Auch ein Lehrer kann sich kaum etwas leisten

Humanitäres Projekt in Simbabwe : Selbst ein Lehrer kann sich kaum etwas leisten

SZ-Redakteur Marcus Kalmes hat sich nach Simbabwe aufgemacht, um dort den Dudweiler Arzt Dr. Hans Schales in seinem Krankenhaus zu besuchen. Dort traf unser Autor Menschen mit teils tragischen Schicksalen.

„Ich vermisse sie.“ Diese drei Worte klingen in meinen Ohren nach, seitdem ich mit Bekezela Ndlovu gesprochen habe. Zwischen dem Ort St. Luke’s in Simbabwe, wo ich bin, und Saarbrücken liegen knapp 10 000 Kilometer. Man könnte aber auch getrost sagen: Es sind Welten.

Bei uns in Deutschland sind 59,4 Prozent der Beschäftigen Pendler. 2018 betrug die durchschnittliche Entfernung, die ein Arbeitnehmer von zuhause bis an seine Arbeitsstelle zurücklegte, nach ADAC-Angaben 16,91 Kilometer. Die meisten Pendler sind abends wieder bei ihren Familien.

Bekezela Ndlovu und seine Familie trennen nur zwölf Kilometer. Trotzdem wohnt er wie 20 weitere Lehrkräfte in der Lehrerunterkunft der Zwangendaba High School in Daluka Village in St. Luke’s. Fünf Lehrer teilen sich eine Wohneinheit. Lehrerinnen wohnen alleine. Alle müssen nur den Strom zahlen.

Bekezela Ndlovus 26 Jahre alte Frau Mgutugama und seine einjährige Tochter Appreciate leben in Mbembesi bei Lupane. Ich frage ihn erstaunt, warum er in der Schule statt bei seiner Familie wohnt. Warum er abends nicht zu Frau und Kind fährt. Die Antwort des 29-Jährigen kann ich kaum glauben: „Ich kann es mir nicht leisten.“

Sportunterricht an der Zwangendaba High School in Simbabwe

Bekezela Ndlovu hat es dem Afrika-Projekt von Dr. Hans Schales zu verdanken, dass er Lehrer werden konnte. Er wurde im Patenkinder-Projekt gefördert, konnte dadurch eine Schulausbildung machen. Als Lehrer hat er für Simbabwes Verhältnisse einen guten Job. Er verdient etwa umgerechnet 89 Euro im Monat. Und liegt damit über dem durchschnittlichen Jahreseinkommen in Simbabwe, das um die 800 Euro beträgt. Dennoch kann er sich die Fahrt von Daluka nach Mbembesi kaum leisten. Denn das Busticket kostet hin und zurück 1,80 Euro… Ein Auto hat er nicht. Das wäre unerschwinglich für den 29-jährigen Familienvater.

„Ich sehe meine Frau und mein Kind zwei Mal im Monat“, erzählt der 29-Jährige. In Simbabwe haben die Kinder drei Monate Schule, dann einen Monat Ferien, wieder drei Monate Schule, wieder einen Monat Ferien.

In den Ferien ist Bekezela Ndlovu bei Frau und Kind. Während der Schulzeit bleiben ihm nur das Handy und Whatsapp. Doch auch die Telekommunikation wird in Simbabwe immer unerschwinglicher. „Die Datenvolumen werden immer teurer“, erklärt der Lehrer. Deshalb muss er die Kommunikation mit seiner Familie einschränken. Er schiebt leise mit trauriger Stimme nach: „Ich vermisse sie.“

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