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Saarbrücker Ordnungsamt
Zwischen Knöllchen und Beleidigungen

 Auf dem Landwehrplatz steht ein Auto unrechtmäßig auf einem Bewohnerparkplatz. Renate Biewer stellt dem Fahrzeugbesitzer ein Knöllchen aus.
Auf dem Landwehrplatz steht ein Auto unrechtmäßig auf einem Bewohnerparkplatz. Renate Biewer stellt dem Fahrzeugbesitzer ein Knöllchen aus. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Renate Biewer kontrolliert als Außendienstmitarbeiterin des Ordnungsamtes Parksünder und Raser. Von Teresa Bauer

Es ist ziemlich ungemütlich draußen an diesem Morgen. Es regnet, und der Wind weht einem die Tropfen ins Gesicht. „Das macht mir überhaupt nichts aus“, sagt Renate Biewer. Die 57-Jährige ist Außendienstmitarbeiterin beim Saarbrücker Ordnungsamt.


Täglich dreht sie ihre Runden durch Saarbrücken und macht Parksünder ausfindig – bei jedem Wetter. „Das gefällt mir an dem Job. Ich bin sehr gerne draußen, das Laufen ist ideal. Außerdem ist die Arbeit abwechslungsreich, und ich habe immer mit Leuten zu tun.“

Gleich zu Beginn ihrer Schicht fällt ihr ein Auto auf, das in der Großherzog-Friedrich-Straße im Halteverbot steht. „Ein Fahrschulauto. Die müssten es ja eigentlich besser wissen“, sagt Biewer.



Sie klopft an die Scheibe. Der Fahrlehrer selbst sitzt hinterm Steuer. Entschuldigend hebt er die Hände und grinst. Offensichtlich weiß er ganz genau, was er falsch gemacht hat. Er legt den ersten Gang ein und fährt los. Ein Knöllchen bekommt er nicht.

Anders sieht es auf dem Landwehrplatz und ringsum aus. Renate Biewer stellt den ersten Strafzettel für heute aus. Das Auto steht zwar innerhalb einer gekennzeichneten Parkbucht, und auch ein Ticket liegt auf dem Armaturenbrett hinter der Windschutzscheibe. Aber der Fahrer hat seinen Wagen auf einem Bewohnerparkplatz abgestellt.

„Das ist sehr häufig das Problem. Die Leute sehen nur das Schild mit dem großen ‚P‘. Dass darunter ein Schild hängt, auf dem ‚Nur für Bewohner‘ steht, übersehen die meisten.“ Biewer zückt ihr Diensthandy und tippt das Nummernschild und das Vergehen ein.

Das Gerät übermittelt die Informationen sofort an die Kollegen im Innendienst und später an die Sachbearbeiter. „Das geht alles digital. Wir haben nicht mehr wie früher Block und Stift dabei.“

Auf wen das Auto zugelassen ist, das erfährt Biewer nicht. „Wir haben keinen Zugriff auf die Daten.“ Schnell macht sie noch ein Foto, das beweist, dass das Auto auch tatsächlich falsch geparkt wurde. Anschließend steckt Biewer noch eine Mitteilung an den Autofahrer zwischen Scheibenwischer und Motorhaube. „Wir dürfen die Scheibenwischer nicht hochheben“, sagt Biewer. Denn früher habe es oft Beschwerden gegeben, Außendienstmitarbeiter hätten dadurch die Fahrzeuge beschädigt.

Nur zehn Schritte weiter entdeckt Biewer den nächsten Verstoß. Ein Auto steht zu zwei Dritteln im Halteverbot. „Zwei Drittel sind zwei Drittel. Da mache ich keine Ausnahme“, sagt Biewer und zückt erneut das Smartphone.

Parken ist in Saarbrücken ist ziemlich teuer. Hat sie denn manchmal Verständnis für die Parksünder? „Wir haben einen gewissen Ermessensspielraum. Sehe ich zum Beispiel ein Auto vor einer Apotheke, das im Halteverbot steht oder in dem kein Parkticket liegt, dann gehe ich auch mal in die Apotheke und frage nach, ob das Auto draußen jemandem gehört. Manchmal mache ich den Autofahrer ausfindig, der dann auch kurz darauf wegfährt.“

Für diese Situationen seien „Brötchentasten“ an den Parkautomaten, wie in anderen Kommunen, nicht schlecht, sagt Biewer. Also zehn oder 15 Minuten kostenloses Parken, wenn man mal kurz in ein Geschäft muss.

Kein Verständnis hat sie für diejenigen, die eine Feuerwehrzufahrt oder einen Behindertenparkplatz blockieren. Besonders makaber seien Fälle, bei denen Behindertenparkausweise längst verstorbener Familienmitglieder missbraucht werden. „Das kam schon öfter vor“, erzählt Biewer.

Ab und an muss sie in Abstimmung mit den Innendienstmitarbeitern der Einsatzleitzentrale dafür sorgen, dass ein Fahrzeug abgeschleppt wird. „Das ist dann schon sehr zeitintensiv“, sagt Biewer. Auch müsse der Abschleppvorgang minutiös dokumentiert werden, falls der Fall vor Gericht landet.

36 Außendienstmitarbeiter sind in zwei Schichten montags bis samstags bis 22 Uhr im Einsatz, erklärt Karsten Hübsch, Sachgebietsleiter Außendienst. Tagsüber seien die Hipos (Hilfspolizisten) allein unterwegs, abends dann aus Sicherheitsgründen zu zweit. Manche von ihnen, wie Biewer, ahnden auch Geschwindigkeitsübertretungen oder Ampel-Verstöße innerhalb der Ortschaft. Dafür müssen die stationären Blitzer einwandfrei funktionieren. Die Ausbildung der Mitarbeiter basiert auf einem fünfwöchigen Lehrgang in der Verwaltungsschule in Burbach. Wer Geschwindigkeitskontrollen vornehmen will, muss einen weiteren Lehrgang belegen.

Dass ihr Job kein Zuckerschlecken ist, erfährt Biewer regelmäßig am eigenen Leib auf ihrer täglich rund zehn bis 15 Kilometer langen Tour durch die Stadt. „Ich wurde auch schon bespuckt und getreten.“

Die Menschen würden immer aggressiver und respektloser. Sprüche wie „Hättest du nichts Besseres lernen können“ oder persönliche Beleidigungen gehörten schlicht zum Alltag. „Trotzdem gefällt mir die Arbeit, und ich würde nichts anderes machen wollen.“