Arzneimittelreport: Barmer beklagt Impflücken bei Kindern im Saarland

Arzneimittelreport : Barmer warnt vor Gefahr durch Impflücken bei Kindern im Saarland

Die Krankenkasse Barmer schlägt Alarm. Im Saarland seien die Impflücken bei den Jüngsten so groß, dass die Gesundheit vieler Kinder unnötig gefährdet werde, schreibt die Krankenkasse in ihrem aktuellen Arzneimittelreport, der sich auf bei den Barmer-Versicherten ermittelten Zahlen von 2017 beruft.

„Überdurchschnittlich hoch ist im Saarland der Anteil von Kindern, die gar keine Impfung erhielten“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Nur der kleinste Teil davon sei medizinisch begründbar. Laut Arzneimittelreport waren im Saarland 3,6 Prozent der Zweijährigen im Jahr 2017 ohne jegliche Impfung. Nur in Bayern (5,3 Prozent), Sachsen (5,1 Prozent) und Baden-Württemberg (3,8 Prozent) war dieser Wert noch schlechter (Bundesdurchschnitt: 3,3 Prozent).

Laut Weltgesundheitsorganistion (WHO) müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen eine bestimmte ansteckende Krankheit geimpft sein, damit sich diese nicht weiter verbreiten kann. Bei allen 13 Erkrankungen, gegen die Kinder in den ersten beiden Lebensjahren nach Empfehlung der von der Bundesregierung eingesetzten ständigen Impfkommission (Stiko) geimpft sein sollten, verfehle das Saarland diese 95-Prozent-Quote, warnt die Barmer. So sei beispielsweise jedes vierte zweijährige Kind nicht ausreichend gegen Masern geimpft. Die Impfquote liege hier bei 76,8 Prozent. Bei den Sechsjährigen steigt sie laut Arzneimittelreport zwar auf 89,6 Prozent, liegt aber immer noch weit unter den empfohlenen 95 Prozent.

Damit kommt der Barmer-Report bei der Masern-Impfung und fast allen anderen empfohlenen Impfungen auf geringere Werte als das Robert-Koch-Institut (RKI) in seiner jüngsten Erhebung vom April, die ebenfalls auf Zahlen von 2017 fußt. Danach waren im Saarland 90,5 Prozent der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung ausreichend gegen Masern geimpft. Barmer-Sprecher Boris Wolff erklärt sich den Unterschied zwischen den Zahlen mit dem unterschiedlichen Datenmaterial, auf dem die beiden Studien aufbauen. So habe das RKI die Zahlen aus den bei der Schul­eingangsuntersuchung vorgelegten Impfpässen ermittelt, während die Barmer alle von den Ärzten eingereichten Abrechnungen für die Impfung ihrer Mitglieder ausgewertet habe. Das sei genauer, weil gerade Impfverweigerer oft keine Impfpässe ihrer Kinder in den Schulen vorlegten. Diese würden dann von der RKI-Statistik erst gar nicht erfasst.

Allerdings sind nur 14,3 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten im Saarland bei der Barmer, wie Wolff auf SZ-Nachfrage mitteilt. Trotzdem hält er die von seiner Krankenkasse vorgelegten Zahlen für repräsentativer als die des RKI.

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