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Bluttat in Saarbrücken
Türsteher (35) liegt im Wachkoma: Anklage wegen versuchten Totschlags

Anklage vor dem Landgericht in Saarbrücken wegen versuchten Totschlags. Nun sind die Richter im Zug. (Symbolbild)
Anklage vor dem Landgericht in Saarbrücken wegen versuchten Totschlags. Nun sind die Richter im Zug. (Symbolbild) FOTO: dpa / David-Wolfgang Ebener
Saarbrücken . Die Schläger sollen gewusst haben, dass ihr Opfer bereits eine schwere Kopfverletzung hatte. Das hinderte sie nicht daran, auf den Bewusstlosen am Boden einzutreten. Das wirft die Saarbrücker Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Tätern vor. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Dieser Tag hat das Leben eines Saarbrücker Türstehers für immer zerstört. Seit einer brutalen Attacke am 16. Juni liegt der 35-Jährige im Wachkoma. Aller Voraussicht nach wird er nie wieder gesund, bleibt ein Schwerstpflegefall. Davon geht die Saarbrücker Staatsanwaltschaft aus.


Anklage wegen versuchten Totschlags

Wegen dieses folgenschweren Angriffs hat sie zwei Männer angeklagt. Der Vorwurf wiegt schwer: versuchter Totschlag und schwere Körperverletzung. Die Beschuldigten sollen ihr Opfer brutal niedergeschlagen und den Mann auch dann noch schwer misshandelt haben, als es bereits bewusstlos am Boden lag.



Auslöser: Am Disco-Eingang abgeblitzt

Der grausame Fall, wie er sich aus Sicht der Anklagevertreter angebahnt und letztlich zugetragen haben soll: Das Drama hatte sich bereits einige Wochen vor dem 16. Juni abgezeichnet. Das Opfer arbeitete als Türsteher für die Saarbrücker Disco Blau. Was ihm später zum Verhängnis werden sollte: Der 35 Jahre alte Mann hatte einen 22-Jährigen, einer der beiden nun Angeklagten, nicht hineingelassen. Das brachte den Abgewiesenen dermaßen in Rage, dass er auch noch Wochen danach alles andere als gut auf den Disco-Mitarbeiter zu sprechen war.

Das Drama bahnt sich an

Das machte sich am 15. Juni bemerkbar, wenige Stunden vor dem dramatischen Zwischenfall. Dort traf der mutmaßliche Schläger rein zufällig in der Disco Seven auf den Blau-Bediensteten. Er erkannte ihn wieder und beschimpfte ihn. Dabei soll der 22-Jährige schon sehr aggressiv gewesen sein, berichten Zeugen. Andere Discobesucher besänftigten ihn. Gleichzeitig wiesen sie den Aufgebrachten darauf hin, dass der von ihm bis dahin nur verbal angegangene Türsteher bereits wegen einer früheren Kopfverletzung eingeschränkt sei: Er trug eine künstliche Schädelplatte. Discobesucher befürchteten also, dass es zu einem handfesten Schlagabtausch kommen könnte, der gravierende Auswirkungen auf den Türsteher haben könnte. Daraufhin verzog sich der 22-Jährige. Vorerst.

Eine zweite verhängnisvolle Begegnung

In der Nacht spitzte sich die Lage dramatisch zu, als beide nochmals zufällig auf dem nahen Beethovenplatz zusammentrafen – eine verhängnisvolle Begegnung. Abermals legte der junge Mann mit Hasstiraden los. Das wollte sich der Türsteher nicht bieten lassen und schlug sein Gegenüber.

Verstärkung mobilisiert

Vollends aufgebracht lief der Leichtveretzte in eine Shisha-Bar am Platz, um Verstärkung zu rufen. Gleich mit mehreren Begleitern kehrte er zurück, darunter auch der jetzt 20 Jahre alte Mitangeklagte. Sie entdeckten ihr Opfer vor der Disco Soho in der Kaiserstaße. Sogleich begann ein lautstarker Streit, den die dortigen Türsteher sofort unterbanden.

Mit voller Wucht gegen den Kopf

Die Gruppe zog weiter in Richtung des Clubs Modul. Ein Zeuge sprach mit dem Blau-Türsteher, der immer noch im Visier der Gruppe stand. Es ging darum, die Gemüter zu beruhigen. Dadurch abgelenkt, hatte der 22-Jährige nun leichtes Spiel. Er holte aus, schlug dem 35-Jährigen brutal gegen den Kopf. Der Mann ging bewusstlos zu Boden. Damit war die Tortur noch nicht vorbei. Nun holte der Mitangeklagte aus und trat mit voller Wucht gegen den Kopf des Schwerverletzten. Dabei geht der Staatsanwalt davon aus, dass auch der zweite Angreifer wusste, dass sein Opfer früher eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte. Das hielt ihn aber nicht von seiner Tat ab.

Lebensbedrohlich verletzt

Ohne sich um den lebensbedrohlich Verletzten zu kümmern, machte sich die Gruppe aus dem Staub. Erst am 11. Juli gingen der Polizei die beiden mutmaßlichen Angreifer ins Netz. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Zu der Schlägerei schweigen beide bislang.

Tod in Kauf genommen?

Mit der Anklage vor dem Saarbrücker Landgericht steht demnächst der Prozess an. Auch Sachverständige sollen dann zu Wort kommen. Ein Termin steht noch nicht fest. Der Staatsanwalt ist überzeugt: Die Angeklagten sollen den Tod des Türstehers „zumindest billigend in Kauf genommen haben“.