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Ann-Marie Stöhr zeigt im KuBa Werke aus den letzten fünf Jahren

Ausstellung : Nach 19 Jahren Kalifornien wieder zurück in der Heimat

Ann-Marie Stöhr zeigt im KuBa – Kulturzentrum am Eurobahnhof Werke aus den letzten fünf Jahren. Die Ausstellung ist bis 5. Juli verlängert.

Unglücklicher hätte Ann-Marie Stöhrs Neuanfang im Saarland kaum sein können. Im letzten August kam sie nach 19 Jahren in Kalifornien wieder nach Deutschland zurück. Die Ausstellung im Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) sollte eine erste Schau neuerer Arbeiten in der Heimat sein. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die Ausstellung musste geschlossen werden. Nun ist „Neon Indigo“ wiedereröffnet und sogar bis 5. Juli verlängert worden.

Schaut man sich in der Ausstellung um, fällt sofort auf, dass Stöhr in Licht und Farbe schwelgt. Ihre abstrakten Arbeiten spielen mit der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration und bleiben doch immer so vage, dass die Form den Betrachter immer mal wieder an Figuratives erinnert, aber immer im Ungefähren bleibt.

Wie etwa in „Figurine“ (2016), in dem Stör vor einen Wald aus farbigen Diagonalen geometrische Formen setzt, die an eine weibliche Figur erinnern. Der Titel befeuert diese Gedanken. Lässt das Auge los, entdeckt man aber, dass es sich bloß um ineinanderfließende Tuschefarben handelt, vor welche die Künstlerin eine scharfe graue Form aus Acrylfarbe gesetzt hat. So entsteht ein Eindruck von Raum und Tiefe.

Dieses Spiel exerziert Stöhr immer wieder aufs Neue durch. Sie lässt den Hintergrund in Tuschefarben verschwimmen und setzt in den Vordergrund ein scharfes Formenspiel und suggeriert so räumliche Tiefe mit einfachsten Bildmitteln.

Diese Idee ist nicht neu, schon Hans Hofmann, einer der Vorreiter der Abstrakten Expressionisten, spielte mit diesen Ideen und beeinflusste so die Abstrakten Expressionisten um Jackson Pollock und Willem de Kooning maßgeblich. Doch Stöhr spielt das Spiel deutlich weiter. Bei ihr wird die Materialität der Farbe noch intensiver, weil sie im Hintergrund Tusche einsetzt, die sie zerfließen lässt. Das ist ebenso einfach wie genial in der Idee und der Ausführung.

Um die Wirkung noch zu verstärken, nutzt die Künstlerin besondere Papiere und führt uns so bewusst vor Augen, wie sehr das Material die Wirkung beeinflusst. Während mattere Aquarellpapiere die Farbe leicht aufsaugen und so einen opaken Eindruck vermitteln, malt Stöhr auch auf „Yupo-Papier“, einem synthetischen Papier, dass die Farbe nicht aufnimmt. So schwimmt die Tusche auf der Fläche, bildet transluzente Wölkchen und kumuliert immer mal wieder in satten Farbschlieren, wie etwa in „Swiftly“ und „Alienship“, aus deren sattem Dunkelgrün ein Neongelb zu fließen scheint.

Die Gemälde entstehen in einem prozesshaften Malakt – auch hier sind Anleihen an den Abstrakten Expressionismus zu erkennen. Das Malen gewinnt einen performativen Charakter, der Bildinhalt ist nicht vorher festgelegt, sondern entsteht während des Malens. Kein Wunder, studierte Ann-Marie Stöhr doch in den 1990er Jahren bei Bodo Baumgarten und Ulrike Rosenbach.

Weitere Einflüsse? „An der Kunstschule in Göteborg haben mich vor allem der Umgang der skandinavischen Maler mit Licht und Farbe beeindruckt. In den letzten Jahren waren es vor allem Licht und Farben in Kalifornien, die mein Schaffen beeinflusst haben“, so die Deutsch-Schwedin. Tatsächlich meint man in vielen Werken das Flirren und Flimmern der kalifornischen Sonne zu erkennen und die blaue Weite des Pazifiks.

Wie gut Stöhr wirklich ist, zeigt sich in dem einzigen Gemälde, das nicht zu überzeugen weiß. In „Nu“ dominieren weiße und silbrig-graue Farbflächen, auf die Versatzstücke von horizontalen und vertikalen Tuschelinien gebracht wurden und amorphe Tuschefarbflächen aus Blau und Violett. Das alles wirkt so harmlos zusammengestückelt, dass dem Bild jegliche Kraft fehlt. Das aber macht gar nichts, denn es beweist die Stärke der übrigen Werke.

Ann-Marie Stöhr: Neon Indigo. Ausstellung im KuBa – Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken, bis 5. Juli. Neue Öffnungszeiten: Di-Fr,12-16 Uhr, So, 14-18 Uhr. Montag und Samstag geschlossen.