarer Nachbarschaft im Außenbereich zusätzlich ein kleiner Altar gebaut werden. Beides wird ebenfalls über den Orden finanziert.“ Die Religionsgemeinschaft der Bektaschi stammt aus dem Kosovo und besitze außer-
halb des Kosovos lediglich in Spanien einen Friedhof als Pilgerstätte. Die zweite Stätte dieser Art sei auf dem Hauptfriedhof entstanden, um Verstorbene weit über die Stadtgrenzen hinaus aufnehmen, heißt es aus dem Rathaus.

Eine weitere Besonderheit auf dem Hauptfriedhof ist das Sternenkindergrabfeld. Ungeborene Kinder, Totgeburten und Föten können in speziellen Gräbern bestattet werden.

Mit rund 65 Hektar Fläche ist der Saarbrücker Hauptfriedhof laut Stadtverwaltung der größte Südwestdeutschlands. „Der Friedhof steht allen Religionen offen, Katholiken, Protestanten, Moslems, Bektaschi und jetzt auch Yeziden. Der überwiegende Teil der Bestattungen findet als Urnenbeisetzung statt. In letzter Zeit stieg jedoch die Nachfrage nach Urnengräbern, die keinen Pflegeaufwand für die Angehörigen beinhalten. Zum Beispiel Urnenwände, Gemeinschaftsanlagen, Baumgräber“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Für Körperbestattungen kann auf dem Hauptfriedhof zwischen Reihengrabstätten und Wahlgrabstätten gewählt werden. Beispielweise auch anonyme Reihengräber, Gräber mit einem Denkmal, Rasengräber, Partner- und Tiefengräber, oder oberirdische Grabkammern. In der abgetrennten Vorkammer können zusätzlich zwei Urnen beigesetzt werden.

Auch für Urnen-Beisetzungen werden verschiedene Reihen- und Wahlgräber angeboten. Dazu zählen ebenfalls anonyme Gräber, Gemeinschaftsgräber, Urnenfamiliengräber und Urnenpyramiden. Außerdem können Angehörige in Urnen-Gemeinschaftsgrabstätten oder Einzelgräbern inmitten eines Waldstücks bestattet werden.