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Armin Lamar, Regionalkantor an der Christkönig-Kirche Saarbrücken

Armin Lamar: Neuer Regionalkantor für Saarbrücken : Armin Lamar und die Orgel, die man nicht hört

An seinem neuen Arbeitsplatz kann Armin Lamar sogar Musik spielen, die man nicht hört. Die Orgel der Christkönigkirche begeistert ihn. Hier will er als neuer Regionalkantor viel öfter in die Tasten greifen und hat auch sonst viel vor. Aber meist Sachen, die man auch hören kann.

Die Saarbrücker Kirche Christkönig liegt im Stadtteil St. Arnual, nahe der Bismarckbrücke und der Autobahn. Mühsam kämpfen die Glocken gegen das Dröhnen des Verkehrs an. Die Orgel im Inneren bietet dem Straßenlärm locker Paroli. Die vielen Prinzipalregister erzeugen einen kernigen Klang. Und die Kontraposaune, ein Zungenregister, erinnert an einen Presslufthammer. Das Instrument beherrscht aber auch zarte Klänge – die sogenannte Himmelsstimme lässt den Zuhörer vom Paradies träumen.

Die Orgel kann sogar Musik spielen, die man nicht hört. Der Organist drückt eine Taste. Nichts passiert. Oder doch? Tatsächlich wird einer Pfeife ein Ton entlockt. Der ist allerdings so hoch, dass er fürs menschliche Ohr nicht hörbar ist.

Am frei stehenden Spieltisch sitzt Armin Lamar. Der Kirchenmusiker ist begeistert von den facettenreichen Klangfarben des Instruments. „Man kann viele Stil-Epochen musikalisch darstellen“, erläutert der 51-Jährige. Seit 1. September leitet er als neuer Regionalkantor die Fachstelle Kirchenmusik Saarbrücken im Bistum Trier. Sein Vorgänger Werner Grothusmann hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Bevor Lamar, der vorher in Saarlouis als Regionalkantor wirkte, nach Saarbrücken wechselte, war der Posten gut ein Jahr vakant. Im Bistum Trier gibt es neun solcher Stellen. Eine wichtige Aufgabe der Regionalkantoren ist die Ausbildung ehrenamtlicher Kirchenmusiker. Daneben wirken sie als Organist und Chorleiter in der Pfarrei, in der ihr Dienstsitz ist. „Ich möchte mit meiner Arbeit Menschen miteinander vernetzen und ihnen über die Kirchenmusik einen Zugang zum Glauben eröffnen“, sagt Armin Lamar.

Dabei hilft ihm die Orgel – die größte in einer Pfarrkirche des Bistums. Die Firma Johannes Klais aus Bonn hat sie 1933 mit drei Manualen und 45 Registern erbaut. 1953 wurde das Instrument erweitert, 1960 umgebaut, 1997 restauriert. Aktuell verfügt es über 71 Register und vier Manuale. Bei seinem Streben, die Menschen für den Glauben zu begeistern, setzt Lamar nicht nur auf die Orgel. Das Singen ist ihm ebenfalls wichtig.

„Musik findet auf vielen Ebenen statt“, sagt der Bistumsmitarbeiter, „das Hauptinstrument ist unsere Stimme“. Die Orgelsoirée, die er im November organisierte, war ein Erfolg, über 100 Besucher kamen in die Christkönig-Kirche. In der Reihe „Soirées spirituelles“ wird in der Adventszeit jeden Samstag wechselweise nach St. Jakob und Christkönig eingeladen.

Auch den Nachwuchs spricht Lamar an. Zurzeit proben etwa 20 Kinder in der Krippenspiel-Werkstatt: Jeden Donnerstag singen, schauspielern, lesen und basteln sie zusammen. An Heiligabend treten sie in der Christmette auf. Der neue Regionalkantor hat weitere Ideen - etwa Orgelführungen für Kinder. „Man kann auch Orgelworkshops anbieten“, sagt Lamar.

Der Katholik kommt aus einer musikbegeisterten Familie. Als kleiner Junge hörte er im Dillinger Saardom erstmals Orgelklänge. Sie zogen ihn sofort in ihren Bann: „Ich bin aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen.“ Als Siebenjähriger bekam er erstmals Orgelunterricht, mit 14 Jahren begann Lamar, das Instrument regelmäßig in Gottesdiensten zu spielen. Zunächst machte er seine Leidenschaft aber nicht zum Beruf. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Schriftsetzer und arbeitete 13 Jahre in der Druckerei-Branche.

Erst 2003 sattelte er um und begann ein Studium der Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. „Ich wäre sonst unglücklich geworden“, sagt der Regionalkantor. Im Sommer 2010 legte er sein A-Examen ab. Lamar, der auch gerne Fahrrad fährt und sich für Kunst und Fotografie interessiert, lebt in Altforweiler. Seine Ehefrau ist Dekanatskantorin in Überherrn, sein Sohn studiert Musik. Die beiden Töchter spielen Geige.

Zurück zur Klais-Orgel. Bei unserem Besuch in der Kirche zeigt das Thermometer 11,4 Grad an, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 64 Prozent. Bei einer Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent werde es brenzlig, erläutert Lamar. Dann müsse man zwischenheizen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Kondensflüssigkeit zu Schimmelbildung an den Teilen aus Leder und Holz führe. Das Instrument ist in die Jahre gekommen. Der Musiker erklärt, dass ein sechsstelliger Euro-Betrag investiert werden müsste, um die Orgel wieder in einen Topzustand zu bringen. In den nächsten fünf Jahren sollte das Instrument renoviert werden. Sonst funktioniere es nicht mehr richtig. Und das will Lamar verhindern. Er ist überzeugt: Wer Menschen mit Kirchenmusik ansprechen möchte, der braucht auch eine ansprechende Orgel.